Archiv der Kategorie: emotionalisiert

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Jammer nicht!

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Als Single darfst du nicht jammern. Du gehörst schließlich nur zu einer Randgruppe und solltest deine liierten Mitmenschen nicht mit deinem Genöle nerven. Nur zu schnell wirst du als „frustriert“ abgestempelt, gern auch mal als „untervögelt“. Wenn du zu der Kategorie von Singles gehörst, die ihre Freiheit nicht genießt, können andere ziemlich schnell genervt von dir sein. Es reicht eine kleine ironische Bemerkung wie „Ich komme heute ausnahmsweise mal allein“, und schon verdrehen die verpaarten Exemplare der Gesellschaft die Augen. Darüber, dass deren ständiges Geknutsche, deren verliebte Blicke und die überall herausposaunten Hochzeitspläne mindestestens genauso nerven, machen sie sich offenbar keine Gedanken. Besonders schön ist die Litanei an hohlen Phrasen, die du dann gern mal an den Kopf geschmissen bekommst. Übrigens auch von denen, die nicht genervt sind, sondern gaaaaaanz viel Mitgefühl mit dir haben.
Hier mein Best of der ätzendsten Standardsprüche:

  • „Ich bin mir gaaaanz sicher, dass du in diesem Jahr den Richtigen kennenlernst.“
    Jap, danke. Das höre ich jetzt im sechsten Jahr.
  • „Ich verstehe das gar nicht. Da draußen laufen doch unzählig viele Singles herum.“
    Tun sie auch. Sie sind 38, wohnen noch bei Mama und suchen eine Frau, die die Mama ablösen kann.
  • „Du bist doch so eine tolle Frau. Der, der dich mal bekommt, kann sich glücklich schätzen.“
    Richtig. Meine bisherigen Beziehungen sind auch alle daran gescheitert, dass er so wahnsinnig undankbar war.
  • „Lieber Single, als in einer unglücklichen Beziehung.“
    Sprichst du aus Erfahrung, oder was soll das jetzt?
  • „Glaub mir, in einer Beziehung ist auch nicht alles besser. Das löst auch keine Probleme.“
    Ach, ihr seid also ursprünglich zusammen gekommen, um eure Problem zu lösen? Interessant. Und äußerst dämlich.
  • „Sei froh, du kannst flirten mit wem du willst. Kannst ausgehen wann du willst. Bist niemandem Rechenschaft schuldig.“
    Flirtet man nicht, um Interesse zu bekunden? Warum sollte ich in einer funktionierenden Beziehung Interesse an einem anderen haben? Ach so, du meinst dieses harmlose schäkern. Warum sollte das jemanden stören, wenn es harmlos ist? Aber das mit dem Ausgehen stimmt natürlich. Schneidet deine elektronische Fußfessel eigentlich sehr fest ins Fleisch?
  • „Was zum Vögeln wirst du doch wohl noch finden. Für alles andere hast du doch Freunde.“
    Träumst du an manchen Tagen nicht auch von einer Karriere als Mörder? Ich schon. In diesem Moment.
  • „Der Richtige kommt, wenn du nicht damit rechnest. Du darfst nur nicht zu verbissen suchen.“
    Ich suche überhaupt nicht verbissen!
  • „Du musst auch mal aktiv suchen, sonst wird das nichts.“
    Gnaaaaahhhh….
  • „Du musst mal tanzen gehen. Geh mal raus!“
    Mensch, dass ich da nicht drauf gekommen bin. Wo die Discos doch voll von attraktiven Singlemännern sind, die alle nur darauf warten, dass ich sie auch mal anspreche.
  • „Aber wenn er dann kommt, dann ist es auch der Richtige.“
    Darüber werde ich mich dann auch sehr freuen. Wenn das allerdings noch sehr lange dauert, hat sich das mit der Reproduktion für mich endgültig erledigt.
  • „Ach, wenn er dann da ist, kann das alles plötzlich ganz schnell gehen.“
    Er wird begeistert sein, wenn ich ihm nach zwei Monaten eröffne, er möge mir jetzt langsam mal ein Kind machen. Und ich erst…
  • „Viele Frauen sind doch heute spätgebärend.“
    Und in Zukunft sind viele Teenager Frühwaise.

Und hier ist mein absolutes Highlight:

  • „Du bist doch noch sooo jung und hast noch soooo viel Zeit.“
    Bleib mal kurz da stehen. Moment. Ich hole nur schnell meine 9mm aus der Handtasche. Und jetzt mal nicht bewegen…

Schreiben

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Ich schreibe, um zu verarbeiten. Um zu ertragen. Um klar zu kommen.
Andere malen dann Bilder, komponieren Songs oder sie fliehen. Ich schreibe.
Das habe ich schon immer so gemacht. Ich habe unzählige angefangene, unregelmäßig geführte und halbvolle Tagebücher in meinen Schränken. Sollte ich plötzlich sterben und irgendjemand fände ausschließlich diese Tagebücher, müsste er glauben, ich hätte ein sehr beschwerliches und kummervolles Leben geführt. Das ist natürlich nicht wahr, aber es gibt kaum Einträge über die ausgelassenen und unbeschwerten Phasen meines Lebens. Ich habe all meinen Seelenscheiß und Seelenfrust in diese Bücher ergossen und es hat geholfen. Nicht immer sofort, nicht immer endgültig. Aber ich fühlte mich entlastet. Sollen sich doch diese Blätter gepresseten Regenwaldes mit meinem Ärger rumquälen. Und viele Einträge kann ich mir heute mit einem Lächeln durchlesen, weil ich weiß, dass ich diese schlechten Zeiten gemeistert habe. Dass ich sie überlebt habe.

