About Hollywood, bäd englisch and small penises

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Auch wenn ich früher oft über ihn geschimpft habe, so fehlt er mir doch sehr, mein alter Job. Doch mit ihren unbarmherzigen dürren Fingern, riss ihn sich die Wirtschaftskrise unter den Nagel. Was sie mit ihm (und den Jobs vieler anderer Leute) angestellt hat, vermag ich nicht zu sagen. Aber vielleicht kommt ja nach der Inflation in Robin-Hood-Manier ein Wirtschaftswunder daher, und gibt den Armen und Schwachen das Diebesgut endlich wieder zurück.

Nachdem ich acht Monate lang Zeit hatte, die vielen dazugewonnen überflüssigen Stunden des Tages in meine Synchronsprecher-Datenbank zu stecken (deren enorme Fortschritte, ich erinnere gern noch mal daran, ja dann in nur einer Stunde mit rabiater Gewalt wieder zunichte gemacht wurden – was für eine unglaubliche Verschwendung an Lebenszeit…), kam dann aber doch noch ein guter Samariter des Weges. Dieser Samariter war mein ehemaliger Chef, der die Firma schon zwei Jahre vor allen anderen freiwillig verlassen hatte, mittlerweile selbstständig ist und freundlicherweise noch einmal an mich dachte. In seiner Selbstständigkeit dreht er an vielen Rädern (noch keines davon wirklich groß) und verkauft gefühlte 20 Produkte unter gefühlten 15 Firmennamen, die alle nicht das geringste miteinander zu tun haben. Doch tief in unseren Herzen, hoffen sowohl er als auch ich, doch nochmal in die alte Branche zurückkehren und wenigstens wieder das selbe Produkt wie damals verkaufen zu können.

Nun tauchte vor einiger Zeit ein netter Herr aus Irland auf, der zufällig genau dieses Produkt verkauft und noch „Dealer“ (wir benutzen dieses Wort so tatsächlich!) für Europa sucht. Nach tagelangem Emailverkehr flog der gute Mann heute bei uns ein. Da aber mein Chef Deutsch, Englisch, Schwitzerdütsch und Hände und Füße miteinander vermischt, was zu einem oft undefinierbaren Wortbrei führt, musste die gute Frau Brummsel mal wieder (wie früher) als Übersetzerin ran. Doch Ojeee, kennt ihr diese Tage, an denen man aus unbekannten Gründen einen Knoten in Zunge und Hirn hat? Ausgerechnet heute war dieser Tag! Erst habe ich noch geglaubt, ich täte mich deshalb im Übersetzen so schwer, weil mein Cheffe sich den ganzen Tag so verquer ausgedrückt hat, dass ich den Sinn seiner Sätze schon in Deutsch kaum verstanden habe.Vielleicht hat ja heute einfach jeder einen Knoten in Zirn und Hunge. Schlechtes Karma? Warum war dann aber das Englisch des Iren so perfekt? To make a long story short, ich haspelte mir ordentlich einen zurecht. Den ganzen langen Tag ärgerte ich mich über mich selber green and black, und wäre am liebsten in the earthground disappeared.

Richtig ärgerlich wurde es aber, als ich plötzlich bemerkte, wie wichtig es sein könnte, sich bei dem Iren ordentlich einzuschleimen. 😉 Er erwähnte nämlich nebenbei, dass er Geschäfte in Neuseeland macht. Da klingelten mir doch gleich die Ohren und ich nutzte fix die Gelegenheit, mich als potentielle Partnerin für den neuseeländischen Markt zu empfehlen. Das brachte ich sogar in fehlerfreiem Englisch über die Lippen. Uff! Doch in Anbetracht des Englisch, das ich zuvor noch radebrechte, hab ich mich wohl disqualifiziert. Immerhin lächelte er charmant und behauptete mal zu gucken, was sich machen ließe. Na klaaar!

Kurze Zeit später, wurde mir die Wichtigkeit des Einschleimens aber noch bewusster. Nachdem mir die Cheffin (Frau von Cheffe) kurz in die Rippen tippte, stellte ich dem Iren die Frage, die uns schon seit Tagen nicht aus dem Kopf ging:
„Mr. Brosnan, we were wondering if you might be related to Pierce Brosnan!?“ Seine völlig überraschende Antwort lautete: „Yes of course, he’s my cousin!“
Oh. Mein. Gott!

So kam es also, dass ich den ganzen Tag mit dem Cousin von Pierce Brosnan verbrachte. Der erzählte uns auch gleich ganz frank und frei, dass Pierce auch schon allen Familienmitgliedern Filmrollen angeboten hat, während ich mich ärgerte, dass ich irgendwie nicht auf circa 60jährige Männer stehe, was mich daran hinderte Cousin Tom Brosnan eine Eheschließung zu offerieren. Zumindest waren wir uns darin einig, dass Pierce leider nicht besonders gut schauspielern kann. Tom meinte dazu: „At least he is handsome.“ Das musste ich vehement verneinen. Ich gab zu, dass ich in „Remington Steele“-Zeiten noch wahnsinnig verknallt war in den guten Pierce. Doch heute finde ich ihn nur noch schleimig und unattraktiv. Cousin Tom ähnelt ihm zwar und hat zudem extrem weißes Haar, schlägt Pierce jedoch in puncto Attraktivität um Längen. Vielleicht hätte ich ihm das mal sagen sollen. Das hätte meine Chancen auf eine Hollywood-Karriere unter Umständen verbessern können. Träumen sie mal weiter, Frau Brummsel!

