Proof of Life

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Jetzt wird es aber wirklich langsam Zeit, dass ich mich endlich wieder zu Wort melde.
Mögen alle, die schon geglaubt haben ich wäre rücklings vom Stuhl gepurzelt, beruhigt sein. Es geht mir gut. Mir geht es sogar besser denn je.

Ich befinde mich seit anderthalb Wochen im Urlaub. Das betrifft wohl in erster Linie meinen Geist und führt hier zu getippter Stille. Scheinbar befand ich mich im Irrtum, als ich glaubte, ihr würdet Euch freuen, nicht ständig von meinen geistigen Ergüssen aus Eurer Feierabendlethargie gerissen zu werden. Reiche mal einer meinem Markus einen Beatmungsschlauch!

Zwar genieße ich diese gelebte Prokrastination, aber abschalten kann ich dennoch nicht so richtig. Es verhält sich folgendermaßen: Von meiner Mum habe ich das Gen geerbt, immer alles was ansteht S O F O R T erledigen zu müssen. Gleichzeitig erbte ich allerdings von meinem Papa die Eigenschaft, erst einmal alles aufschieben zu können.
Das Ergebnis ist, dass ich alles sofort erledigen WILL, es dann aber doch besser erst einmal lasse, was zu ekelhaften Gewissensbissen mir selbst gegenüber führt. Nein, ich möchte das nicht in einem Stuhlkreis ausdiskutieren.

Die letzten Wochen haben mich zwei Sachen auf jeden Fall gelehrt:
1. Fange niemals eine Blogserie an. Du hälst dem Druck, den Du dir selber setzt niemals stand!
(Zwar denke ich, dass ich die letzten Buchbesprechungen noch nachreichen werde, weiß aber auch, dass ich sowas nicht mehr machen werde. Projekt gescheitert!)
2. Lasse los was Du Dir wünscht und dessen Erfüllung fliegt Dir in die Arme!

Aber jetzt mal der Reihe nach.
Ich hab einen neuen Job gefunden. Genauer gesagt, hat der Job mich gefunden. Zwar hatte ich mir schon länger gewünscht, bald einen guten Job in einer größeren Firma mit vielen Kollegen zu finden, aber dass es so schnell gehen könnte, daran hatte ich nun wirklich nicht geglaubt. An dieser Stelle möchte ich gerne den schlampigen Mitarbeiten des örtlichen Arbeitsamtes meinen herzlichsten Dank aussprechen, dass sie es in sieben Monaten nicht geschafft haben, mein Stellengesuch aus ihrem System zu löschen, was dazu führte, dass ein renommierter deutscher Stahlbauer nun mich gefunden hat. Prokrastination zahlt sich eben doch aus.
Meine Urlaubszeit begann also erstmal mit einem Vorstellungsgespräch, einem Probetag und dem schweren Gang zu meinem derzeitigen Chef. Aber hart wie Kruppstahl habe ich sogar die Kündigung durchgezogen. Ist natürlich Nonsens. Nichts hätte mir schwerer fallen könne. Aber er hat so sehr menschliche Größe bewiesen, als er mir zu der Chance gratulierte und sich für mich freute, dass es ihm kaum je zu danken sein wird. Er ist einfach ein wunderbarer Mensch!

Nach all dem Trubel wollte ich dann aber wirklich mal abschalten. Abgesehen von ein paar Stunden, die ich mit einem Buch oder einem Sudoku auf der Couch verbrachte, ist mir das aber noch nicht gelungen. Jetzt hab ich schließlich mal die Zeit tagelang die Wohnung zu putzen, sage und schreibe 8 Maschinen Wäsche in drei Tagen zu waschen, die ganze Wäsche zu falten und einzusortieren, aufzuräumen, Akten zu sortieren usw. Uff! Wie ätzend! Mum, ich liebe Dich, aber diese Gene hätte ich nun wirklich nicht gebraucht.