Ähnlich habe ich das mit Menschen gemacht. Ich möchte gar nicht wissen, wie viele Menschen schon endlos lange Briefe von mir erhalten haben, nachdem sie mich verletzt, geärgert oder verarscht haben. Unter diesen Menschen sind Familenmitglieder, Freunde und Freundinnen, kurze Affären, längere Affären, sogar ehemalige Lehrer und Vorgesetzte. Manche dieser Briefe haben zu einer Klärung oder einer Versöhnung geführt, andere zu einem endgültigen Zerwürfnis. Aber wenn ich ehrlich bin, war mir beim Verfassen dieser Briefe meistens egal, was der Empfänger über ihren Inhalt oder über mich denkt. Wie sonst ließe sich erklären, dass dieser eine besondere Mensch seinen letzten Brief von mir an einem Ort erhielt, an dem er ihn sicher nicht mehr lesen konnte? Auf dem Friedhof. Ich schrieb all diese Briefe zu meiner Entlastung. Oder um das letzte Wort zu haben! 

Warum das hier erzähle? Weil ich derzeit eine Menge zu verarbeiten habe. Zu ertragen. Klar zu kommen. 
ICH BIN SINGLE, HERRGOTT! Los geht’s!

Ironie des Schicksals

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Eine meiner liebsten Freundinnen sitzt jetzt wahrscheinlich auf dem Sofa, mit ihrem nagelneuen Diamantring am Finger, gekuschelt in den Arm ihres zukünftigen Ehemannes.

Ich sitze allein auf dem Sofa mit der Tiefkühlpizza, deren Packung mir mit einem eindrucksvollen Foto den Gewinn eines diamantenen Trau(m)rings verheißt.

Verdammte Axt

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Wenn ich heute noch einmal “Scheiße-Pisse-Kacke-Arsch-MeineFresse-Fickdiehenne“ höre, drehe ich durch. Es ist unglaublich wie manche Kollegen es mit ihrer völlig grundlosen schlechten Laune und ihrem dauerhaft Genervtsein schaffen, einem die absolut phantastische Laune zu vermiesen, mit der man ursprünglich auf die Arbeit gekommen war. Und so erlebte ich einen Sturz auf meinem Stimmungsbarometer von achtundneunzig auf null. Widerlich finde ich das. Und vor allem unverschämt. Verdammte Axt, ey!

Was mich aber heute immer wieder aufmuntern konnte und darum auch gefühlte vierundsiebzig Mal von mir gehört wurde, möchte ich jetzt gern mit Euch teilen:

Einbettung folgt

There will come a time, you’ll see

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Es gibt immer wieder Menschen in meinem Leben, die mir gerne einreden möchten, dass es gar nicht so schlimm wäre Single zu sein. Schließlich hätte man alle Freiheiten zu tun und zu lassen was man will, zu leben wie man will und zu lieben wen man will. Kein Streit und keine Auseinandersetzung über unsinnige Kleinigkeiten und keine Notwenigkeit über irgendetwas Rechenschaft abzulegen. Das mag alles sein, aber in den letzten Wochen stolpere ich unentwegt über die Nachteile.

Lassen wir mal beiseite, dass man sich oft einsam fühlt, niemanden zum Anlehnen hat, im Freundeskreis oft das fünfte Rad am Wagen ist, es einem an Geborgenheit mangelt und, ich sag es mal ganz platt, auch gewisse Bedürfnisse nicht befriedigt werden. Es hat tatsächlich auch ganz praktische Nachteile.

Es fing in der Woche zwischen Weihnachten und Neujahr an. Seit dem 23. Dezember hatte ich mein Auto nicht mehr bewegt und es irgendwo am Straßenrand abgestellt, glücklich in den aufgehäuften Schneebergen überhaupt noch einen Parkplatz gefunden zu haben. Danach hatte ich es tagelang nicht benutzt, lief zu Fuß oder ließ mich abholen. Am 30. Dezember brauchte ich dann aber doch mal wieder mein Auto. Leider hatte Frau Holle zwischendurch Überstunden geschoben und natürlich war es jetzt völlig eingeschneit und vor allem festgefroren. Als ich es nach ungefähr 20 Minuten endlich geschafft hatte den Schnee vom Auto zu schaffen und die dicke Eisschicht von den Scheiben zu kratzen, wagte ich den ersten Versuch, das Auto zu bewegen. Keine Chance! Gerade einmal ein paar Zentimeter kam ich vorwärts, dann war wieder Schluss. Wirklich rausschaukeln konnte ich den Wagen auch nicht, da direkt hinter mir jemand geparkt hatte. Aber ich gab nicht auf, trat auf’s Gas und kurbelte um mein Leben, was nur zu gewaltiger Rauchentwicklung und einem furchtbaren Gestank führte. Also raus aus dem Auto und Reifen ausbuddeln. In Ermangelung eines passenden Werkzeuges ging das nur auf Knien und mit den Händen. Rein ins Auto, drei Zentimeter vor, raus aus dem Auto, Eis zertreten, weiter graben. Das wiederholte sich diverse Male.
Mittlerweile war ich 25 Minuten damit beschäftigt und den Tränen nahe, als der Wagen doch noch einen Satz vorwärts machte, jetzt quer in der engen Straße stand und sich wieder nicht bewegte. Ich betete zum Himmel, dass jetzt kein Auto von hinten kommen möge, denn er würde nicht an mir vorbei fahren können. Natürlich kam genau in dem Moment ein fetter BMW an. Glaubt mal nicht, dass da jemand ausgestiegen wäre um zu helfen. Also kurbelte ich weiter, trat mit voller Aggression immer wieder auf’s Gas und war letztendlich tatsächlich frei. Alles in allem dauerte der Vorgang eine Stunde!
An der Supermarktkasse fragte ich mich, was meine Mama oder meine Freundin in dieser Situation getan hätten? Sie wären natürlich in die Wohnung gegangen und hätten ihren Freund um Hilfe gebeten, der sie dann ritterlich gerettet hätte. Ich muss sowas allein hinkriegen. Jeden noch so schweren Einkauf muss ich allein in die dritte Etage schleppen, darf aber nicht jammern, weil mir jeder erzählt, dann solle ich halt drei- oder viermal laufen. Jeden Nagel muss ich allein in die Wand schlagen. Jeden Plan muss ich allein in die Tat umsetzen. Jedes Essen, das ich koche muss ich allein essen. Jede Entrümpelung muss ich allein durchführen und allein die schweren Müllsäcke zur Müllkippe fahren. Natürlich bin ich stolz darauf, so selbstständig zu sein, aber irgendwann fängt man an, darin keinen Segen, sondern einen Fluch zu sehen. Und als mir das klar wurde, musste ich plötzlich an der Supermarktkasse und umgeben von Menschen mit den Tränen ringen.

