There will come a time, you’ll see

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Es gibt immer wieder Menschen in meinem Leben, die mir gerne einreden möchten, dass es gar nicht so schlimm wäre Single zu sein. Schließlich hätte man alle Freiheiten zu tun und zu lassen was man will, zu leben wie man will und zu lieben wen man will. Kein Streit und keine Auseinandersetzung über unsinnige Kleinigkeiten und keine Notwenigkeit über irgendetwas Rechenschaft abzulegen. Das mag alles sein, aber in den letzten Wochen stolpere ich unentwegt über die Nachteile.

Lassen wir mal beiseite, dass man sich oft einsam fühlt, niemanden zum Anlehnen hat, im Freundeskreis oft das fünfte Rad am Wagen ist, es einem an Geborgenheit mangelt und, ich sag es mal ganz platt, auch gewisse Bedürfnisse nicht befriedigt werden. Es hat tatsächlich auch ganz praktische Nachteile.

Es fing in der Woche zwischen Weihnachten und Neujahr an. Seit dem 23. Dezember hatte ich mein Auto nicht mehr bewegt und es irgendwo am Straßenrand abgestellt, glücklich in den aufgehäuften Schneebergen überhaupt noch einen Parkplatz gefunden zu haben. Danach hatte ich es tagelang nicht benutzt, lief zu Fuß oder ließ mich abholen. Am 30. Dezember brauchte ich dann aber doch mal wieder mein Auto. Leider hatte Frau Holle zwischendurch Überstunden geschoben und natürlich war es jetzt völlig eingeschneit und vor allem festgefroren. Als ich es nach ungefähr 20 Minuten endlich geschafft hatte den Schnee vom Auto zu schaffen und die dicke Eisschicht von den Scheiben zu kratzen, wagte ich den ersten Versuch, das Auto zu bewegen. Keine Chance! Gerade einmal ein paar Zentimeter kam ich vorwärts, dann war wieder Schluss. Wirklich rausschaukeln konnte ich den Wagen auch nicht, da direkt hinter mir jemand geparkt hatte. Aber ich gab nicht auf, trat auf’s Gas und kurbelte um mein Leben, was nur zu gewaltiger Rauchentwicklung und einem furchtbaren Gestank führte. Also raus aus dem Auto und Reifen ausbuddeln. In Ermangelung eines passenden Werkzeuges ging das nur auf Knien und mit den Händen. Rein ins Auto, drei Zentimeter vor, raus aus dem Auto, Eis zertreten, weiter graben. Das wiederholte sich diverse Male.
Mittlerweile war ich 25 Minuten damit beschäftigt und den Tränen nahe, als der Wagen doch noch einen Satz vorwärts machte, jetzt quer in der engen Straße stand und sich wieder nicht bewegte. Ich betete zum Himmel, dass jetzt kein Auto von hinten kommen möge, denn er würde nicht an mir vorbei fahren können. Natürlich kam genau in dem Moment ein fetter BMW an. Glaubt mal nicht, dass da jemand ausgestiegen wäre um zu helfen. Also kurbelte ich weiter, trat mit voller Aggression immer wieder auf’s Gas und war letztendlich tatsächlich frei. Alles in allem dauerte der Vorgang eine Stunde!
An der Supermarktkasse fragte ich mich, was meine Mama oder meine Freundin in dieser Situation getan hätten? Sie wären natürlich in die Wohnung gegangen und hätten ihren Freund um Hilfe gebeten, der sie dann ritterlich gerettet hätte. Ich muss sowas allein hinkriegen. Jeden noch so schweren Einkauf muss ich allein in die dritte Etage schleppen, darf aber nicht jammern, weil mir jeder erzählt, dann solle ich halt drei- oder viermal laufen. Jeden Nagel muss ich allein in die Wand schlagen. Jeden Plan muss ich allein in die Tat umsetzen. Jedes Essen, das ich koche muss ich allein essen. Jede Entrümpelung muss ich allein durchführen und allein die schweren Müllsäcke zur Müllkippe fahren. Natürlich bin ich stolz darauf, so selbstständig zu sein, aber irgendwann fängt man an, darin keinen Segen, sondern einen Fluch zu sehen. Und als mir das klar wurde, musste ich plötzlich an der Supermarktkasse und umgeben von Menschen mit den Tränen ringen.

