Archiv der Kategorie: kritisiert

Torfköpfe

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Mit geschlossenen Augen geht ihr durch die Welt.
Ihr seid blind für das, was sie zu bieten hat und womit sie euch bereichert. Ihr habt keinen Sinn für ihre Schönheit.
Ihr seht nicht, ihr hört nicht, ihr fühlt nicht.

Ihr habt kein Gefühl für die Schönheit von Worten und Sprache. Ein Gedicht berührt euch nicht. Stattdessen reißt ihr kindische Zoten über das Wort „Busen“.
Wenn ihr ein Lied hört, kommt seine Botschaft nie bei euch an. Die Genialität einer Komposition verlangt euch keinen Respekt ab. Eine Geige erreicht niemals euer Herz, aber ein elektronischer Beat wird erträglich mit der richtigen Pille.

In einem Insekt seht ihr ein Ungeziefer, habt aber kein Auge für die Schönheit seiner Schöpfung. Jeder Vogel, jedes Reptil, sogar eine menschliche Hand ist mit einer Perfektion konstruiert, vor der ihr schon lange keine Ehrfurcht mehr habt.
Es ist für euch kein Wunder mehr, wenn die Abendsonne einen grauen Felsen in leuchtendes Rot taucht, wenn ihr einen seltenen Blick auf einen Marienkäfer erhaschen könnt, der gerade eine Blattlaus verspeist.

Ihr habt den Planeten erobert, Wälder gerodet, Flüsse verlegt oder ausgetrocknet, Straßen gebaut und ihr wundert und beschwert euch, wenn Tiere in eure Gärten und Häuser eindringen, weil ihr sie ihrer Lebensräume beraubt habt. Ihr müsst noch das letzte Vogelnest unter Eurer Dachrinne demontieren. Ihr glaubt, die Welt gehört euch allein. Ihr teilt nichts mit niemanden!

Ihr seht nichts, wenn ihr durch ein Teleskop auf die Sterne schaut, ihr hört nicht das Rauschen des Meeres, ihr fühlt nicht den Wind auf eurer Haut.

Ihr lacht über Fürze und reißt unflätige Witze. Ihr ergötzt euch am Leid anderer. Ihr streckt eure Hände nicht aus um Ärmeren oder Schwächeren zu helfen. Ihr habt kein offenes Ohr für das Leid und den Schmerz anderer. Nichts geht euch etwas an. Ihr hört keine Unter- und Zwischentöne, nicht Freude oder Leid in einer Stimme. Kein Zittern, kein Beben.

Ihr vögelt, aber ihr liebt nicht! Ihr schlaft, aber ihr träumt nicht! Ihr esst, aber ihr schmeckt nicht! Ihr trennt euch, aber ihr bindet euch nicht! Ihr reist, aber ihr kommt niemals irgendwo an!

Was ihr lest, wenn ihr lest, und im Fernsehen seht, nehmt ihr widerstandslos hin. Ihr hinterfragt nicht. Ihr seid zu müde zum denken oder gar auf die Barrikaden zu gehen. Ihr schlaft im Laufen ein. Im Denken auch!
Ihr seid egoistisch. Ihr seid einsam und merkt es nicht.

Ihr kauft, was billig ist, auch wenn andere dafür verhungern müssen. Ihr habt keine netten Worte, kein Lächeln für andere. Ihr mäkelt und moppert und meckert und überdramatisiert, wenn es keinen Grund gibt. Gibt es einen, fallt ihr ins geistige Koma.
Ihr seid Sozialautisten und Gefühlslegastheniker. Ihr wisst nicht was Empathie bedeutet. Ihr habt Logorrhoe und tourettiert über Menschen, die anders sind. Ihr erwartet Perfektion und seid selbst unvollkommen.

Ihr beleidigt und ekelt euch vor schwulen Männern und wollt abends eurer Freundin am liebsten an den Arsch. Ihr seid genervt von Kindern und alten Menschen, denn ihr vergesst, dass ihr Kinder wart und alt sein werdet.
Ihr seid käuflich, aber nicht spendabel. Oberflächlich. Ohne Tiefgang.

Ihr wollt verhätschelt und vertätschelt und gefragt werden, wie es euch geht, doch andere fragt ihr nie danach. Ihr habt was gegen sämtliche Ausländer, doch habt ihr zu eurer eigenen Nationalität nichts beigetragen. Ihr habt Vorurteile über Vorurteile, passt selbst aber am besten in eine Schublade.

Euer Herz ist kalt, eure Arme geschlossen, euer Blick kurzsichtig und getrübt.
Mit geschlossenen Augen geht ihr durch die Welt.
Ich mag euch nicht, IHR TORFKÖPFE!!