Diese Woche hatte ich einen Termin bei meiner Bausparkasse. Und wieder einmal kam mein Berater nicht umhin mir zu empfehlen zu „riestern“. Im Gegenteil, es gäbe ja jetzt noch den verbesserten „Wohnriester“. „Also wenn sie mal Eigentum wollen, sollten Sie jetzt anfangen…“ Wenn ich mal Eigentum will? Woher soll ich wissen, ob ich irgendwann mal Eigentum will? Wie soll ich überhaupt irgendwas planen? Wie kann ich jetzt wissen, ob es besser ist für eine eventuelle Familie, oder doch besser ganz egoistisch nur fürs Alter zu sparen? Wie kann ich jetzt wissen, ob ich nicht irgendwann nach Timbuktu ziehe, weil dort der Mann meines Lebens wohnt, oder doch auf ewig allein in einer kleinen Wohnung hause? Heute würde ich natürlich nur für mich vorsorgen und dementsprechend mein Geld anlegen. Was aber, wenn in zwei Jahren ein Mann meinen Weg kreuzt und all mein „überflüssiges“ Geld bereits in irgendwelche Altersfonds wandert und für eine gemeinsame Zukunft nichts mehr zum Sparen übrig ist?
Dieses Jahr werde ich, komme was wolle, endlich aus meinem Wohnklo ausziehen und mir eine nette Wohnung mit Balkon suchen, alle Möbel wegschmeißen und mich komplett neu einrichten. Was aber wenn ein Jahr später ein netter Mann auftaucht und wir gemeinsam ganz woanders hinziehen wollen? Dann schmeiß ich wieder alles übern Haufen?
Was ich damit sagen will ist, dass man einfach als Single, der auf die Dreißig zugeht, überhaupt nicht planen kann! Ich glaube ja, dass man sowieso nicht planen kann, aber im Moment empfinde ich es als noch viel schwerer.

Heute war ich wieder mal im Supermarkt und tätigte einen weiteren „Drei-Teile-sind-genug“-Singleeinkauf. Ich entschied mich für Spinat und Fisch. Vor dem Tiefkühlschrank schickte ich ein Dankgebet gen Himmel. Die Produzenten von Iglo haben auch endlich begriffen, dass es nicht nur Großfamilien in diesem Land gibt und haben eine kleine 500-Gramm-Packung portionierbaren Spinat auf den Markt geworfen. Wow! Danke! Ich dachte ja, die Portionierbarkeit wäre das einzig erreichbare Optimum für einen Single. Aber auch den gab es bisher nur im riesigen Kilopaket, der mich dazu zwang tagelang Spinat zu essen, oder in mein kleines Tiefkühlfach wegen Überfüllung schließen zu müssen. Jetzt endlich brechen neue Zeiten an.
Am Gemüseregal war die Freude wieder vorbei, denn Kartoffeln muss ich nach wie vor im 2,5-Kilo-Sack kaufen. Was soll ich mit so vielen Kartoffeln? Ehe ich die alle gegessen habe, sind die schon im Küchenschrank vergeilt (ja, das heißt so!), oder haben sich in einen übelriechenden rotbrauen Matschsaft verwandelt.

Single sein nervt! Single sein ist unpraktisch! Single sein ist einfach doof!

 

And there will come a time, you’ll see, with no more tears.
And love will not break your heart, but dismiss your fears.
Get over your hill and see what you find there,
With grace in your heart and flowers in your hair.