Anekdote des Tages:
Mein Cheffe ist ein ziemlicher Raser, der noch nie etwas von Abstand oder Spur halten gehört hat, was ich ihm auch immer wieder gerne anklagend aufs Butterbrot schmiere. Heute im Auto bat er mich darum, Tom zu fragen, ob er ihm zu schnell sei. Tom sagte „Nein“, ich sagte „Mir aber!“. Daraufhin bat mich mein Cheffe, Tom bitte auch gleich zu erklären, wie ich sein Auto in der Regel immer nennen würde. Und da ich mich ja für gar nichts schäme, sagte ich Tom das auch: „motorised Penis-Enlargement“, zu deutsch „motorisierte Lingam-Verlängerung“.
Tom stimmte dem heftig kopfnickend zu, was ich schon großartig fand. Großartiger fand ich aber, was Tom sagte, als wir am Ziel ankamen. Fragend schaute er meinen Cheffe an und wollte wissen, was für ein BMW das denn sei, den er da fährt. Cheffe: „Fünfer!“ Tom zu mir: „Good for him. You know, BMW 5: middle sized Penis. BMW 7: very small.“
Mr. Brosnan, you made my day!

Für alle Neugierigen: This is Tom!

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    • Nettes Schimpfwort.

      Ok, ich stell mich jetzt mal nicht mehr so an und sage: Ich – äh – finde den ganz passabel.

      • Ok, ich mag den Pierce. Vor allem, weil er so bedingungslos zu seiner nicht-hollywood-typischen Frau steht.
        Und weil ich ihn wirklich wirklich attraktiv finde. Außer in James Bond-Filmen finde ich sein schauspielerisches Talent allerdings auch nicht besonders. Abgesehen tatsächlich noch von Remington Steele, das sehe ich mir heute noch gerne an.

        • Tom hat uns Pierce‘ hervorragende Ehemann- und Vaterqualitäten auch bestätigt. Happy Family auf Hawaii. Hachz.

  1. Nachdem wir ja wissen, dass der gute Pierce hierzulande vom unglaubrechten Frank verdeutscht wird: Wen würdest Du denn – nachdem Du ihn jetzt so hautnah erlebt hast – auf Cousin Tom besetzen??? 😉

    • Das ist in der Tat eine sehr spannende Frage. Zunächst einmal hat Cousin Tom selber eine sehr nette Stimme.
      Schön ist die Frage aber deshalb, weil Tom selber gerne schauspielern würde. Er hatte sogar von einem Regisseur ein sehr drängendes Angebot. Der war der Meinung, dass niemand anderes als Tom Brosnan diese Rolle spielen könne. Leider ist Tom zum Zeitpunkt des Drehs in China und es war ihm wohl erstmal wichtiger, dass sein Geschäft ordentlich läuft. Schade drum! Aber für den Fall, dass es doch noch einmal soweit kommt, kann ich ja schon mal vorgreifen.
      Natürlich käme es jetzt darauf an, welche Art von Rolle Tom verkörpern müsste. Da er selber aber lustig und locker ist, könnte ich mir Hucky Tennstedt ganz gut vorstellen. Ganz anders, aber auch denkbar wäre Ernst Meincke. Mein persönlicher Favorit wäre aber wohl Bernd Rumpf. Ja ich weiß, die klingen alle anders und auch keiner von denen kommt seiner Originalstimme nahe. Aber ich bedenke jetzt nur Toms Gesicht und die Art von Rolle, die er vielleicht hätte spielen können. 😉

      Hab den Artikel mal mit einem Bild von Tom verlinkt 😉

  2. Nachdem ich heute mal wieder unter der Regie vom guten Bernd was gesprochen habe und mir dabei vor Ort mal Dein verlinktes Foto von Cousin Tom ins Gedächtnis gerufen habe, stimme ich Dir vollstens zu, dass er ’ne super Besetzung wäre! 🙂 Was die Originalstimme betrifft, sollte man sich meiner Meinung nach ja beim Besetzen ohnehin nicht zu sehr daran orientieren, sondern eher jemanden finden, der zum Gesicht bzw. zu dem Typ passt. Falls Toms Filmkarriere also mal starten sollte, haben wir also mit Bernd schon jetzt das passende deutsche Pendant. *g*

    • Cool, dass wir uns da einig sind. Noch cooler natürlich, dass Du heute mit Bernd zusammen gearbeitet hast. Haste ihm gesagt, dass wir da was ganz Tolles für ihn aufgerissen haben? 😉

      Stimme Dir übrigens zu, dass die Originalstimme kein Indikator sein sollte. Was hätte da bei auch rumkommen sollen? Gerrit Schmidt-Foss auf Richard Gere? *gnaaaaa*

    • Nachdem ich ihn gerade wieder höre, könnte ich mir übrigens auch Jan Spitzer noch ganz gut vorstellen… aber nicht Kaspar Eichel oder Gerald Paradies… *grööhl*

  3. Oh ja, Jan Spitzer würde aus ihm ’ne echt coole Sau machen… *g* Paradies vergöttere ich zwar geradezu, der wäre aber wohl wirklich etwas zu „knarzig“… 😉

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