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Für’n Apple und’n Ei

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Es scheint immer nur eine Frage der Zeit zu sein, bis übermäßiger Erfolg zu völliger Überheblichkeit führt.
Mittlerweile kann man nur noch den Kopf darüber schütteln, wie der erfolgreiche Weltkonzern eines gewissen Steve Jobs es schafft, sein gutes Image selbst zu demontieren.

Darüber, dass sich die horrenden Preise für die vielen innovativen Produkte auf die Dauer nicht mehr rechtfertigen ließen, schauten die Anhänger der Kultprodukte lange Zeit hinweg. Jedermann war bereit vor allem den guten Namen zu bezahlen, wenn sich damit ein erlesener Geschmack bewiesen ließ und man die eigene Position in der Gesellschaft vermeintlich auf eine höhere Stufe stellen konnte. Außerdem konnte man sich endlich mal auf subtile Art und Weise beim Konkurrenten „winzigweich“ für die vielen Abstürze und „schweren Systemfehler“ rächen, indem man wenigstens im Bereich der Unterhaltungselektronik den Hersteller wechselte.

Leider bekam das tolle Image des angebissenen Apfels mit der Zeit aber so seine Risse. Erst lässt ein offenbar nicht sehr vertrauenswürdiger Mitarbeiter die neuste Innovation in einer Kneipe liegen, was aber wahrscheinlich eher Marketingstrategie denn Missgeschick war, und als das Telefon der 4. Generation dann endlich auf dem Markt erscheint, kann es alles, nur nicht telefonieren. In der Zwischenzeit wurde der gesamten Weltpresse der Kopf verdreht. Kriege, Katastrophen und Hungersnöte dienten den Journalisten allenfalls noch als Lückenfüller. Schließlich hatte Apple gerade ein touchbares Internet auf den Markt geworfen. Sämtliche kleingeistige Produktanhänger warfen noch vor Erscheinungsdatum ihre Notebooks auf den Müll, nur um dann festzustellen, dass man mit dem hübschen Glasmonitor außer surfen und appen nicht viel anstellen kann. Aber Datenverarbeitung wird eh total überschätzt.

Nun aber ist das Ende der Fahnenstange erreicht. Der Apfel ist aufgegessen. Er hat sich quasi selbst verdaut. Die Konzernspitze meint das nur noch dadurch verhindern zu können, dass sie sämtliche Konkurrenten ein für allemal aushebelt. Und wer es geschafft hat, die Hersteller eines gewissen wePad in die Knie zu zwingen, der schafft es erst recht mit einem kleinen mittelständischen Küchenproduktproduzenten.
Der kultige und beliebte „eiPott“, darf sich ab sofort nicht mehr so nennen. Apple hatte sich schon vorsorglich den Namen iPod (und alles was so ähnlich klingt) für „Geräte und Behältnisse in Küche und Haushalt“ schützen lassen und konnte jetzt endlich von diesem Patent Gebrauch machen. Außerdem wurde in der Namensähnlichkeit, verbunden mit der immensen optischen Ähnlichkeit, ein Affront gegen den amerikanischen Riesen erkannt.

Ich hätte da mal 4 Fragen an den guten Steve:
1. Warum lässt man den Namen für ein Musikabspielgerät [sic!] für „Geräte und Behältnisse [sic!] in Küche [sic!] und Haushalt“ schützen?
2. Wenn Apple die Rechte an sämtlichen Namensbestandteilen des Wortes iPod hat, haben dann unsere Podologen eine Klagewelle zu befürchten?
3. Hat Ihnen schon mal jemand gesagt, dass Konkurrenz das Geschäft belebt und gerade die Vernichtung eben dieser ein Image auch zerstören kann?
4. Hält Apple seine Kundschaft wirklich für so unsagbar bescheuert, dass sie einen Eierbecher tatsächlich mit einem MP3-Player verwechseln könnten? Und wundern Sie sich in Anbetracht dieser Tatsache wirklich, dass Ihnen die Kunden davonrennen?

Er wird mir die Antworten wohl schuldig bleiben. Kannse echt n Ei drauf schlagen!

Wasser im Keller vs. Leere im Kopf!