Diese Woche hatte ich einen Termin bei meiner Bausparkasse. Und wieder einmal kam mein Berater nicht umhin mir zu empfehlen zu „riestern“. Im Gegenteil, es gäbe ja jetzt noch den verbesserten „Wohnriester“. „Also wenn sie mal Eigentum wollen, sollten Sie jetzt anfangen…“ Wenn ich mal Eigentum will? Woher soll ich wissen, ob ich irgendwann mal Eigentum will? Wie soll ich überhaupt irgendwas planen? Wie kann ich jetzt wissen, ob es besser ist für eine eventuelle Familie, oder doch besser ganz egoistisch nur fürs Alter zu sparen? Wie kann ich jetzt wissen, ob ich nicht irgendwann nach Timbuktu ziehe, weil dort der Mann meines Lebens wohnt, oder doch auf ewig allein in einer kleinen Wohnung hause? Heute würde ich natürlich nur für mich vorsorgen und dementsprechend mein Geld anlegen. Was aber, wenn in zwei Jahren ein Mann meinen Weg kreuzt und all mein „überflüssiges“ Geld bereits in irgendwelche Altersfonds wandert und für eine gemeinsame Zukunft nichts mehr zum Sparen übrig ist?
Dieses Jahr werde ich, komme was wolle, endlich aus meinem Wohnklo ausziehen und mir eine nette Wohnung mit Balkon suchen, alle Möbel wegschmeißen und mich komplett neu einrichten. Was aber wenn ein Jahr später ein netter Mann auftaucht und wir gemeinsam ganz woanders hinziehen wollen? Dann schmeiß ich wieder alles übern Haufen?
Was ich damit sagen will ist, dass man einfach als Single, der auf die Dreißig zugeht, überhaupt nicht planen kann! Ich glaube ja, dass man sowieso nicht planen kann, aber im Moment empfinde ich es als noch viel schwerer.

Heute war ich wieder mal im Supermarkt und tätigte einen weiteren „Drei-Teile-sind-genug“-Singleeinkauf. Ich entschied mich für Spinat und Fisch. Vor dem Tiefkühlschrank schickte ich ein Dankgebet gen Himmel. Die Produzenten von Iglo haben auch endlich begriffen, dass es nicht nur Großfamilien in diesem Land gibt und haben eine kleine 500-Gramm-Packung portionierbaren Spinat auf den Markt geworfen. Wow! Danke! Ich dachte ja, die Portionierbarkeit wäre das einzig erreichbare Optimum für einen Single. Aber auch den gab es bisher nur im riesigen Kilopaket, der mich dazu zwang tagelang Spinat zu essen, oder in mein kleines Tiefkühlfach wegen Überfüllung schließen zu müssen. Jetzt endlich brechen neue Zeiten an.
Am Gemüseregal war die Freude wieder vorbei, denn Kartoffeln muss ich nach wie vor im 2,5-Kilo-Sack kaufen. Was soll ich mit so vielen Kartoffeln? Ehe ich die alle gegessen habe, sind die schon im Küchenschrank vergeilt (ja, das heißt so!), oder haben sich in einen übelriechenden rotbrauen Matschsaft verwandelt.

Single sein nervt! Single sein ist unpraktisch! Single sein ist einfach doof!

 

And there will come a time, you’ll see, with no more tears.
And love will not break your heart, but dismiss your fears.
Get over your hill and see what you find there,
With grace in your heart and flowers in your hair.

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  1. Single sein ist doof, da stimme ich Dir zu. Falls es Dir ein wenig hilft, hier der Bericht eines Verheirateten:

    Mein Auto steckte zum ersten Mal fest und mein Mann hatte Schichtdienst. Also auch hier Pustekuchen und allein schieben. Toll!
    Mein Auto steckte das zweite Mal fest. Und Freude kam auf, denn mein Mann war daheim. Also hab ich geschoben und er ist gefahren. Schnell hatten wir das Auto zu zweit befreit. Anschließend parkte mein Mann den Wagen zur Sicherheit beim Penny-Markt, da dort kaum Schnee lag. Dumm nur, dass dieser Markt kurz darauf geschlossen hatte und mein Auto hinter einem zwei Meter hohen Rolltor einsperrte. Und besonders dumm war es, dass mein Mann mit seinem Auto zur Arbeit musste und ich Zuhause fest saß. Am wirklich allerdümmsten aber war es, dass es sich bei diesem Tag um Heilig Abend handelte und ich wegen meines Mannes nicht zu meinen Eltern konnte und Weihnachten allein feiern musste. Als Single wäre mir das nicht passiert.

    Das wird Dich jetzt nicht darüber hinweg trösten, dass man als Single noch einige „Probleme“ oder „Nachteile“ mehr hat. Aber manchmal kann auch ein Partner Dich in den Wahnsinn treiben.

    🙂

    P.S. Hast Du die Einladung für den 27.02. bekommen?

    • Und schwupps, bist Du in der Riege derer gelandet, die mir unbedingt die Vorteile auftischen wollen. Päh! Aber ich habe gerade extrem gelacht! Danke dafür. Dein einsamer Heilig Abend ist allerdings sehr traurig und bedauerlich. Das tut mir echt leid. Hatte Deiner SMS an dem Tag nicht entnommen, dass Du ganz alleine bist. Das ist ja doof.
      Deine Einladung ist natürlich angekommen. Ich überlege noch, was ich in den Fragebogen schreibe. Aber ich bin selbstverständlich dabei und freue mich schon wie ein Irrwisch!