Kleine Halloween-Nachlese

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So, Halloween ist vorbei, aber es wirkt noch kräftig nach.
Was nach der Samstags-Party noch kein Probelm darstellte, entpuppte sich nach Sonntag als ein kleiner Alptraum.
Die großen Narben auf der Stirn und der Wange bestanden aus angeklebtem Wachs. Da die Sonntags-Party bis in die frühen Morgenstunden andauerte, hatte ich diesen fiesen Kleber letztendlich gute 12 Stunden auf dem Gesicht. Das mochte meine Haut gar nicht. Es ging los mit großen roten Pusteln an genau den Stellen, an denen zuvor der Kleber war. Sämtliche Versuche der Selbstbehandlung mit Wund- und Heilsalbe schlugen fehl, auch eine Spezialsalbe aus der Apotheke half nur bedingt. So verschlechterte sich mein Zustand so rapide, dass am Mittwoch mein halber Kopf auf Melonengröße angeschwollen war, mein linkes Auge konnte ich gar nicht mehr öffnen und sogar mein Hals war so stark angeschwollen, dass ich schon um Luft ringen musste. Um einen verspäteten anaphylaktischen Schock zu verhindern, hat mir dann mein Arzt die volle Dröhnung verpasst: Cortison zu Einnehmen, Cortison zum Einreiben und Antiallergikum.
Mein Gesicht ist jetzt zwar nicht mehr geschwollen, aber meine Haut ist nun wirklich zombieähnlich. Die Verletzungen die am Wochenende noch geschminkt waren, sind jetzt beinahe echt, und ich bete inständig, dass nicht wirklich Narben zurückbleiben. Ich hab ein bisschen Angst davor.  Wie ärgerlich, wenn einem der große Spaß im Nachhinein so verhagelt wird!

Doch dieser Blog hieße nicht „Herzbrei und Gefühlssuppe“ wenn es hier nicht eigentlich genau darum gehen sollte. Kommen wir also zum Punkt.

In meinem heutigen Zustand wäre es mir wohl kaum möglich, Komplimente von außerhalb in mich aufzusaugen und mich in mein eigenes Spiegelbild zu verlieben. Zum Glück war das am Wochenende noch ganz anders und so kam es zu einer sehr speziellen Begegnung mit dem Männlein, die ich versuche so kurz wie möglich wiederzugeben.

Etwas verunsichert traf ich auf der Party „der Schönen“ ein, aber ich hatte Vorlaufzeit um mich einzugewöhnen, denn das Männlein war noch nicht da. Es tauchte auf, als ich schon gar nicht mehr mit ihm rechnete und wurde von mir keines Blickes gewürdigt. Zumindest nicht so, dass er es mitbekommen hätte. Umgekehrt konnte man das nicht gerade behaupten. Verunsichert beobachtete er, wie sein begleitender Freund meine Maskerade lobte, während er selbst wie ein Häuflein Elend im Hintergrund rumlungerte. Es dauerte nicht lang, bis er sich gegenüber der Schönen enttäuscht darüber äußerte, dass ich ihn ja völlig ignorieren würde. Mitleid erntete er dafür aber nicht von ihr. So schlich er circa vier Stunden um mich herum, bis wir irgendwann am Lagerfeuer im Garten aufeinander trafen, wo wir uns beide eine Zigarette gönnten. Zwischen uns endloses Schweigen. Aber es standen ja auch noch andere Leute drumherum. So auch die Schöne, die irgendwann unvermittelt meinte: „Ihr kennt euch, oder?“

Das war sein Stichwort. Sein Stichwort, um endlich NICHT zum Punkt zu kommen. Ich versuche einen Monolog, der in dieser Variante ungefähr und ungelogen zwanzig Minuten dauerte, abzukürzen: „Ach. Ach jee. Oh Gott. Brummsel ( er sagte stattdessen natürlich meinen echten Namen)… was soll ich sagen… ich kann nicht… Das ist so… was kann man… was soll man… ach Brummsel… ich bin so…. überwältigt… man kann gar nicht… ach Brummsel… das ist so… Was macht man da?… wie soll ich…“ So ließ ich ihn stammeln und verharrte in Stillschweigen. Irgendwann konnte ich dann doch nicht mehr an mich halten und musste mal kurz genervt dazwischen fragen: „Sag mal, wird das heute noch mal zu irgendwas führen, oder soll ich mir den tieferen Sinn dieser gehaltvollen Aussagen selbst zusammen reimen?“
Stutzen! Weiteres Stammeln! Unter gefühlter 250-facher Aussage meines Names, erstammelte er mir, wie überwältigt er davon sei, mich noch einmal wiederzusehen und die Gelegenheit zu haben, mir zu erklären, wie es in ihm aussähe. Ich musste mehrfach fragen, warum er diese Gelegenheit denn dann nicht auch endlich mal ergreift.

Je länger er stammelte (ich muss ihm zu Gute halten, dass sein Alkoholpegel zu diesem Zeitpunkt schon sehr beachtlich war), desto größer wurde mein Selbstbewusstsein. Er schien tief getroffen zu sein, als ich ihn fragte, warum er noch immer genau so eine Wurst sei, wie er es vor schon zwei Jahren war. Wie es sein kann, dass einer mit so breiter, stolzer Brust durch die Weltgeschichte stolziert, aber dann einfach nicht in der Lage ist, mal drei klare Sätze zu formulieren? Wie einer seine harten Worte nur über die Lippen bringt, wenn er sich hinter einer Email verstecken kann, aber von Angesicht zu Angesicht gerade mal zum Wackelpudding taugt? Und je mehr er körperlich zusammensackte, desto mehr richtete sich meine Wirbelsäule auf. Was für ein unglaublich gutes, lang nicht mehr erlebtes Gefühl! Ich lache noch heute!

