Archiv der Kategorie: memoriert

Wie man anderen den Tag rettet

Standard

Es gibt eine ganze Reihe von „Dingen“ an denen es einem mangelt, wenn man Single ist. Eines davon, das in seiner Bedeutsamkeit oft unterschätzt wird, ist das Kompliment. Besonders das überraschende Kompliment. Daran mangelt es freilich nicht nur Singles, aber ich weiß, wie sehr man manchmal danach dürstet. Die größte Wirkung entfaltet es, wenn es von jemandem kommt, den man nicht kennt, der kein Freund oder Famillienmitglied ist. Es muss auch keinen Flirtcharakter haben, um einem den Tag zu retten.

Beispiele aus der jüngeren Vergangenheit:
Vor einiger Zeit führte ich abends den Hund meines Vaters Gassi. Ich fühlte mich an dem Tag wie Erna. Das Haar oben fettig, unten trocken. Nach einem langen Tag quasi keine Schminke mehr im Gesicht. Am Köper die letzten drei Kleidungsstücke, die gerade nicht in der Wäsche waren und eher in die Kategorie „minimal besser als der Kartoffelsack“ fallen. In diesem Zustand tritt man vor die Haustür in der Hoffnung von niemandem gesehen zu werden.
Wir hatten unsere Runde schon fast beendet, ohne nennenswerte Begegnungen mit anderen Menschen, als der Hund auf dem letzten Drittel eine andere Hündin entdeckte, die natürlich unbedingt sofort zum Spielen aufgefordert werden musste. Und natürlich hing am anderen Ende der Leine auch ein Herrchen. Sowohl ich, als auch der Hund, kannten diese Hündin schon. Allerdings nur in Kombination mit Frauchen. Jetzt stand also das dazugehörige Herrchen vor mir. Ein Mann, der wohl schon so auf die sechzig zugehen mag. Und während unsere Hunde miteinander tobten, kamen wir natürlich ins Gespräch. Als ich meinen Weg gerade fortsetzen wollte, sah der Mann mich an und sagte: „Du siehst wirklich bildhübsch aus.“ Wie bitte? Ich hab mich wohl verhört. Doch er setzte nach: „Wirklich. Ein hübsches Mädchen.“ Ich konnte es kaum fassen und nutzte drei Meter weiter eine Autoscheibe als Spiegel. Mein erster Gedanke war, dass der mich doch verarscht haben muss. Mein zweiter war, dass er mir damit gerade ganz schön den Tag gerettet hat.

Heute war ein Tag an dem ich mich nicht ganz so fürchterlich fühlte, wie an oben beschriebenem Tag. Aber auch kein Tag für ein Fotoshooting. Nach der Arbeit war ich noch lang unterwegs und sprintete abschließend auf den letzten Drücker in den Supermarkt. An der Kasse saß ein durchaus ansehnliches Mädel. Etwas zu stark geschminkt, aber hübsch. An einem mittelmäßig bis schlechten Tag ist sowas eher kontraproduktiv. Wegen der ständigen Vergleiche, die man im Kopf anstellt.
Als ich zahlen wollte, lächelte sie mich an und sagte: „Du hast aber tolle Haare.“ Meine ungläubige Antwort: „Ach ja?“ „Ja, echt schön.“ Und was soll ich sagen? Tag gerettet.

Als ich meinem Vater damals den Hund zurückbrachte und ihm die Geschichte, dieses wunderbaren Kompliments erzählte, fiel ihm auch noch etwas ein. Er war mit der neunjährigen Tochter einer Freundin im Wald unterwegs (ebenfalls mit Hund), als sie ihn in ansah und fragte: „Du, wie alt bist du eigentlich?“ In dem Wissen, dass Kinder manchmal grausam sein können, schluckte mein Vater und gestand kleinlaut, dass er 52 sei. Daraufhin riss sie die Augen auf und erwiderte: „Echt? Ich dachte du bist höchstens 39.“ Das breite Grinsen mit dem er mir diese Geschichte erzählte, ließ mich erahnen, dass ihm das offensichtlich den Tag gerettet hat.