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In belanglosem Ton, fast schon gelangweilt klingend und als wäre es das normalste von der Welt, hörte ich heute folgenden Satz:
„Für Pakistan spenden? Warum sollte ich den Terroristen auch noch helfen? Ich nenne das natürliche Auslese.“

In Anbetracht des unsagbares Leids und der für uns nicht im Ansatz vorstellbaren Qual, in der sich im Moment MILLIONEN von Kinder und natürlich auch Erwachsene befinden, die sowieso schon seit Jahren in Armut und Kriegszuständen um ihr Leben kämpfen müssen, möchte ich nach einer solchen Aussage nur noch schreien. Wie hätte ich mir gewünscht, dass betreffender Person das passiert wäre, was sie heute den ganzen Tag lang befürchtet hatte. Nämlich, dass ihr im Dauerregen der Keller vollläuft.

Ehrlich gesagt… ich wünschte ihr noch Schlimmeres!

Hören ist Silber, sehen ist Gold

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Ich habe etwas neues über mich gelernt. Ich H A S S E es, ein Geräusch zu hören und seine Ursache nicht sehen zu können! Wirklich. Das macht mich rasend. Grundsätzlich bin ich ein auditiver Mensch, dem das Visuelle eigentlich nicht so wichtig ist. Ich liebe das „Hören“. Doch dann fiel mir auf, dass gewisse Geräusche unbedingt ein Bild erfordern.

Es fing damit an, dass man es freitags und samstags abends in den Sommermonaten häufig in der Nachbarschaft knallen hörte. Es dauerte eine Zeit lang, bis ich begriff, dass es sich dabei um ein Feuerwerk handelte. Als ich das wusste, war ich von dem Geräusch erst recht genervt, denn ich liebe Feuerwerk, konnte es aber nur hören, nicht sehen. Das Nachbarhaus stand immer im Weg. Noch mehr ärgerte es mich, dass ich keine Erklärung dafür finden konnte, warum jemand im Sommer in meiner Nachbarschaft regelmäßig ein Feuerwerk veranstaltet. Irgendwann meinte meine Mutter mal, dass es vom Restaurant in der Nähe käme und damit Hochzeits- und Geburtstagsfeiern vergrandiosiert würden. Gut und schön, da ich es aber noch immer nicht sehen kann, nervt es auch noch immer. Ich werde dabei umtriebig, will dabei sein, will was sehen.

Eine weitere Sache ist die, dass nachts gelegentlich Leute über unsere Straße laufen, die sich, trotz unchristlicher Uhrzeiten, unbedingt lautstark unterhalten bzw. rumgrölen müssen.  Kann ich auch nicht ab! Nicht, weil ich mich belästigt fühlen würde, oder es mich vom Schlafen abhalten könnte. Meinetwegen kann morgens um drei eine Polkakapelle über die Straße schwadronieren. Wenn ich schlafe, schlafe ich. Aber ich hasse es wach zu sein, die Leute auf der Straße zu hören, sie aber nirgends sehen zu können. Entweder macht es mir Angst, dass sie durchdrehen und mein Auto ramponieren könnten (alles schon vorgekommen), oder ich ärgere mich, weil sie, aus welchen Gründen auch immer, die Nacht genießen können, während ich zum Einschlafen gezwungen werde, weil ich arbeiten muss. Könnte ich sie wenigstens sehen, wüsste ich, dass das nicht die Leute sind, deren Gesellschaft ich gern hätte. Aber so… Grmpf!

Heute Nacht aber wurde ich endgültig davon überzeugt, dass es nichts Schlimmeres für mich gibt, als einen Geräuscheverursacher nicht sehen zu können. Ich wohne jetzt seit 8 Jahren direkt am Wald. Wunderschön! Seit 8 Jahren hoffe ich, dass ich irgendwann mal eine Eule oder einen Uhu in diesem Wald zu sehen oder hören bekomme. Ständig behauptet jemand, dass es sie dort gäbe, aber an Beweisen hat es bisher gemangelt. Heute Nacht liege ich im Bett und lese mein Buch, als ich plötzlich zum ersten Mal, aber laut und ganz deutlich, ein langgezogenes „Huhuuuu“ vernehmen kann. Ungefähr zehn Minuten lang, mal ganz nah, dann wieder weiter weg. 8 Jahre lang nichts als Amseln und Drosseln, und dann plötzlich dieses laute Geheul! Wunderschön war das! Ich hätte vor Freude einen Luftsprung machen können, hätte ich das Tier nur sehen können. Verdammt! Ich will was seeeeeeeeehen! Außerdem bin ich immer noch nicht sicher, ob es jetzt eine Eule oder ein Uhu war. Klang ja eher nach Uhu, aber die ziehen das letzte U nie so lange, sondern sind eher kurz und abgehackt, oder? Wer mir helfen kann, möge sich melden!