Meine Freunde, die dieses Spektakel bezeugen durften, waren sich natürlich letztendlich alle einig, dass es sich bei dem Männlein um einen unglaublichen Schwätzer handelt. Und sie haben damit vermutlich extrem recht. Andererseits muss ich gestehen, dass ich ihn sich ziemlich lange habe erklären lassen. Und es kam dabei so einiges über seine Lippen, das ich dann doch nicht mehr erwartet hätte. Ich lachte ziemlich laut auf, als er behauptete, sein Herz wäre damals gebrochen gewesen und er habe zum ersten Mal seit langem wieder geweint. Warum hat er bitte geweint? Womit sollte ich ihn bitte verletzt haben? Er beteuerte einen großen Fehler gemacht zu haben und als ich ihn damit konfrontierte, was er mir damals alles um die Ohren geworfen hat, schämte er sich sehr für seine Worte. Er hätte nach mir nie wieder eine so tolle und seelenverwandte Frau getroffen. Eigentlich müssten wir jetzt knutschend auf einer Bank sitzen. Er wünschte so sehr, ich würde ihn nicht mehr hassen und er könnte noch einmal von vorn anfangen. Ich sagte ihm, dass ich ihn nicht hasse. Ein derart inniges Gefühl könne ich für ihn gar nicht erübrigen. Und wieder sackte er zusammen. Aber das hielt ihn nicht davon ab, mir Komplimente zu machen.
Es soll Frauen geben, die Männer nicht mehr ernst nehmen können, wenn ein Mann vor ihnen im Staub kriecht. Das hat berechtigte Gründe. Aber wenn man nur selten Komplimente von Männern hört, die einem mal gefallen haben, oder gefallen könnten, oder in gewissen Punkten passen könnten, und wenn man sich jahrelang mit einem einsamen Herzen durch die Weltgeschichte schlägt, dann läuft man schnell Gefahr, dass diese Komplimente auf fruchtbaren Boden fallen. Also war ich jetzt erstmal damit beschäftigt, mich innerlich zu wappnen. Wie könnte ich mich jemals wieder auf einen Mann einlassen, der mir mal das Gefühl gegeben hat, äußerlich eher abstoßend zu sein? Auch wenn er diese Aussage jetzt noch so sehr revidiert.

Es gab eine Situation in der ich in Decken eingehüllt am Lagerfeuer stand. Da die Decken in diversen Lagen um meinen Körper drapiert waren, würde ich es nicht beschwören wollen, aber ich bin mir dennoch sicher, dass er auf einem Stuhl neben mir sitzend, eine sehr lange Zeit lang meinen Rücken gestreichelt hat. Äußerlich ließ ich mir das nicht anmerken und würdigte ihn währenddessen keines Blickes, innerlich wünschte ich mir, dass exakt diese Situation von anderen Umständen begleitet wäre. Es war fünf Uhr morgens, als er vor anderen Partygästen, die uns nicht kannten, behauptete, er wäre mein Freund. Ein „Ja, klaaaaaar!“ und stark verdehte Augen waren meine Antwort.

Ich hab ihn den ganzen Abend mit einer derart kalten Schulter abgewiesen, dass nun er derjenige sein mag, der verletzt in seinem Kämmerlein hockt. Ich sollte mich freuen! Ich sollte weiter lachen und mein neu erworbenes Selbstbewusstsein stolz durch die Gegend tragen. Und irgendwie tue ich das auch. Es gibt da ein inneres Gefühl, dass mir sagt, dass man mir so schnell nichts mehr anhaben kann. Es gibt da ein Gefühl, dass viel mehr in mehr steckt, als ich je von mir erwarte hätte.
Aber es fühlt sich auch an wie ein Déjà-Vú. Ein Déjà-Vú vieler verpasster Chancen und vieler, vieler Männer, die mich einst schroff abgebügelt oder ersetzt haben und Jahre später wieder auftauchen und ihre verpasste Chance mir gegenüber bedauern. Dann, wenn alles bereits zerstört ist. Wie ein roter Faden zieht sich das durch mein Leben. Ich könnte locker 15 derartige Geschichten erzählen. Sogar mein Exfreund taucht just in diesen Tagen mit ganz ähnlichen Tendenzen wieder auf. Nur ist diese Geschichte die erste, in der ich die Chance nutzte, die kalte Schulte Jahre später zu erwidern. Ich sollte richtig glücklich sein!

Warum nur bin ich es nicht?

Ein Männlein steht im Walde

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Vor ungefähr zweieinhalb Jahren lernte ich im Flirtportal eines hiesigen Radiosenders einen jungen Mann kennen. Nennen wir ihn, um der Anonymität Willen, „das Männlein“. Das Männlein kontaktierte mich mit einem äußerst charmanten Anschreiben, was in derartigen Portalen eher selten der Fall ist. Daraufhin tauschten wir ein, zwei Stunden lang schriftliche Nettigkeiten aus und stiegen dann aufs Telefon um. Unser Telefonat verstärkte den ersten netten Eindruck ungemein und da wir beide eine wochenlange Ungewissheit über einen möglichen Ausgang vermeiden wollten, beschlossen wir schnellstmöglich ein Treffen zu arrangieren. Da uns nur wenige Kilometer von einander trennten, war das auch kein Ding der Unmöglichkeit. Noch in derselben Woche sollte ein erstes Date stattfinden.