Wie oft gehen wir durch diese Welt  und treffen auf andere Menschen, die uns gut gefallen, die wir hübsch oder sofort unglaublich sympathisch finden? Und wie oft sagen wir nichts, weil wir befürchten, wir könnten dem Anderen zu Nahe treten. Wie leicht fällt es uns hingegen andere zu beschimpfen, uns öffentlich über sie aufzuregen, oder sie im Straßenverkehr als Arschloch zu betiteln. Ich weiß, es ist nicht leicht über die Lippen zu bringen, aber wenn ihr das nächste Mal durch euren Alltag stolpert und ihr seht jemanden, der euch in irgendeiner Weise beeindruckt, sagt es ihm. Vielleicht kann er es in genau diesem Moment unglaublich gut gebrauchen. Und wahrscheinlich könnt ihr ihm damit auf die einfachste Weise mal eben den Tag retten.

Ein Männlein steht im Walde

Standard

Vor ungefähr zweieinhalb Jahren lernte ich im Flirtportal eines hiesigen Radiosenders einen jungen Mann kennen. Nennen wir ihn, um der Anonymität Willen, „das Männlein“. Das Männlein kontaktierte mich mit einem äußerst charmanten Anschreiben, was in derartigen Portalen eher selten der Fall ist. Daraufhin tauschten wir ein, zwei Stunden lang schriftliche Nettigkeiten aus und stiegen dann aufs Telefon um. Unser Telefonat verstärkte den ersten netten Eindruck ungemein und da wir beide eine wochenlange Ungewissheit über einen möglichen Ausgang vermeiden wollten, beschlossen wir schnellstmöglich ein Treffen zu arrangieren. Da uns nur wenige Kilometer von einander trennten, war das auch kein Ding der Unmöglichkeit. Noch in derselben Woche sollte ein erstes Date stattfinden.

Als Tag X gekommen war, war ich sehr aufgeregt, was bei mir grundsätzlich der Fall ist, wenn es darum geht Männer kennenzulernen. Was diesen speziellen Lebensbereich angeht, bin ich wohl nicht gerade mit der großen Selbstsicherheit gesegnet, die ich in anderen Bereichen an den Tag legen kann. Ich würde aber sagen, dass ich meine bisherigen Dates mehr oder minder „souverän“ gemeistert habe. Da die Umgebung in der das Männlein beheimatet war einen schönen Park zu bieten hatte und das Wetter frühsommerlich herrlich war, wollten wir das Treffen mit einem Spaziergang verbringen. Die erste Unsicherheit verflog rasch, da wir sehr schnell in  intensive und tiefgründige Gespräche verfielen. Stattdessen machte sich eine andere, eine kindliche Unsicherheit breit, denn in kürzester Zeit scharwenzelten wir wie verliebte, dauererrötete Erstklässler umeinander herum. Das Männlein war klug, charmant, gebildet und in meinen Augen unbeschreiblich hübsch anzusehen. Zwar war er klein wie ein Däumling, doch bin ich ja selber nur ein Däumelinchen. Es gab einen Moment in dem das Männlein eine sehr putzige Bemerkung machte, die wohl zwischen den Zeilen implizieren sollte, dass er mich gern an die Hand nehmen würde. Da ich in meiner Aufregung den Wink mit dem Zaunpfahl aber nicht erkannte, kam es nicht dazu.

Als wir nach einem sehr langen Spaziergang wieder an meinem Auto und damit auch vor seiner Haustür angelangt waren, fragte er mich verunsichert, ob ich noch mit in seine Wohnung kommen möge, was ich auch ohne lange zu überlegen tat. Das Männlein war an diesem Tag zu sehr Gentleman, als dass ich mir Sorgen um unkeusche Gedanken hätte machen müssen. Bis vier Uhr am Morgen saßen wir auf seinem Sofa und teilten sehr intime Gedanken, Gefühle und Lebensgeschichten. Er war überrascht und absolut begeistert davon, wie schnell ich einzelne Charakterfacetten an ihm erkannte und diese auch benennen konnte. Doch ansonsten geschah an diesem Abend nichts. Ich fuhr dennoch wie beseelt und auf Wolke 7 schwebend heim und er gab mir mit jeder Pore das Gefühl, dass es ihm ganz ähnlich ging.