(Ähnlich ging es mir in diesem Jahr schon etliche Male im Garten meines Chefs. Jeden Vormittag singt hier die Nachtigall die schönsten Lieder aller Zeiten, aber gesehen hab ich sie natürlich noch nie! Wie können diese Vögel es wagen, alle Welt mit ihrem Getriller auf sich aufmerksam zu machen und gleichzeitig im Busch zu hocken, um uns insgeheim die Zunge rauszustrecken?)

Irgendwann gab dann auch meine Uhukauzeule Ruhe. Endlich. Denn damit verschwand dann auch der unerfüllbare Drang sie sehen zu wollen.
Erleichtert wollte ich mich wieder meinem Buch zuwenden, da fing ein anderer Vogel an. „Joooook. Joooook. Jooooook.“ Och nööööö. Ich überlegte kurz, ob das jetzt vielleicht die Ankündigung der Apokalypse sein könnte. Erst der Eulenuhu, dann das! „Jooook!“ Ganz hoch, ganz schrill, ganz laut. So wie eine knarzende Tür oder der Beginn eines Babyschreies. Im Abstand von drei Sekunden und das fast eine viertel Stunde lang. Da ich zu keiner anderen Lösung gelangen konnte, habe ich beschlossen, dass es wohl ein AV gewesen sein muss. Ein Arschlochvogel.

Ich hab es dann auch irgendwann nicht mehr ausgehalten. Fenster zu, Drei-Fragezeichen-Kassette an und damit den Vogel übertönen.
Zu der wunderschönen Stimme von Andreas Fröhlich wollte ich glücklich beseelt einschlafen. Bis mir einfiel, wie scheiße ich das finde, dass ich Andreas immer nur hören, aber nie sehen kann…

Stell Dir vor es ist Frieden, aber niemand macht mit…

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Da ich immer gerne informiert bin, studiere ich mehrfach am Tag die Schlagzeilen der Onlinemedien. Unter anderem folgende Artikel stolperten dabei in den letzten Tagen in meine Wahrnehmung:

  • Mann tötet Frau und Kinder, bevor er sich das Leben nimmt
  • Berühmte Berliner Jugendrichterin nimmt sich das Leben
  • Polizistin erhängt ihre Kinder und sich selbst
  • Mann sticht zehn Mal auf seine Freundin ein, setzt sich dann ohne Helm auf sein Krad und fährt in verkehrter Richtung auf die A3. Er rammt frontal einen Lkw, wird dabei geköpft, sein Körper in den angrenzenden Wald geschleudert.
  • Polizist verursacht tötlichen Frontalunfall. Er und die entgegenkommende Fahrerin sind sofort tot. In seinem Kofferraum findet die Polizei die Leiche seiner Ehefrau.
  • Mann richtet zwei Italiener per Kopfschuss in einer Kneipe hin, nachdem man sich über die Fußballweltmeisterschaft gestritten hatte.
  • Weiterer Kindesmissbrauch innerhalb der katholischen Kirche aufgedeckt.
  • Jugendliche schlagen älteren Herrn krankenhausreif
  • Mord / Vergewaltigung / Ehedramen / Totschlag / Brennende Autos / Mobbing / Suizid / Krise / Drama / Machtkampf / Gewalt….

Nachdem ich heute mal wieder einige solcher Artikel gelesen hatte, rutschte mir der lapidare Ausdruck „Die Menschen sind doch alle bekloppt!“ über die Lippen. Doch dann begann ich darüber nachzudenken und stellte schnell fest, dass das natürlich weder die Ursache, noch die Begründung für all die Dramatik ist. Aber wie zerstört, wie verletzt und wie sehr aus den Angel gehoben, müssen ein Herz, eine Seele und vor allem ein Geist sein, um solcher Taten fähig zu werden? Sind Menschen schon immer, zu allen Zeiten, so massiv psychisch verrutscht, oder ist es ein Phänomen der Neuzeit? Inwiefern ist das ein modernes gesellschaftliches Problem?