Als Tag X gekommen war, war ich sehr aufgeregt, was bei mir grundsätzlich der Fall ist, wenn es darum geht Männer kennenzulernen. Was diesen speziellen Lebensbereich angeht, bin ich wohl nicht gerade mit der großen Selbstsicherheit gesegnet, die ich in anderen Bereichen an den Tag legen kann. Ich würde aber sagen, dass ich meine bisherigen Dates mehr oder minder „souverän“ gemeistert habe. Da die Umgebung in der das Männlein beheimatet war einen schönen Park zu bieten hatte und das Wetter frühsommerlich herrlich war, wollten wir das Treffen mit einem Spaziergang verbringen. Die erste Unsicherheit verflog rasch, da wir sehr schnell in  intensive und tiefgründige Gespräche verfielen. Stattdessen machte sich eine andere, eine kindliche Unsicherheit breit, denn in kürzester Zeit scharwenzelten wir wie verliebte, dauererrötete Erstklässler umeinander herum. Das Männlein war klug, charmant, gebildet und in meinen Augen unbeschreiblich hübsch anzusehen. Zwar war er klein wie ein Däumling, doch bin ich ja selber nur ein Däumelinchen. Es gab einen Moment in dem das Männlein eine sehr putzige Bemerkung machte, die wohl zwischen den Zeilen implizieren sollte, dass er mich gern an die Hand nehmen würde. Da ich in meiner Aufregung den Wink mit dem Zaunpfahl aber nicht erkannte, kam es nicht dazu.

Als wir nach einem sehr langen Spaziergang wieder an meinem Auto und damit auch vor seiner Haustür angelangt waren, fragte er mich verunsichert, ob ich noch mit in seine Wohnung kommen möge, was ich auch ohne lange zu überlegen tat. Das Männlein war an diesem Tag zu sehr Gentleman, als dass ich mir Sorgen um unkeusche Gedanken hätte machen müssen. Bis vier Uhr am Morgen saßen wir auf seinem Sofa und teilten sehr intime Gedanken, Gefühle und Lebensgeschichten. Er war überrascht und absolut begeistert davon, wie schnell ich einzelne Charakterfacetten an ihm erkannte und diese auch benennen konnte. Doch ansonsten geschah an diesem Abend nichts. Ich fuhr dennoch wie beseelt und auf Wolke 7 schwebend heim und er gab mir mit jeder Pore das Gefühl, dass es ihm ganz ähnlich ging.

Unruhig und nervös rutschte ich am darauf folgenden Tag auf meinem Stuhl hin und her, als sich herausstellte, dass ein weiteres Treffen erst am übernächsten Tag möglich wäre. Ich übte mich natürlich in Geduld! Zwei Tage später fuhr ich für ein weiteres Treffen in die Stadt des Männleins. Doch schon als ich seine Wohnung betrat wirkte er sehr viel kühler und distanzierter auf mich als noch zwei Tage zuvor. Wir fanden zwar wiederum sehr schnell intensive Gesprächsthemen, doch blieb mir seine plötzliche emotionale Kälte kaum verborgen. Kein Erröten mehr. Kein Herzklopfen mehr, das ich noch über fünfhundert Meter hätte hören können. Etwas beschäftigte ihn sehr, doch als ich ihn darauf ansprach, meine er, es wäre zu kompliziert es mir zu sagen. Das war auch nicht nötig. Ich begriff sofort, dass die Sache, die eigentlich so schön begonnen hatte, in diesem Moment sein Ende gefunden hatte. Nur einen Reim konnte ich mir darauf nicht machen. Tief verletzt und mit gebrochenem Herzen fuhr ich in der Nacht nach Hause.

Ein längerer Emailverkehr am nächsten Morgen brachte zum Ausdruck, was er mir ins Gesicht zu sagen nicht imstande war. Der Kontext war folgender: Ich wäre eine ganz wunderbare, kluge und außergewöhnliche Frau, aber ich entspräche leider nicht seinem sehr ausgeprägten ästhetischen Empfinden. Kurz: mein Kopf ist schön, aber vom Kinn abwärts bin ich leider nicht zu ertragen.

Dazu möchte ich anmerken, dass ich meine Kurven und Rundungen besitzen mag, aber von „unästhetisch“ bin ich sicher noch meilenweit entfernt. Das Männlein hatte mal in einem Gespräch behauptet, eine Traumfrau wäre die Mitte zwischen der strunzdummen aber wunderschönen Tänzerin an der Stange, und der gebildeten, hochintelligenten aber fetten Schabracke. Nach seiner Abfuhr erkannte ich die Lüge. Was er wollte war die hochintelligente Stangentänzerin. Ich wünschte ihm viel Glück bei der Suche, denn die würde er so schnell wohl kaum finden. Und falls doch, würde sie das daumengroße Männlein wohl auslachen und ihn bitten wiederzukommen, wenn es ausgewachsen wäre.

Nun könnte man diese Erfahrung leichtfertig unter „Was für ein debiler Vollidiot!“ verbuchen, was auch die meisten meiner Freunde, in der Hoffnung mich damit zu trösten, getan haben. Mir fiel eine solche Kategorisierung aber nicht so leicht, denn nicht nur mein Herz war gebrochen, sondern ich war auch zutiefst gekränkt und verletzt. Es hat mein Herz mehr Kraft und Zeit gekostet den Vorfall zu überwinden, als mein Kopf dem Männlein hätte zugestehen wollen!