Unruhig und nervös rutschte ich am darauf folgenden Tag auf meinem Stuhl hin und her, als sich herausstellte, dass ein weiteres Treffen erst am übernächsten Tag möglich wäre. Ich übte mich natürlich in Geduld! Zwei Tage später fuhr ich für ein weiteres Treffen in die Stadt des Männleins. Doch schon als ich seine Wohnung betrat wirkte er sehr viel kühler und distanzierter auf mich als noch zwei Tage zuvor. Wir fanden zwar wiederum sehr schnell intensive Gesprächsthemen, doch blieb mir seine plötzliche emotionale Kälte kaum verborgen. Kein Erröten mehr. Kein Herzklopfen mehr, das ich noch über fünfhundert Meter hätte hören können. Etwas beschäftigte ihn sehr, doch als ich ihn darauf ansprach, meine er, es wäre zu kompliziert es mir zu sagen. Das war auch nicht nötig. Ich begriff sofort, dass die Sache, die eigentlich so schön begonnen hatte, in diesem Moment sein Ende gefunden hatte. Nur einen Reim konnte ich mir darauf nicht machen. Tief verletzt und mit gebrochenem Herzen fuhr ich in der Nacht nach Hause.

Ein längerer Emailverkehr am nächsten Morgen brachte zum Ausdruck, was er mir ins Gesicht zu sagen nicht imstande war. Der Kontext war folgender: Ich wäre eine ganz wunderbare, kluge und außergewöhnliche Frau, aber ich entspräche leider nicht seinem sehr ausgeprägten ästhetischen Empfinden. Kurz: mein Kopf ist schön, aber vom Kinn abwärts bin ich leider nicht zu ertragen.

Dazu möchte ich anmerken, dass ich meine Kurven und Rundungen besitzen mag, aber von „unästhetisch“ bin ich sicher noch meilenweit entfernt. Das Männlein hatte mal in einem Gespräch behauptet, eine Traumfrau wäre die Mitte zwischen der strunzdummen aber wunderschönen Tänzerin an der Stange, und der gebildeten, hochintelligenten aber fetten Schabracke. Nach seiner Abfuhr erkannte ich die Lüge. Was er wollte war die hochintelligente Stangentänzerin. Ich wünschte ihm viel Glück bei der Suche, denn die würde er so schnell wohl kaum finden. Und falls doch, würde sie das daumengroße Männlein wohl auslachen und ihn bitten wiederzukommen, wenn es ausgewachsen wäre.

Nun könnte man diese Erfahrung leichtfertig unter „Was für ein debiler Vollidiot!“ verbuchen, was auch die meisten meiner Freunde, in der Hoffnung mich damit zu trösten, getan haben. Mir fiel eine solche Kategorisierung aber nicht so leicht, denn nicht nur mein Herz war gebrochen, sondern ich war auch zutiefst gekränkt und verletzt. Es hat mein Herz mehr Kraft und Zeit gekostet den Vorfall zu überwinden, als mein Kopf dem Männlein hätte zugestehen wollen!

Seitdem ist viel Wasser den Rhein hinuntergeflossen. In der Zwischenzeit sind Dinge geschehen, die mein Herz weitaus mehr strapaziert haben, und so gerieten das Männlein und seine ästhetischen Vorstellungen irgendwann in Vergessenheit. Leider sieht es das Schicksal von Zeit zu Zeit vor, dass die Geister der Vergangenheit den Bespukten wieder einholen sollen.

