Für’n Apple und’n Ei

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Es scheint immer nur eine Frage der Zeit zu sein, bis übermäßiger Erfolg zu völliger Überheblichkeit führt.
Mittlerweile kann man nur noch den Kopf darüber schütteln, wie der erfolgreiche Weltkonzern eines gewissen Steve Jobs es schafft, sein gutes Image selbst zu demontieren.

Darüber, dass sich die horrenden Preise für die vielen innovativen Produkte auf die Dauer nicht mehr rechtfertigen ließen, schauten die Anhänger der Kultprodukte lange Zeit hinweg. Jedermann war bereit vor allem den guten Namen zu bezahlen, wenn sich damit ein erlesener Geschmack bewiesen ließ und man die eigene Position in der Gesellschaft vermeintlich auf eine höhere Stufe stellen konnte. Außerdem konnte man sich endlich mal auf subtile Art und Weise beim Konkurrenten „winzigweich“ für die vielen Abstürze und „schweren Systemfehler“ rächen, indem man wenigstens im Bereich der Unterhaltungselektronik den Hersteller wechselte.

Leider bekam das tolle Image des angebissenen Apfels mit der Zeit aber so seine Risse. Erst lässt ein offenbar nicht sehr vertrauenswürdiger Mitarbeiter die neuste Innovation in einer Kneipe liegen, was aber wahrscheinlich eher Marketingstrategie denn Missgeschick war, und als das Telefon der 4. Generation dann endlich auf dem Markt erscheint, kann es alles, nur nicht telefonieren. In der Zwischenzeit wurde der gesamten Weltpresse der Kopf verdreht. Kriege, Katastrophen und Hungersnöte dienten den Journalisten allenfalls noch als Lückenfüller. Schließlich hatte Apple gerade ein touchbares Internet auf den Markt geworfen. Sämtliche kleingeistige Produktanhänger warfen noch vor Erscheinungsdatum ihre Notebooks auf den Müll, nur um dann festzustellen, dass man mit dem hübschen Glasmonitor außer surfen und appen nicht viel anstellen kann. Aber Datenverarbeitung wird eh total überschätzt.

Nun aber ist das Ende der Fahnenstange erreicht. Der Apfel ist aufgegessen. Er hat sich quasi selbst verdaut. Die Konzernspitze meint das nur noch dadurch verhindern zu können, dass sie sämtliche Konkurrenten ein für allemal aushebelt. Und wer es geschafft hat, die Hersteller eines gewissen wePad in die Knie zu zwingen, der schafft es erst recht mit einem kleinen mittelständischen Küchenproduktproduzenten.
Der kultige und beliebte „eiPott“, darf sich ab sofort nicht mehr so nennen. Apple hatte sich schon vorsorglich den Namen iPod (und alles was so ähnlich klingt) für „Geräte und Behältnisse in Küche und Haushalt“ schützen lassen und konnte jetzt endlich von diesem Patent Gebrauch machen. Außerdem wurde in der Namensähnlichkeit, verbunden mit der immensen optischen Ähnlichkeit, ein Affront gegen den amerikanischen Riesen erkannt.

Ich hätte da mal 4 Fragen an den guten Steve:
1. Warum lässt man den Namen für ein Musikabspielgerät [sic!] für „Geräte und Behältnisse [sic!] in Küche [sic!] und Haushalt“ schützen?
2. Wenn Apple die Rechte an sämtlichen Namensbestandteilen des Wortes iPod hat, haben dann unsere Podologen eine Klagewelle zu befürchten?
3. Hat Ihnen schon mal jemand gesagt, dass Konkurrenz das Geschäft belebt und gerade die Vernichtung eben dieser ein Image auch zerstören kann?
4. Hält Apple seine Kundschaft wirklich für so unsagbar bescheuert, dass sie einen Eierbecher tatsächlich mit einem MP3-Player verwechseln könnten? Und wundern Sie sich in Anbetracht dieser Tatsache wirklich, dass Ihnen die Kunden davonrennen?

Er wird mir die Antworten wohl schuldig bleiben. Kannse echt n Ei drauf schlagen!

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    • Hallo und herzlich willkommen hier.
      Nicht, dass ich meinen iPod nicht mögen würde (ich hab ihn übrigens gewonnen, denn ich hätte ihn mir selbst nicht leisten können), aber das nimmt jetzt lächerliche Auswüchse an.

  1. Es gibt übrigens noch welche bei ebay. Mehr als 10 Euro mit Porto für ein bißchen Plastik. Und ohne Logo drauf. Das mit dem Logo ist nur Deko. – Dekologo. Nö, dann doch nich. 😦
    (Obwohl: die steigen jetzt bestimmt im Kurs. – Nö, trotzdem nich.)

    • Für 7,50 gibt es sie auch noch bei Amazon. Aber da kämen auch noch Transportkosten hinzu, wenn man nicht noch seinen sonstigen Bedarfskram gleich mitbestellt. In der Tat sehr teuer. Ist halt ein netter Gag, der sich bisher großer Beliebtheit erfreute. Leider gab es das Logo seit jeher immer nur auf der Verpackung.

    • Was ist denn mit dem Huhn? Muss es jetzt seine Produktpalette generell überdenken? Oder wird das Huhn per, von Apple erwirkter, einstweiliger Verfügung komplett ausgerottet?

  2. Wär den armen Tieren ja zu gönnen.
    Aber dann entdecken sie, daß auch andere Vögel und Echsen Eier legen. Oh-Oh.
    Und was machen die mit meinem Koch-Pott?!

  3. Ich schätze durchaus die technische und optische Gestaltungkraft von Ap.ple, designtechnisch für mich die Fa. Braun des 21. Jahrhunderts (auch wenn ich den iPod eher nicht so hübsch finde). Der Kult um diese Firma führte aber wohl dazu, dass sie sich selber cool finden und ihr kleines Universum gegen Winzigweich und alles andere abschotten wollten. Schlimm finde ich dabei vor allem, dass sie ihren Anhängern/Jüngern enorm viel Geld für alle möglichen Produkte abnehmen, die zum Teil – wie im Falle des Frühstücksbrettchens – kein Ersatz, sondern eher Ergänzung sind. Das hat für mich dann schon Aspekte von Abhängigkeitsförderung. Das hat mich auch hautpsächlich davon abgehalten, in das Apfeluniversum einzutauchen. Mein mp3-Player ist von einer anderen Firma und ich bin dennoch sehr zufrieden. Und auch, wenn das nächste Handy wohl ein Smartphone sein wird, greife ich dann wohl eher auf ein konkurrenzprodukt zurück, auch wenn diese keine Designgeschichte schreiben werden.

    Sich wegen dieses durchschnittlich originellen Eierbechers derart als spießig zu offenbaren, kostet doch viel mehr Imagepunkte als es die Sache wert gewesen wäre, zumal auch mir neu wäre, dass sich das Jobswunder nun auch in Küche oder Bad breitmachen möchte, aber wer weiß …

    Sollte ich also lieber schon mal prophylaktisch meinen iErschneider, den iCecrusher und den roten iMer aus dem Haushalt verbannen?

    Sollte ganz Hessen sich schon mal Gedanken machen, ob künftig Lizenzgebühren für den guten alten Äppelwoi zu entrichten sind?

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