Unvorstellbare Dimensionen

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Ich bin eine absolute mathematische Nulpe. Ich habe keinerlei Gespür für Zahlen. Kein Gefühl dafür, wie groß oder klein ein gewisser Geldbetrag ist, oder dafür, ob eine bestimmte Anzahl an Jahren eher lang oder kurz ist. Natürlich besitze ich einen gewissen subjektiven Sinn für diese Dinge, aber grundsätzlich sind Zahlen für mich böhmische Dörfer. Genaugenommen beherrsche ich nicht einmal das Ein mal Eins so gut, wie man es eigentlich können sollte. Und ich bin Kauffrau. Witzig, oder?

Aber es gibt zahlentechnische Dimensionen, die so gewaltig sind, dass sie sich nicht einmal ein durchschnittlich mathematisch begabter Mensch vorstellen kann.
Erst gestern haben wir im Büro diskutiert, was wir wohl mit dem 21 Mio. Lottogewinn gemacht hätten. Zunächst klang der Betrag noch relativ schnell aufbrauchbar, aber als wir uns Gedanken darüber machten, dass das monatlich 30.000 € an Zinsen bedeuten würde, kamen wir doch recht schnell an den Rand unserer persönlichen Vorstellungskräfte.
Heute morgen wurde mein Hirn noch weiter strapaziert. Unser Betrieb nahm kürzlich Reparaturarbeiten an der zweitgrößten Privatyacht der Welt vor. Sie gehört dem Sultan von Oman und ist 155 Meter lang (man sagte mir, das sei seeeehr lang). In Millionärskreisen ist der Besitz einer Yacht das Nonplusultra und es gilt die Faustregel „mindestens 1 Mio. USD pro Meter“. Als ich mir dann noch anschaute, was der Sultan sonst noch alles so besitzt (siehe hier), stockte mir der Atem. So viel Geld ist einfach nicht mehr vorstellbar.

Eigentlich will ich aber auf eine ganz andere Dimension hinaus, die ebenso wenig vorstellbar ist. So unvorstellbar, dass sich mir der Magen umdreht. Im Zuge der aktuellen Castor-Proteste klärte mich das Radio heute über folgenden Umstand auf:
Wir haben in den letzten Jahren eine dermaßen große Menge an Atommüll produziert, dass es 40.000 GENERATIONEN lang dauern wird, bis sich der in Gorleben oder sonstwo gelagerte Müll endgültig abgebaut hat. Wir reden nicht von 40.000 Jahren, sondern von Generationen! Wer sich das genauso wenig vorstellen kann wie ich, der möge sich kurz vor Augen halten, dass der Beginn unserer Zeitrechnung, also die Zeit um Christi Geburt, gerade einmal 80 Generationen zurück liegt. 40.000 zukünftige Generationen müssen sich mit diesem Abfall rumplagen. Das ist aber noch das kleinste Problem, denn wie macht man unseren Urururururenkeln klar, welch Ei wir da in ihrer Erde versteckt haben? Wie verhindert man, dass Gorleben und die anderen Endlager in Vergessenheit geraten und zukünftige Generationen an besagten Stellen auf die Idee kommen nach Öl oder anderen Bodenschätzen zu suchen?
Wer glaubt, man könne das Wissen um die Endlager weitervererben, der irrt gewaltig. Es ist kaum 200 Jahre her, dass der Mensch es geschafft hat, die ägyptischen Hieroglyphen zu entziffern. Aber seit es die Hieroglyphen gibt, lebten immer Menschen in Ägypten, von denen Jahrhunderte lang auch niemand mehr wusste, wie diese zu lesen sind.
Schon in 20 Generationen, also in ca.  600 Jahren wird es auf der Erde völlig andere Technologien geben, völlig andere Sicherheitsbestimmungen, völlig neue Probleme, die zu beseitigen sein werden. Niemand wird die Menschen vor den Atommüll-Endlagern warnen können. Unser Wissen um dieses Problem wird langsam aber sicher mit uns aussterben.

40.000 Generationen! Aber wenn alles gut geht fliegt uns dieser Laden, den wir Erde nennen, hoffentlich schon sehr viel früher um die Ohren.

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  1. Ich habe kein Problem mit Zahlen, aber Du hast Recht, eine Million Jahre ist kaum vorstellbar. So, daß es auch keinen Unterschied macht, ob man sagt 500.000 Jahre oder 20 Millionen.
    Das Zeug ist dann übrigens noch längst nicht „verschwunden“, nur soweit abgeklungen, daß es nicht mehr viel gefährlicher als Natururan ist.
    Hättest Du das Wort Urururur … urenkel („… engel“ schriebst Du) hier in ganzer Länge ausgebreitet, wäre dies wohl einer der längsten Blogeintrag im ganzen Internet, mit ca. 1300 Zeilen. Und jedes „Ur“ dauert 25 Jahre …

    Übrigens haben „wir“ das Ei ja noch nicht mal in der Erde versteckt. Wenn jetzt irgendwas dazwischenkommt, steht der Mist die nächsten Jahrhunderte dort in der Halle, die irgendwann einstürzt, dann stehen die Behälter im Regen und verrosten allmählich …
    Vielleicht entsteht irgendwann eine neue Religion, bei der diese immer heißen Kästen angebetet werden und man der heiligen Angela opfert.

  2. Hätten Plutonium und Uran doch nur die Halbwertzeit von bereits getroffenen Entscheidungen des Bundestages über den Atomausstieg, wir müssten uns kaum Gedanken machen.

  3. Da kann man nur hoffen, dass in den nächsten 10.000 Generationen eine Mutation stattfindet, die bewirkt, dass man nicht mehr nach Bodenschätzen suchen muss oder sich von Atommüll ernährt…
    Ein toller Artikel, danke, liebe Brummsel!

  4. Hey, so sieht ein Tausendstel dessen aus, was ich eigentlich tippen müsste, um einen Menschen in 40.000 Generationen anzusprechen. (Gruselig, was?)
    UrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrUrEnkel.

  5. Eigentlich wollte ich ein „Hunderstel“ schreiben. Aber der Fehler dürfte jedem halbwegs intelligenten Menschen sofort auffallen. *schäm*

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