Ich habe eine Freundin, der die Sonne geradezu aus dem Hintern scheint. Sie hat ein Selbstbewusstsein groß wie der Mount Everest, ohne dabei allerdings arrogant zu sein. Das wiederum verleiht ihr eine ungeheure Ausstrahlung und die Männer umschwärmen sie wie die Fliegen das Licht. Auch ihr sei die Anonymität gegönnt, weshalb wir sie „die Schöne“ nennen. Selbstverständlich hat auch sie schon negative Erfahrungen hinter sich, aber derzeit ist sie mit einem Sunnyboy liiert, den wir gerne als „ Surfboy“bezeichnen, auch wenn er gar keiner ist. Wie dem auch sei, es ist nicht leicht als Single mit ihr auszugehen. Sie ist zwar stets bemüht ihre ledigen Freundinnen verkuppeln zu können, merkt dabei aber nicht, dass kein Mann in ihrer Gegenwart noch Interesse an ihren Single-Freundinnen hat.

Wie es der Zufall so wollte lernte nun die Schöne auf einer Party einen Mann kennen, mit dem sie bald ins Gespräch kam und sich sehr gut verstand. Der kluge Leser wird es ahnen, der Mann entpuppte sich bald als das Männlein. Es dauerte ein paar Tage bis sie endlich begriff, warum ihr sein Gesicht bekannt vorkam. (Sie kannte ihn von einem Foto, das ich ihr gezeigt hatte.) Zu diesem Zeitpunkt hatte er bereits ihr Licht entdeckt und begonnen sich ebenfalls in eine Fliege zu verwandeln. Er erlag sogar der Feststellung, sie sei die schönste Frau der Welt.  Und was soll ich sagen, meine Prophezeiung hat sich natürlich bewahrheitet. Er hat die hochintelligente Stangentänzerin in den letzten zwei Jahren selbstverständlich nicht gefunden und irrt als trauriger Single durch die Welt. Er meint vielleicht sie nun in der Schönen gefunden zu haben, doch ist diese nicht nur liiert, sie ist auch der Meinung, dass er wohl erst noch mal auswachsen darf. Strike!

Blöd nur, dass der Schönen erst klar wurde, wen sie da kennengelernt hat, NACHDEM sie uns beide auf ihre Halloween-Party eingeladen hatte. Jetzt stehe ich vor dem Dilemma dieser Situation ins Auge zu sehen, oder sie einfach zu vermeiden. Dem fromme Wunsch der Schönen, ich möge doch bitte ganz cool dort auftauchen, dem Männlein vollkommen die kalte Schulter zeigen und ihm demonstrieren, dass er mir am Allerwertesten vorbei geht, werde ich wohl nicht entsprechen können, so gern ich es auch wollte. Auch wenn mein Interesse am Männlein völlig erloschen ist, bin ich in Anbetracht der Kränkung einfach nicht tough genug für ein derartiges Schauspiel. Ich bin mir auch nicht sicher, ob ich es mir ansehen möchte, wie die Schöne mal wieder auf der Sonnenseite steht, während ich im Schatten herumlungern darf (so lieb ich sie auch habe.) Andererseits liebe ich Halloween, freue mich auf mein grandioses Zombiekostüm (welches ich bereits am Samstag auf einer Party vorzeigen darf) und die Party der Schönen wäre eine tolle Gelegenheit alte Freunde wiederzusehen, die ich schon lang nicht mehr gesehen habe.

Doch hält mein Herz das aus? Ich bin ratlos. Wer einen ultimativen Tipp für mich hat, der möge jetzt reden, oder für immer schweigen.

Moderne Rebellen

Standard

Es gibt diese Tage, da komme ich trotz aller guten Vorsätze einfach nicht ins Bett. Dann bin ich akribisch mit Dingen beschäftigt, die ich unbedingt noch fertig kriegen möchte. Oft vergesse ich darüber einfach die Zeit und muss dann irgendwann erschrocken feststellen, dass es schon weit nach Mitternacht ist und ich eigentlich schon seit 2 Stunden schlafen sollte.