Um es auf den Punkt zu bringen: Unsere Gesellschaft ist am Arsch! Man muss sich nur mal in seinem direkten Umfeld umschauen. Am besten dann, wenn nicht gerade alle im WM-Freudentaumel versunken sind. Wie gehen wir Menschen heutzutage miteinander um? Auch wir, die wir uns für gute, wenn nicht gar bessere Menschen halten? Wir lächeln einander nicht mehr zu. Wir grüßen einander nur, wenn wir uns besonders gut kennen. Es gibt kein offenes Ohr, kein wachsames Auge, keine helfende Hand. Wir haben das Gespür für Sorgen, Nöte und Bedürfnisse unserer Mitmenschen verloren. Wir rempeln uns im Supermarkt an und entschuldigen uns nicht.
Wir sind im Dauerstress. Auf der Autobahn ereilen uns regelmäßig halbe Herzattacken, weil wieder jemand hinter uns fährt, der uns massiv drängelt und nötigt, weil es ihm nur um sich geht, und ihm die Angst des Vordermannes scheißegal ist. Eine Stunde später ärgern wir uns an der Supermarktkasse über die Oma, die drei Minuten lang ihr Kleingeld zählt. Wenn es um das spärlich angebotene günstigste Teil im Media-Markt geht, schrecken wir nicht davor zurück, auch mal Schwächere zu schubsen. Durch die Liebe und Zuneigung eines Mitmenschen, fühlen wir uns schon lang nicht mehr geschmeichelt, wenn er nicht perfekt ist. Perfekt schön. Perfekt reich. Perfekt klug. Perfekt talentiert. Perfekt gebaut.
Wir legen uns wegen Nichtigkeiten mit den Nachbarn an. -Du musst den Vorgarten harken. – Nein, Du musst!, statt es selber zu tun, wenn wir meinen, es müsste geharkt werden. Denen, die am Boden liegen, helfen wir nicht auf, wir benutzen ihre Schultern als Trittleitern für unser eigenes Emporkommen. Wir sind zu Egoisten mit Ellbogenmentalität geworden! Wer stärker ist, will auch stärker bleiben. Bloß nicht die Kraft an den Schwachen verschwenden. Wer reich ist, will reich bleiben. Teilen wäre da kontraproduktiv. Es herrscht Krieg!

Und welchen Anteil daran tragen die Medien, das Fernsehen? Zeigen sie ein Abbild unserer Gesellschaft, oder sind wir zum Abbild unseres Fernsehprogramms geworden? Uns wird vorgegaukelt jeder Hartz4-Empfänger wäre faul und asozial. Wir glauben das! Wer nichts wird, wird Scripted-Reality-Star. Die Ausländer nehmen uns angeblich unsere Jobs weg. Wenn Du in der Schule schlecht warst, reicht die Bereitschaft sich von RTL einen Schlampenlebenslauf aufdrücken zu lassen und schon bist Du Superstar!
Du musst schön, perfekt und spindeldürr sein. Wer nicht schön sein will, muss leiden! Ich frage mich, ob all die Frauen, die ich kürzlich bei „Exclusiv – Die Reportage“ sah, auch ohne die Beeinflussung der Medien eines Morgens im Bett hochgeschreckt wären, verfolgt und beherrscht von dem Gedanken, die eigene Muschi ist zu hässlich für diese Welt. An welchem Tag wurde Schamlippenliftig wichtiger als Umgangsformen? Oder liegt es daran, dass uns die Moral in die Hose gerutscht ist?
Erniedrigungs-TV und Peinlichkeitswettbewerbe sind die Quotenrenner unseres alltäglichen Flimmerkistenkonsums. Wir zeigen mit den Fingern auf fremde Leute und lachen laut! Wir schämen uns lieber fremd, als unbedarfte Menschen vor sich selbst zu schützen. Und die dümmsten Bauern kriegen die dickste Narumol.

Auch Zeitung lesen ist nicht besser, wenn wir nicht endlich anfangen zu reflektieren. Aber der Mensch ist nicht glücklich, wenn niemand eine Sau durchs Dorf hetzt. Wer in Zeiten des Sommerlochs auch dem sechsten gesichteten Krokodil in Ruhr und Wupper noch Glauben schenken will, der muss sich zum Glück nur selbst an die Stirn fassen. Aber wenn in der Bild-Zeitung großformatige Fotos von Menschen gezeigt werden, die fett mit den Worten „Kinderficker“ übertitelt sind, die sich dann später als absolut unschuldig erweisen, dann werden Existenzen zerstört. Drei Wochen später kann Bild dann vom nächsten Geisterfahrer berichten und das gleiche Foto noch einmal verwenden.
Wenn irgendwo Menschen zu Opfern von Missbrauch und Vergewaltigung werden, gibt es keine Scheu mehr Namen und Fotos der Betroffenen zu veröffentlichen. Wozu brauchen wir Opferschutz, wenn wir Mitleid heucheln können? Ob das Familien zerstören, oder gar die Seelen der Opfer noch weiter zertrümmern könnte, ist für unseren weiteren Lebensweg ja nicht mehr wichtig.