Jetzt ist fast alles fertig und es steht nur noch eine einzige Pflicht in meinem Urlaub an. Sie muss dringend erledigt werden, aber ich tu mich seltsamerweise schwer damit.
Wer mich kennt, der weiß, dass ich mich derzeit um ein Ehrenamt bemühe. Obwohl ich für dieses Jahr meine Chancen schon abgeschrieben hatte, weil ich mit meiner „Bewerbung“ viel zu spät daherkam, hab ich nun doch noch eine sehr vielversprechende Chance erhalten. Ich hatte ein tolles Erstgespräch und bin nun in einer Auswahlgruppe, aus welcher sich die geeignetsten „Bewerber“ im September herauskristallisieren sollen. Im Erstgespräch musste ich diverse persönliche Dinge über mich und mein Leben berichten. Das war kein Problem. Doch bis zum 10. August muss ich diese Dinge nun auch schriftlich eingereicht haben. Auch das wäre kein Problem, wenn ich mich nicht gerade mit einer Schreibblockade herumschlagen würde. Herr, bitte lass ganz schnell Inspiration vom Himmel regnen!

Bis es soweit ist, nutze ich die Zeit mich noch ein wenig darüber zu ärgern, dass es VOR meinem Urlaub täglich über 30 Grad hatte, während ich mich in meinem gesamten Urlaub mit Regen und Kälte herumschlagen muss. Es ist JEDES Jahr das Gleiche. Zum Glück verdiene ich bald endlich ordentlich. Im nächsten Urlaub geht es in den Süden! So! Ach nee, erstmal wird umgezogen. Jippieh!
Meine Pläne sind also buchstäblich ins Wasser gefallen. Mein wichtigster Plan (mit Huck in den Hochseilklettergarten zu gehen) scheint sich aus Zeitgründen nicht umsetzen zu lassen, ein neues Waisending hab ich auch noch nicht aufspüren können, die 40 Anrufe die ich erledigen wollte hab ich bisher noch nicht geschafft und in Berlin bin ich auch nicht gewesen. Ab heute hab ich noch genau eine Woche Urlaub. Ich hoffe, ich kriege noch einen Teil meiner Pläne auf die Reihe und kann noch ein ganz klein wenig abschalten!

Stay Tuned!

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  1. Ich hatte doch heute schon die ganzer Zeit das Gefühl, hier täte sich was … AHAAA! Mit neuem von Dir fühlt sich meine Blogroll doch schon so viel besser an.

    Sehr gerne helfe ich Dir beim Überwinden Deiner Schreibblockade. Mein alter Zenmeister meinte bei solchen Gelegenheiten immer „Die Lotusblüte sucht sich…“ ach nee, das war etwas anderes; er meinte „LOS! SETZ DICH HIN UND SCHREIBE! JETZT!. Der Rest kommt dann schon!“
    Prokrastinieren kannst du auch morgen noch …

    Ansonsten gehe ich davon aus, Dir den größten Gefallen damit zu tun, dich in den nächsten Tagen einfach mal nicht zu belu/ästigen und Dich machen zu lassen … Urlaub und alles …

    So, Nnenschein, alles Hübsche noch!

  2. Wie schön, wie schön – Du bist wieder dahaaa!! An dieser Stelle eine Feststellung: Wir sitzen wohl im selben Stuhlkreis des Lebens, bei mir gewinnen aber zurzeit dummerweise vermehrt die väterlichen Gene.

    Den Abschnitt zum Thema Ehrenamt habe ich sehr aufmerksam gelesen. Vielleicht hast Du ja Lust, mir bilateral, wie wir hier im Büro zu sagen pflegen, ein wenig davon zu erzählen???! Ich bin sehr neugierig. 🙂

    Und last but not least: Herzlichen Glückwunsch zum neuen Job. Auf dass Du nächstes Frühjahr auf Deinem eigenen Balkon sitzen wirst. 😉

    Liebste Grüße
    Frau SSL

  3. Ich Protestiere;
    wenn du die Gene deiner Mutter hättest, würdest du niemals
    auf 8 Maschinen Wäsche sitzen ……..!
    Schade das Eltern nicht die Gene ihrer Kinder erben können:::!
    Du verstehst?

    Großer Hase

  4. Herzlichen Glückwunsch zum neuen Job!
    Das freut mich sehr für dich!
    Und schön auch mal wieder was von dir zu lesen 🙂

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