Werbe-Nostalgie | Von großen Stimmen und Ute, Schnute, Kasimir

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Es gab mal eine Zeit, da habe ich tatsächlich noch gern Fernsehwerbung geschaut. Und das lag ganz und gar nicht daran, dass die Spots besser oder die Produkte toller gewesen wären. Das lag einzig daran, dass man sich nach jedem Spot auf einen kleinen Comic freuen konnte. Entweder mit den Mainzelmännchen oder mit Ute, Schnute, Kasimir. Letztere liebte ich besonders, weil Kasimir ja soooo ein Süßer war. Das waren noch Zeiten, als man das Gefühl hatte, es ginge gar nicht um die Werbung, sondern nur um kreative Programmgestaltung.

Im Rückblick sind jedoch die Spots dazwischen ziemlich befremdlich. Wenn ich sie heute sehe, kann ich mich sogar an einige von Ihnen wieder erinnern. Unglaublich, aber wahr. Meine All-Time-Favourite-Spots (hier leider nicht zu sehen) waren „Storck Schokoladenriesen bitte, Frau Lange“ und Werther’s Echte „Heute bin ich der Großvater“. Ich habe mich beim Ansehen gefragt, warum diese Spots heute so befremdlich und anders wirken und wo eigentlich genau der Unterschied liegt. Zum einen waren die meisten Spots wesentlich kürzer und prägnanter. Zum anderen, waren sie meist über ihre gesamte Länge von einem Sprecher dominiert, der jedes Produkt bis ins Detail erklärte. Heute wird eine knackige Musik unter die Bilder gemischt und vielleicht sagt am Ende noch jemand etwas zum Produkt. Fertig. Wenn heute gesprochen wird, dann sprechen die Darsteller des Spots einen eigenen Text (wenn auch oft synchronisiert), wie in einem kleinen Film. Damals gab es das zwar auch gelegentlich schon, war aber nicht unbedingt die Regel. Die Protagonisten gaben hier vorrangig ihre Gesichter oder andere Körperteile her. Die damaligen Spots waren, im Vergleich zu den heutigen, in der Tonabmischung eine Katastrophe. Nix mit Dolby Surround, Dolby Digital und Digital Remastered!

Anders lässt sich der Klangunterschied nicht erklären, denn es waren zu großen Teilen bereits damals die großartigen Sprecher am Werk, die wir heute noch in den Spots oder als Synchronsprecher hören. Man erkennt ihre Stimmen sofort und doch klingen sie so anders. Aber genießen wir doch gemeinsam:

Werbeblock mit Ute, Schnute, Kasimir

Masters of the Universe: Was für ein genialer Clip! 😀 Mal ernsthaft, ohne Gottfried Kramer (Gott hab ihn selig! Bekannt als KITT aus Knight Rider oder als Sprecher einer meiner Lieblingssätze: „Und Piggeldy ging mit Frederick nach Hause.“) wäre dieses „Meisterwerk“ doch nur halb so schön…

Mars: Bester Satz: „Auch so, wenn ich mit meiner Clique unterwegs bin.“ Und erinnert Euch die Trulla nicht auch irgendwie an Julia Biedermann?

Viss: Kaum zu glauben, aber in diesem totlangweiligen Spot hört man tatsächlich den göttergleichen Klaus Kindler (Gott habe auch ihn selig!). Seines Zeichens die beste Stimme, die jemals auf Clint Eastwood zu hören war. Auch kam er in „Der Duft der Frauen“ und „Carlito’s Way“ auf Al Pacino zum Einsatz. Wer gleichzeitig über Leichen gehen und Scheuermittel anpreisen kann, gehört auf den Olymp.

Becks: Wer erklärt mir jetzt hier mal bitte schlüssig den Gesamtzusammenhang?

Botterramm: Helga Trümper klingt hier weniger nach „Kate Tanner“ aus Alf, als vielmehr nach „Dr. Marcia Fieldstone“ aus Schlaflos in Seattle. „Jonah, wenn dein Vater traurig ist, weil deine Mutter gestorben ist, dann sollte er morgens sein Brötchen mit Botterramm bestreichen.“

Smacks: Wenn ich mich nicht irre, dann dürfte hier Bill Ramsey dieses knusprige Produkt anpreisen. Herrlich!

Werbeblock mit den Mainzelmännchen

Clearasil: Fremdschämen Deluxe! Nicht für Michael Brennicke, den wir als Chevy Chase so lieben, sondern für dieses unglaublich peinlich-coole Disco-Gehabe dieses Stückchens Filmkunst.

(Bei YouTube gibt es noch mehr tolle alte Werbeblocks, mit noch mehr tollen Sprechern wie z.B. Norbert Langer alias Magnum, aber ich kann ja hier nicht alles verlinken.)

Ihr lieben öffentlich-rechtlichen Programmanstalten! Wenn wir es schon hinnehmen müssen, dass die Werbung heute so poppig, knallig, laut und bunt ist, wie sie es eben ist, so rettet doch wenigstens ihr uns aus der Misere und führt Ute, Schnute, Kasimir und die Mainzelmännchen wieder ein. Ich würde dann auch in der Werbung niiiiiieeeee mehr umschalten. Gaaaaaaanz bestimmt nicht!

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  1. Der Beitrag mit den fast vergessenen Werbespots macht Freude. Danke für den Einblick in den „Rückblick!“ Wenn mich heute jemand zu dem Inhalt einer bestimmten Werbung fragt, muss ich meistens passen. Irgendwie rauschen sie meistens an mir vorbei. Obwohl sie technisch herausragend dargestellt werden, können sie, wie ich finde nicht mehr so „be-rühren“. Früher (ich bin Jahrgang 61) haben wir uns im Abendprogramm besonders auf die „Werbefilmchen“ gefreut. Irgendwann konnten wir die meisten Slogans auswendig. Auch wenn sich sicherlich nostalgische Gefühle damit verbinden, machen sie mir heute in doppeltem Sinne Spaß, der sich teilweise in lautem Lachen äußerte. Wer sie sich angesehen hat, weiß genau warum. Wir können die Vergangenheit nicht zurück holen und das ist auch in Ordnung so. Nur gegen Ute, Schnute, Kasimir und den Mainzelmännchen hätte ich nichts einzuwenden. Da das wohl ein Wunschtraum bleiben wird, werde ich mich in Zukunft über youtube amüsieren.
    Tschau Helli

    • HE,
      Ute, Schnute hattte ich schon vergessen- aber Jahrgang 60- was willst du machen. so ein blog ist doch eine gute idee. gibt es eigentlich Regeln für Kommentare? Wer schaut hier auf was?
      Wie auch immer- es leben Meister Prober und FRau Sommer und Herr Kaier- nicht zu vergessen.

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