Es herrscht Krieg! Überall! Die, die hilfesuchend und verzweifelt nach oben blicken, finden keine Führung, keinen Wegweiser mehr. Politikverdrossenheit ist ein fast zu mildes Wort. Die Politiker sind korrupt, machtversessen, geldgeil und undemokratisch. Keinem geht es mehr um das Volk! „Die da oben denken nur noch an sich!“ Bürokratie, hohe Steuern, Ungerechtigkeit und Ausbeutung wohin das Auge blickt. Die Armen werden ärmer, die Reichen werden reicher. Der kleine Mann, begeht Suizid!
Wer früher angefangen hätte zu beten, tritt heute aus der Kirche aus, weil die Vertrauensmänner, Seelsorger und Gottesbrüder jetzt unsere Kinder betatschen.

Wir haben Moral, Ethik, Umgangsformen, Werte und gegenseitigen Respekt mit Füßen getreten. Führung und Leitung scheint es nicht mehr zu geben. Jeder kämpft für sich! Jeder kämpft allein! Wir sind die Rinder, besessen vom Wahn! Es herrscht Krieg!

Ob ich mich wohl noch einmal wundern werde, wenn ich morgen wieder die Zeitung aufschlage, oder GoogleNews lese? Oder wird mich einfach nur das ungute Gefühle beschleichen, in den Spiegel unserer Gesellschaft zu schauen?  Schäme ich mich, oder habe ich Angst ein Teil von ihr zu sein?
Die Menschen der oben wiedergegebenen Schlagzeilen, hatten sicher mehr zu erleiden, als nur die kalte Faust der Gesellschaft. Sicher gab es noch mehr Faktoren. Noch schlimmere Umstände. Schwerwiegende psychische Erkrankungen. Vielleicht! Vielleicht, aber auch nicht! Vielleicht begann ihr persönliches Leid auch einfach an einem Tag, an dem sie auf der Autobahn bedrängt wurden. Oder geächtet, weil sie nicht schön genug waren. Oder an dem Tag, an dem sie ihren Job verloren. Und vielleicht griffen sie zum Messer, als ihre hilfesuchenden Hände zum x-ten Mal ins Leere griffen!

Wir leben nicht im Irak, nicht in Afghanistan, nicht im Kosovo, nicht in Israel, nicht in Korea.
Wir leben in Deutschland!
Es herrscht Frieden, aber niemand macht mit…

Tag 4: Mein Hassbuch

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Das ist jetzt wirklich eine harte Nuss. Keines der Bücher, die ich je freiwillig gelesen habe, war so schlecht, dass ich behaupten könnte, ich würde es hassen. Ich habe schon des Öfteren langweilige Bücher begonnen und sie dann vorzeitig abgebrochen, aber deshalb verdienen sie noch lange nicht das Prädikat „Hassbuch“. Kurz hatte ich überlegt die Bücher anzuführen, um die ich bewusst einen Bogen gemacht habe, aber auch die hasse ich nicht, sie sind mir einfach schnurz. Eines fiel mir ein, aber das spare ich mir besser für Tag 21 auf, sonst komme ich da auch wieder ins Straucheln.

So fiel meine Wahl am Ende auf dieses hier: Mein Mathebuch 8-10. Klasse. (Die Abbildung zeigt ein Symblfoto und nicht mein tatsächliches Buch von damals.)
Inhaltlich kann ich dazu nichts sagen. Ich habe NICHTS verstanden! (31 Tage – 31 Bücher)

Eine Anti-Eloge

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Du bist hier nicht willkommen! Ein ungebetener Gast, der von mir keine Einladung bekommen hat. Und wenn Du mir Deine Anwesenheit doch unbedingt aufdrängen musst, erwarte nicht, dass ich Dir Kaffee und Kuchen anbiete.
Aber Du fühlst Dich auf meine Einladung nicht einmal angewiesen. Deine Einlader heißen Entspannung, Wetterumschwung und Hitze. Hat letztere Dich eingeladen, hasse ich Dich besonders. Ich pfeife auf Deinen Vertrag den Du mit Petrus geschlossen hast, am Tag als Gott die Hölle erschuf. ICH will die wärmenden Sonnenstrahlen genießen, das Licht von meiner Seele verzehren lassen. Wo Du in dieser Zeit bleibst, geht mir gemäßigt am Popo vorbei! Sollst Du Dich doch in einer dunklen Ecke zu Tode langweilen. Erwarte nicht die Gunst meines Mitleids!

