Wahlkampfveranstaltung mit Dr. Benecke

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Hab ich eigentlich schon mal gesagt, dass ich auf ekeliges und morbides Zeug stehe? Ich hatte schon immer eine gewisse Faszination an den Dingen, die die meisten anderen Menschen zum Würgen finden. Zu meiner Verteidigung kann ich vielleicht vorbringen, dass mein enormes Interesse am gemeinen Serienmörder eher psychologischer Natur ist. Eine Entschuldigung für meine Faszination an Blut, Gedärm, Gekröse und Leichen habe ich aber nicht. Sie ist einfach da. Nicht, dass wir uns da jetzt falsch verstehen. Auch mich ekelt das, auch ich will das in Natura nicht unbedingt sehen. Riechen schon erst recht nicht! Mich faszinieren Leichen, aber ich finde es furchtbar, dass Menschen erst sterben müssen, bevor sie zu solchen werden. Ich bin nicht nekrophil, führe in meiner Freizeit keine Vivisektionen durch, und weiß auch von sonst keinerlei an mir diagnostizierbaren Paraphilien. Ich bin völlig normal geistig gesund. Und überzeugter Vegetarier. Es ist einfach nur spannend sich zu fragen, warum Menschen Leichen machen (psychologisch) und was dann die Natur wiederum aus den Leichen macht (biologisch).

Um diesem seltsamen „Hobby“ einmal mehr Tribut zu zollen, besuchte ich am gestrigen Abend zum fünften Mal einen Vortrag von Dr. Mark Benecke. Ich habe seine Vorträge schon mit diversen Freundinnen besucht und wir alle waren uns stets einig, dass der Mann schon irgendwie schmacko ist. Seine Diashows sind jedoch alles andere als das. Aber das ist ja gerade das Tolle. Grinz. (Es wäre ein wenig zu kurz gedacht, wenn man jetzt glaubte, ich ginge da nur hin, um mich an Fotos von verwesenden Schweinen, gasgeblähten Leichen und madenzerfressenen Gesichtern aufzugeilen. Wenn wir jetzt mal alle Ironie beiseite schieben, dann steckt schon ein wenig mehr dahinter als Gaffermentalität und Sensationsgier.) Mark Benecke bietet eine tolle Mischung aus Comedy, Wissenschaft und Horrorshow. Biologisch, wissenschaftlich, kriminalistisch und intellektuell gesehen, lernt man auf seinen Vorträgen wahnsinnig interessante Dinge, während er seine Leichen- und Madenfotos mit einem herrlich bissigen schwarzen Humor kommentiert. Ich kann nur jedem empfehlen, sich mal eine Karte für eines dieser Spektakel zu besorgen. Die 20-Euro-Veranstaltungen vor 2000 Mann haben den Vorteil, dass die Vorträge sehr lang und ausführlich sind. Aber auf den kostenlosen 80-Mann-Veranstaltungen, kommt ihr vielleicht auch in den Genuss, dass Mark seine besten Freunde direkt vor Eurer Nase abstellt.

Inhaltlich war der gestrige Vortrag für mich eher unspannend. Denn exakt den gleichen hatte ich bereits vor einem halben Jahr in Gelsenkirchen gesehen, damals allerdings ungefähr anderthalb Stunden ausführlicher. Das liegt daran, dass Mark sein Publikum vorher über das Vortragsthema abstimmen lässt. Da lässt es sich nicht vermeiden, dass das Wahlergebnis zwei Mal hintereinander identisch ist, denn das Publikum ist es im Schnitt ja nicht. Und wenn das Thema „Biotonne“ schon als das mit den meisten Ekelfotos angekündigt wird, wie wird die Wahl da wohl ausgehen… na? Klar, dass mal wieder alle wissen wollten, warum eine Frau ihren toten Vater in der Biotonne entsorgt, und wie man wohl aussieht, wenn man ein paar Monate bis Jahre darin vor sich hin wesen durfte. Lecker sieht man aus! Mark garnierte sein Süppchen dann noch mit ein paar Bildern von versuchsweise verwesenden Schweinen. Spannend, dass auf allen Fotos ausschließlich StudentINNEN um Mark herum standen. Männer finden das alles zu ekelig, wie Mark mir auf Nachfrage bestätigte. Ne klar, wassen sonst? Trotzdem konnte ich mir nicht vorstellen, dass Grün die natürliche Gesichtsfarbe der Dame in der Reihe vor mir war.

Spannender war der Umstand, dass der gestrige Abend mal eben nebenbei mein Sonntagsproblem gelöst hat. Folgendes ist passiert. Wie der Zufall es so wollte, begegneten sich eines schönen Tages Mark Benecke und Martin Sonneborn. (Für alle Unwissenden: Martin Sonneborn war Chefredakteur der Titanic, ist Mitbegründer und Vorsitzender der Partei DIE PARTEI und eben Satiriker.) Man verstand sich wohl ganz gut, Mark trat der PARTEI bei und gemeinsam betrieb man dann spaßeshalber eine Wahlveranstaltung in einem Punk-Club. Ein paar Flyer und Presseberichte später, hatte sich das Ganze verselbstständigt. Zur Bundestagswahl 2009 wurde DIE PARTEI nicht  zugelassen. Ein Skandal, der die Missstände in unserem System ziemlich deutlich macht! Doch was der Bundeswahlleiter versaute, machte der Landeswahlausschuss glücklicherweise in diesem Jahr wieder gut. Die Landtagswahl ist geritzt. Ich bin zuversichtlich, dass die PARTEI auf Anhieb 0,8% der Wählerstimmen abgreifen wird. Nicht zuletzt auch deshalb, weil Dr. Mark Benecke, dank der sich verselbstständigenden Veranstaltung im Punk-Club, jetzt der Nordrhein-Westfälische Ministerpräsidentskanditat der PARTEI ist. Großartig!

Den Bottroper Wahlzettel konnte ich nicht auftreiben, aber alle die es nicht glauben, können sich gerne anhand des Gelsenkirchener Wahlzettels vom Wahrheitsgehalt dieser Aussage überzeugen. (An Stelle 13)

Gelsenkirchen_WK_75

Mark freut sich auch schon. So sehr, dass er seine Rolle schon mal geübt hat.

Wäre ich nicht schon vorher ein Anhänger gewesen, ich wäre es spätestens jetzt, denn ich werde im Flyer ja quasi direkt angesprochen. Hachz, wat habbich mich gefreut. In meinen Teenagertagen hatten wir die Angewohnheit, alles zu verenglischen was ging. Alles Schlechte war krank (sprich kränk), alles Gute war krass (sprich kräss). Wer mich kennt, merkt sofort… klingt irgendwie wie mein Nachname. Rüschtüüüsch! Damit war ich damals auch unbestritten der Held im Erdbeerfeld. Und dann legt DIE PARTEI mir diesen Flyer vor:

Die Kopfzermaterei hat ein Ende. Am Sonntag wählen wir alle aus tiefster Überzeugung DIE PARTEI.

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Eine Antwort »

  1. Tja, Du krasse Vanessa… Schön, dass Du „völlig normal“ gestrichen hast… ;-)) Ich meine, wer von uns Leutchen ist das schon…?! Wobei man sich zudem ja ohnehin immer fragen muss, WAS eigentlich normal ist… Und teilweise sind die von der allgemeinen Norm abweichenden Menschen ohnehin die interessanteren…
    Hat jetzt nicht wirklich was mit dem Thema zu tun, sorry… 😉

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