  2. Ich werde bestimmt nicht tapfer lächelnd die Vorzüge des Singleseins anpreisen auch wenn wir beide wissen, dass es auch positive Aspekte gibt.
    Worüber ich mir aber höllisch sicher bin: Dein Singledasein wird nicht ewig dauern, dafür bist Du viel zu liebenswert und das bleibt ja nicht unerkannt. Musst halt nur aufpassen, keinen Doofmann zu erwischen …

    Deine Gedanken, ob du als Single mit ungewisser Beziehungsstatuszukunft riestern oder längerfristige Mietverträge abschließen solltest, sind zwar nachvollziehbar, aber solche Fragen stellt man sich nicht selten auch in einer Beziehung. Von gemeinsamen Immobilien bis zur Kinderfrage.

    Es gibt keine Garantien, so oder so, aber sei Dir sicher, im Falle des Falles sind das keine unüberwindbaren Probleme, schlimmstenfalls Unannehmlichkeiten.

    Glad you’re back!

  3. Liebe Brummsel,
    Single sein ist manchmal doof. Und wenn man das bemerkt, ist es meistens ziemlich doof. Nur komischerweise tauchen genau dann die Märchenprinzen auf, wenn du dich in deinem Single-Leben einrichtest und die Freude einlädtst. Wenn du das Wohnklo gegen eine schöne Wohnung mit Balkon eintauschst und es dir gerade gemütlich gemacht hast. Aber das kann man auch als Strategie nutzen. Nur ist es dann gut, wenn man sich von all dem Schönen und Gemütlichen auch wieder verabschieden kann. Aber das fällt oft nicht mehr ganz so schwer, wenn Mr. Big dann aufgetaucht ist. Die Prioritäten sortieren sich dann in Hinsicht Riester und Wohneigentum quasi von selbst. Bis dahin wünsche ich dir viele schöne Momente als Single und liebe Freunde in deiner Single-Wohnung!

  4. Hallo Brummsel,

    ich kann dir nachfühlen. Auch wenn die „praktischen“ Nachteile durch Familie und Freunde, die gleich um die Ecke wohnen, weniger schwerwiegend sind, in Sachen Lebensplanung finde ich diesen Zustand sehr belastend.

    Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass DIE Frau erst auf mich aufmerksam wird, nachdem ich einen Referendariatsplatz im goldenen Westen gefunden und mir freudestrahlend gesichert habe.

    Aber dass Single-Dasein einfach doof ist, kann ich nicht bestätigen. Es ist nicht schön, beinahe deprimierend, aber es könnte schlimmer sein.

  5. Hey, ich wollte gar nicht in der Riege derer landen, die Dir Vorteile auftischen wollen. 🙂 Ich wollte einfach nur ein kleines Lächeln auf Dein Gesicht zaubern. Immerhin konnte ich so am heiligen Abend auf meiner Playstation mit Flint Lockwood zum FLDSMDFR vordringen.
    Tja, der Fragebogen für den 27.02. ist so ein Problem. Ich konnte zwei Sachen ganz leicht beantworten. Frage Eins ist ganz klar „Drachenzähmen“ und Frage Fünf ganz eindeutig Tom Hardy in „Inception“. Aber danach wird es auch langsam schwierig.

    • Müssen die Antworten eigentlich zwangsläufig nominiert sein? Und was gilt als 2010? Kann ein Film auch von 2009 sein, wenn er bei uns erst 2010 in die Kinos kam? Und gelten auch noch Filme aus 2010, auch wenn Sie bei uns erst jetzt gerade angelaufen sind oder bald anlaufen???

  6. Nein, die Antworten müssen NICHT nominiert sein. Es geht um Deinen persönlichen Geschmack. Hier entscheidest DU ganz allein. Und es zählen alle Filme, die Du seit der letzten Oscar-Verleihung gesehen hast.

  7. So langsam geht das hier „offtopic“ wie man so schön sagt.
    😉
    Es gibt keinen Dresscode. Wenn wir bis morgens um sieben auf dem Sofa rumhängen, dann sollte es vor allem bequem sein.

  8. DANKE für diesen Beitrag, der mir aus der Seele spricht. Ich will selbst weder über die Vorteile des Singlelebens aufgeklärt werden (Danke, darüber kann ich mittlerweile nicht nur einen Roman sondern gleich eine ganze Serie von Büchern schreiben), die sich im Laufe der Zeit als Fluch heraus kristallisieren noch will ich die mitleidigen Blicke. Aber das Schlimmste sind ja die Verwandten: „Hast du einen Freund?“ Irgendwann beginnt diese Frage direkt ins Herz zu pieksen und der Stachel bleibt da auch ne Weile. Anfang Februar habe ich mich zu dem Thema auch in meinem Blog niedergeschrieben, weil ich die aufsteigende Kotze nicht mehr runterschlucken konnte 😉

    http://viennella.wordpress.com/2011/02/04/ist-das-alles/

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