Es mag sein, dass andere Menschen einen kreativen Segen aus der Aura ziehen, die Du Deinen „Wirten“ zuteil werden lässt. Mir reichen die bunten Lichter, die entstehen wenn ich kräftig die Augen zukneife, vollkommen aus. Dein seltsames Gewirr will ich nicht haben! Ich bin kreativer ohne Dein Zutun. Du kuschelst Dich ein auf meinen Temporallappen. Manchmal baust Du Dir auch ein Zelt auf dem Frontallappen, direkt hinter meinem linken Auge. Du zertrümmerst mein Sprachzentrum, machst meine heißgeliebte auditive Wahrnehmung zur Qual, störst meine Aufmerksamkeit und beleidigst meine Intelligenz. Du bringst mir keinen kreativen Nutzen, stattdessen bringst Du mein Frühstück ans Tageslicht zurück. Wäre ich der Picasso der Kotzekunst, ich könnte mit Dir etwas anstellen. ABER DAS BIN ICH NICHT!!

Darum lasse ich Dich heute nicht rein! Keine Sekunde lang! Niemals! Mögen Dich die 35 Grad da draußen auch noch so verführerisch in meinen Kopf locken, ich lasse es in mir regnen. Auf dass Du erfrieren mögest! Ein Bataillon von kleinen Demonstranten marschiert durch mein Hirn. Es haut Dir seine Protestschilder um die Ohren. Aufschrift: Dolormin Migräne!!!

Schönen Tag noch! Alte Otze, die Du bist!

Sparkurs?

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Ich gebe es jetzt mal ganz frank und frei zu: Finanziell sieht es bei mir echt sch*** aus!
Erst habe ich mein Erspartes in ein dringend benötigtes neues Auto gesteckt, dann wurde ich überraschend arbeitslos. Sich acht Monate lang von Arbeitslosengeld über Wasser zu halten ist nicht einfach, wenn auch möglich. Aber ich wollte natürlich dennoch nicht auf das teure Gemüse vom Edeka verzichten, ich wollte dennoch schön angezogen sein. Und überhaupt ist es seit ich denken kann überlebensnotwendig, dass ich stetig neue Bücher, Musik und Filme konsumieren kann. Natürlich hab ich mich da nicht einschränken wollen und weiterhin schön die Kohle zur Meyerschen getragen (und Amazon und iTunes).

Tja, so kann es nicht weitergehen, wenn ich auf einen grünen Zweig kommen will. Es bleibt also nur eine einzige logische Schlussfolgerung! Deshalb bin ich gestern mal zur Cheffin gegangen und hab ihr mitgeteilt, dass es in Anbetracht meiner Lage jetzt eindeutig ihre Pflicht ist, mir sofort ordentlich das Gehalt zu erhöhen! Ist doch logisch, oder? Ihr stimmt doch wohl alle zu, dass nur das die Lösung des Problems sein kann, oder etwa nicht?
Ich meine, so falsch kann mein Gedankengang doch nicht sein. Schließlich habe ich es so von den klügsten und wichtigsten Menschen der Bundesrepublik gelernt! Die müssen es doch wohl wissen…

Wirtschaftskrise, Griechenland-Problematik, Steuersenkungen für Hoteliers und ein schwacher Euro haben uns arg gebeutelt. Daher redet die Bundesregierung seit Monaten von einem „drastischen Sparkurs“. FDP und Union machen sich da gerade schon mal ein paar Gedanken:
Erhöhung der Tabaksteuer, Besteuerung von Flugtickets, Erhöhung der LKW-Maut, LKW-Maut für Bundesstraßen, Erhöhung der ermäßigten MwSt., Erhöhung der Ökosteuer, steigende Beiträge zur Arbeitslosenversicherung, usw.
Ich räume ein, dass meine Mutter nicht zu den klügsten und wichtigsten Menschen der Bundesrepublik gehört, aber sie hat mir irgendwann mal beigebracht, dass man Sparen mit „Senkung der Ausgaben“ definiert. Von Erhöhung der Einnahmen hat sie nicht geredet. Blöd, dass ich erst jetzt erfahre, dass es auch so einfach geht!

So sieht er also aus, der Sparkurs! Natürlich müssen wir jetzt alle an einem Strang ziehen. Also wir, das Volk… exklusive denen, den Regierenden! Nur eines hat mir noch niemand erklärt: Wenn wir jetzt alle für das Land sparen, wann und wie sparen wir dann eigentlich noch für uns? Ach egal, wenn es hart auf hart kommt, hat sich das Land bestimmt wieder so weit erholt, dass die Banken wieder richtig schöne Kredite für uns im Angebot haben.

Allüren schüren

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Ist es nicht wunderbar wenn der Tag damit beginnt, dass mir schon am frühen Morgen die Galle überkocht?