Seitdem ist viel Wasser den Rhein hinuntergeflossen. In der Zwischenzeit sind Dinge geschehen, die mein Herz weitaus mehr strapaziert haben, und so gerieten das Männlein und seine ästhetischen Vorstellungen irgendwann in Vergessenheit. Leider sieht es das Schicksal von Zeit zu Zeit vor, dass die Geister der Vergangenheit den Bespukten wieder einholen sollen.

Ich habe eine Freundin, der die Sonne geradezu aus dem Hintern scheint. Sie hat ein Selbstbewusstsein groß wie der Mount Everest, ohne dabei allerdings arrogant zu sein. Das wiederum verleiht ihr eine ungeheure Ausstrahlung und die Männer umschwärmen sie wie die Fliegen das Licht. Auch ihr sei die Anonymität gegönnt, weshalb wir sie „die Schöne“ nennen. Selbstverständlich hat auch sie schon negative Erfahrungen hinter sich, aber derzeit ist sie mit einem Sunnyboy liiert, den wir gerne als „ Surfboy“bezeichnen, auch wenn er gar keiner ist. Wie dem auch sei, es ist nicht leicht als Single mit ihr auszugehen. Sie ist zwar stets bemüht ihre ledigen Freundinnen verkuppeln zu können, merkt dabei aber nicht, dass kein Mann in ihrer Gegenwart noch Interesse an ihren Single-Freundinnen hat.

Wie es der Zufall so wollte lernte nun die Schöne auf einer Party einen Mann kennen, mit dem sie bald ins Gespräch kam und sich sehr gut verstand. Der kluge Leser wird es ahnen, der Mann entpuppte sich bald als das Männlein. Es dauerte ein paar Tage bis sie endlich begriff, warum ihr sein Gesicht bekannt vorkam. (Sie kannte ihn von einem Foto, das ich ihr gezeigt hatte.) Zu diesem Zeitpunkt hatte er bereits ihr Licht entdeckt und begonnen sich ebenfalls in eine Fliege zu verwandeln. Er erlag sogar der Feststellung, sie sei die schönste Frau der Welt.  Und was soll ich sagen, meine Prophezeiung hat sich natürlich bewahrheitet. Er hat die hochintelligente Stangentänzerin in den letzten zwei Jahren selbstverständlich nicht gefunden und irrt als trauriger Single durch die Welt. Er meint vielleicht sie nun in der Schönen gefunden zu haben, doch ist diese nicht nur liiert, sie ist auch der Meinung, dass er wohl erst noch mal auswachsen darf. Strike!

Blöd nur, dass der Schönen erst klar wurde, wen sie da kennengelernt hat, NACHDEM sie uns beide auf ihre Halloween-Party eingeladen hatte. Jetzt stehe ich vor dem Dilemma dieser Situation ins Auge zu sehen, oder sie einfach zu vermeiden. Dem fromme Wunsch der Schönen, ich möge doch bitte ganz cool dort auftauchen, dem Männlein vollkommen die kalte Schulter zeigen und ihm demonstrieren, dass er mir am Allerwertesten vorbei geht, werde ich wohl nicht entsprechen können, so gern ich es auch wollte. Auch wenn mein Interesse am Männlein völlig erloschen ist, bin ich in Anbetracht der Kränkung einfach nicht tough genug für ein derartiges Schauspiel. Ich bin mir auch nicht sicher, ob ich es mir ansehen möchte, wie die Schöne mal wieder auf der Sonnenseite steht, während ich im Schatten herumlungern darf (so lieb ich sie auch habe.) Andererseits liebe ich Halloween, freue mich auf mein grandioses Zombiekostüm (welches ich bereits am Samstag auf einer Party vorzeigen darf) und die Party der Schönen wäre eine tolle Gelegenheit alte Freunde wiederzusehen, die ich schon lang nicht mehr gesehen habe.

Doch hält mein Herz das aus? Ich bin ratlos. Wer einen ultimativen Tipp für mich hat, der möge jetzt reden, oder für immer schweigen.

Katzenglück

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Hallo Welt,

hab ich nach der langen Zeit überhaupt noch irgendwelche Leser?
Na egal, darum ging es eigentlich nie. Solltet ihr aber noch da sein, freue ich mich natürlich.
Noch mehr freue ich mich heute allerdings über etwas ganz anderes.

Meine beiden Kater lassen sich folgendermaßen charakterisieren:
Marlon, der ewig verkuschelte Schmusetiger mit der großen Angst vor allem was Geräusche macht.
Und Spencer, der Draufgänger der gar nicht weiß was Angst überhaupt ist, aber nur dann gekrault werden will, wenn er sich dafür lasziv in Position geworfen hat.

Marlons größtes Glück ist es, wenn ich mich abends ruhig auf meinen Sessel setze, so dass er sich gemütlich auf meinen Schoß kuscheln und sich stundenlang in Trance kraulen lassen kann. Leider ist das bei Spencer ganz anders. Er hat mir wohl nie verziehen, dass ich ihn quälen musste, kaum dass er bei mir angekommen war. Da er sich weigerte freiwillig seine Durchfall-Tabletten zu fressen, war ich gezwungen ihm die Tabletten aufgelöst in einer Spritze in den Mund zu drücken. Auf seine heftige Gegenwehr konnte ich damals leider keine Rücksicht nehmen. Doch das führte auch dazu, dass es ihm schwer fällt Vertrauen zu mir aufzubauen. Er lässt sich zwar streicheln, aber nur für eine gewisse Zeit und auch nur an seinem Schlafplatz oder auf dem Boden, dann scheint ihm das Risiko zu groß zu werden.