Dass man auf RTL keine hohen Stücke halten kann, sollte für die meisten Menschen kein Geheimnis sein. Leider ist es das aber doch! Mir begegnen immer noch genug Menschen, die ihre Argumente mit dem Satz „Aber das hab ich bei RTL gesehen“ untermauern. Allein aus Gründen der Höflichkeit, breche ich derartige Unterhaltungen nicht auf der Stelle ab. Sollte ich aber! Besser wär’s! Denn RTL meidet guten Journalismus, wie Marcel Reich-Ranicki den Deutschen Fernsehpreis. Oder die guten Journalisten meiden RTL. Das ist wohl eher des Pudels Kern.
Wenn man sagt, RTL ist die BILD-Zeitung in bewegten Bildern, dann ist das schon lange nicht mehr falsch. Ihre enge Zusammenarbeit in den letzten Jahren darf da gern als endgültiger Beweis angesehen werden. So mag es kaum verwundern, dass ich sowohl der BILD-Zeitung, als auch RTL kaum mehr als das Datum glaube. Wenn das nicht schon zu viel ist.

Wie bereits erwähnt, bin ich ein großer Fan von Oslog.tv. Stefan Niggemeier und Lukas Heinser sind schon mal nach Oslo gereist und dokumentieren den ganzen Grand-Prix-Trubel in einem Video-Blog, kurz Vlog. Dort konnte man schon am Sonntag, Ausschnitte aus Lenas Pressekonferenz nach den ersten Proben sehen. Natürlich war auch eine Reporterin von RTL anwesend und es ereignete sich folgender Dialog: Lies den Rest dieses Beitrags

Von Intellektuellen, “Gutmenschen” und Political Correctness

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Im Laufe eines normalen Tages bewege ich mich ein paar Stunden im Internet. Es beginnt immer damit, dass ich meine favorisierten Blogs durchstöbere, die mich dann meist wieder auf andere Seiten bringen, dann auf GoogleNews surfe und von Schlagzeile zu Schlagzeile springe. Da ich keine Zeitung abonniert habe, aber dennoch wissen will, was auf der Welt vor sich geht, bediene ich mich des Internets. Dabei bin ich bemüht meine Informationen aus „vertauenswürdigen“ Quellen zu erhalten und sehr oft lese ich zu einem einzigen Thema, die Beiträge verschiedener journalistischer Medien. Wer und was wirklich vertauenswürdig ist, ist nicht immer leicht zu filtern. Heute glaubst Du noch, dass ein spezielles Medium ordentlich recherchiert und Meinungsmache umgehen will, am nächsten Tag findest Du in demselben Medium einen Artikel, der all den guten Glauben wieder zunichte macht. Sagen wir jetzt einfach mal es gibt 20 große und wichtige Zeitungen und journalistische Blogs, dann kann man fast davon ausgehen, dass es zu einem Thema auch 20 unterschiedliche Meinungen und Ansichten gibt, wobei jeder von sich behauptet „Qualitätsjournalismus“ zu betreiben und auch die einzig wahre Sichtweise auf die Dinge gefunden zu haben. Wenn man sich einfach nur informieren will, besonders wenn es ein Thema ist, zu dem man selber noch gar keine allzu dezidierte Meinung hat, weil man ja eben noch nicht informiert ist, dann fällt es ziemlich schwer, Qualität von Nonsens zu unterscheiden. Zu erkennen ob eine Hintergrundinformation korrekt oder nicht korrekt recherchiert wurde. Festzustellen ob die Meinung zu der man tendiert überhaupt die richtige, ethisch korrekte Meinung wäre. Dabei macht es keinen Unterschied ob man sich in gedruckten Zeitungen oder im Internet informiert. Doch im Internet kommt noch ein ganz entscheidender Punkt hinzu. Einer, der das ganze Dilemma noch verschärft. Die Rede ist von den Kommentarspalten. Aufgrund der Kommentarspalten sieht man sich dann nämlich nicht nur mit den 20 verschiedenen Ansichten der 20 verschiedenen Medien konfrontiert, sondern auch noch mit den Meinungen von 20.000 Mitbürgern.

Neben den eigentlichen Artikeln lese ich sehr oft auch die dazugehörigen Kommentare mit großem Interesse, oft in der Hoffnung, dass sie meine eigene Meinungsfindung unterstützen. Doch je mehr Themen von immer mehr Menschen aus den unterschiedlichsten Schichten kommentiert werden, desto mehr muss ich mich von dieser Hoffnung verabschieden. Dabei sind das Problem nicht die unterschiedlichen Meinungen zu einem Thema an sich. Das wahre Problem der Kommentarspalten liegt in der Art und Weise wie viele Menschen ihre Meinungen vertreten. Lies den Rest dieses Beitrags