Doch heute ist endlich das große Wunder geschehen. Während ich ein fast fünfstündiges Telefonat mit einer Kollegin der TS führte (obwohl ich eigentlich ein langes Telefonat mit jemand ganz anderem führen wollte, der mir am Herzen liegt und der viel zu lange nichts von mir gehört hat), kam Spencer völlig überraschend auf meinen Schoß gekrabbelt, kuschelte sich ein und verlangte eine viertelstündige Streicheleinheit. Das hat er zuvor noch nie gemacht!

Es ist unglaublich was es in einem Menschen auslösen kann, wenn so ein kleines Tierchen einem so völlig unvermittelt und überraschend sein Vertrauen schenkt. Das war der größte Liebesbeweis den Spencer mit nur hätte erweisen können. Jetzt bin ich sicher, dass auch wir noch große Kuschelfreunde werden können. Ich bin so erleichtert und glücklich.

Geburtstag im Himmel

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Heute ist Dein 35. Geburtstag.
Ich habe Dich besucht, um Dir zu gratulieren. Bin an den Ort gefahren, an dem Du Deine Geburtstage nun verbringst. Eigentlich ist es schön dort. Ein schattiges Plätzchen direkt unter einer schönen alten Buche. Viele Deiner Nachbarn sind Jahrzehnte älter als Du. Nur wenige sind jünger.

Ich konnte Dich zur Gratulation nicht in meine Arme schließen und Du konntest Dich auch nicht bei mir bedanken. Dennoch hatten wir einen Augenblick nur für uns allein. Du hast mich gehört und ich habe Dich gespürt. An meiner Seite. An meiner Seite, an der Du mich tagtäglich begleitest. Du bist immer bei mir. In den schönsten und auch den schwersten Momenten. Es gibt jetzt nichts mehr was ungesagt wäre. Du weißt, dass ich Dich liebe. Ich kann es Dir jetzt sagen. Wenn ich wollte jeden Tag. Das war nicht immer so. Es war immer kompliziert mit uns. Wir haben es uns selbst schwer gemacht und unsere wahren Gefühle viel zu lang in einem Schatzkästchen gehütet.  Zum Schluss war uns klar, was wir füreinander waren. Und doch sind wir jetzt wieder allein mit unseren Gefühlen, denn unsere Welten sind nun wirklich unvereinbar.
Es gibt diesen Moment zwischen Schlafen und Wachen, zwischen Traum und Realität, zwischen Glück und Trauer, in dem wir einander begegnen können. Ein kurzer Moment in dem wir den anderen spüren können und uns nicht mehr allein fühlen. Aber er ist wohl kaum je länger, als ein Wipernschlag dauert.

Es gibt Tage, da kommt es mir vor als hätten wir gestern noch miteinander geredet, miteinander gelacht, unsere Träume ausgetauscht. Da habe ich das Gefühl, Du wärst immer bei mir geblieben. Dann kann ich Deinen warmen Atem noch in meinem Nacken spüren und erinnere mich an den süßen Geschmack Deiner Lippen.
Und dann gibt es Tage, da kommt es mir vor, als war all das in einem ganz anderen Leben. Als wäre ich damals ein anderer Mensch gewesen. Dann sehe ich meine Erinnerungen nur noch durch Nebelschwaden.
Doch wenn ich mich sehr intensiv an Dich erinnere, an Deine Stimme, Dein Gesicht, Dein Lachen, Deine Art die Dinge positiv auszudrücken, indem Du Sie doppelt verneint hast, dann sehe ich meine Erinnerungen durch einen Tränenschleier.

Heute ist Dein 35. Geburtstag. Wo auch immer Du ihn jetzt feiern magst. Wer auch immer ihn jetzt da oben mit Dir feiert. Wir hier unten feiern den Jahrestag Deiner Geburt im Stillen. Ich hoffe, Du machst wenigstens ordentlich Party auf deinem Sternchen. Aber auch wenn Du ein Ehrengast bist, der an diesem Tag durch Abwesenheit glänzt, so ist der Tag Deiner Geburt doch ein Tag der Freude. Freude darüber, dass ich Dich kennenlernen durfte, dass ich ein Teil Deines Leben sein durfte. Freude darüber, dass Du mich geprägt und meine Welt bereichert hast.

Nichtsdestotrotz, es schmerzt. Du fehlst mir so sehr, dass ich es mit Worten nicht beschreiben kann.
Deine Seele feiert heute Ihren 35. Geburtstag. Dein Körper ist nur 33 Jahre und 33 Tage alt geworden.

Wasser im Keller vs. Leere im Kopf!

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In belanglosem Ton, fast schon gelangweilt klingend und als wäre es das normalste von der Welt, hörte ich heute folgenden Satz:
„Für Pakistan spenden? Warum sollte ich den Terroristen auch noch helfen? Ich nenne das natürliche Auslese.“

In Anbetracht des unsagbares Leids und der für uns nicht im Ansatz vorstellbaren Qual, in der sich im Moment MILLIONEN von Kinder und natürlich auch Erwachsene befinden, die sowieso schon seit Jahren in Armut und Kriegszuständen um ihr Leben kämpfen müssen, möchte ich nach einer solchen Aussage nur noch schreien. Wie hätte ich mir gewünscht, dass betreffender Person das passiert wäre, was sie heute den ganzen Tag lang befürchtet hatte. Nämlich, dass ihr im Dauerregen der Keller vollläuft.

Ehrlich gesagt… ich wünschte ihr noch Schlimmeres!