So auch Sonntagabend. Ich war damit beschäftigt meine ca. 500 Hörbücher und Hörspiele zu katalogisieren, zwischendurch noch duschen, Haare fönen, Katzenklo reinigen, usw.
Gegen viertel nach zwölf war ich dann endlich der Meinung alles Wichtige für den Tag erledigt zu haben. Ich stand gerade Zähne putzend im Bad, als aus dem Wohnzimmer altbekannte und lang nicht gehörte Töne zu mir drangen. Im WDR hatte zwischendurch der „Rockpalast“ angefangen und es dauerte ein paar Sekunden bis mir klar wurde, dass diese Töne von der Band „Wizo“ stammten. Noch im Bad stehend ging ich davon aus, dass man alte Archivaufnahmen rausgekramt hatte. Doch Pustekuchen! Als ich ins Wohnzimmer trat, stellte ich fest, dass Konzertmitschnitte des diesjährigen „Area 4“-Festivals gezeigt wurden. Es war mir völlig entgangen, dass Wizo gerade ein Comeback gefeiert hatten, und als dieser Sound jetzt wieder an meine Ohren drang, überschlugen sich meine Gedanken und Gefühle. Erinnerungen an rebellische Jugendtage stiegen in mein Bewusstsein, in denen man um jeden Preis anders sein, sich von der Masse und vor allem von den „spießigen“ Eltern abheben wollte. Punk war dafür seit seiner Erfindung ein besonders hilfreiches Stilmittel.

Wollte man es grob einteilen, so gab es auf unserem Schulhof zwei Lager. Die, die die Backstreet Boys und die, die Rock- und Punkmusik hörten. Die Alben „UUAARGH“ und „Herrenhandtasche“ von Wizo erfreuten sich in letzterem Lager eine Zeit lang besonderer Beliebtheit. So auch bei mir, denn ich gehörte natürlich ins Punkrock-Lager. Is ja klar!
Wizo und Konsorten schienen alle Ideale mit Füßen zu treten, die unseren Lehrern und Eltern heilig waren. Sie waren unangepasst, unflätig in ihrer Ausdrucksweise, schissen auf die Gesellschaft, die Politik und den Staat und sangen teils von Hass und Gewalt. Intolerant war Punk allerdings nie. Wenn jemandem Hass und Gewalt entgegen geschleudert wurde, dann traf es in erster Linie die Na.zi-Schweine. Auch in Bezug auf die unterschiedlichsten sexuellen Gesinnungen, waren die Punker oft toleranter, als es sogar unsere Eltern damals noch waren.

(Ich bin schwul, ich bin jüdisch
und ein Kommunist dazu
Ich bin schwarz und behindert,
doch genauso Mensch wie du
Ich bin hochintelligent
und doch so doof wie Sauerkraut
Ich bin schön, ich bin hässlich,
ich bin fett und gut gebaut
Es gibt nichts –
nichts was dich besser macht als mich
denn auch du hast deine Fehler,
deine Fehler so wie ich
und die Fehler sind nix falsches,
sie gehören zu dir und mir
und wenn du’s nicht auf die Reihe kriegst
kann niemand was dafür

Du bist einer von Milliarden
und das musst du akzeptier’n.
Du bist einer von Milliarden Ärschen auf der Welt )

Zugegebenermaßen waren die Botschaften aber damals eher zweitrangig. Es ging darum, dass die Musik Krach war, dass Worte wie „Ficken“, „Scheiße“, „Arsch“ gegrölt wurden und unsere Erziehungsberechtigten die Hände über dem Kopf zusammenschlugen.

Seitdem sind ein paar Jahre vergangen, unsere Ziele, Ideale und Wertvorstellungen haben sich verändert. Die Rebellen von damals sind heute längst selbst zu Spießern geworden. Der größte Teil von uns steht jeden Morgen in der Früh auf und geht einer geregelten Arbeit nach, wir planen Familien oder haben längst welche (außer man ist Ich!). Wir drücken uns gewählter aus, legen Wert auf einen gewissen Bildungsstand und sind wesentlich erfolgsorientierter, als wir es noch in der Schule waren.

Während ich das Konzert im TV verfolge, denke ich kurz darüber nach wer eigentlich das Publikum ist. Mein Gott, wie die Leute im Publikum abgehen! Mit Sicherheit stehen da noch einige Jungs und Mädels meiner Generation in der Menge, aber viele sind 16, 17 Jahre alt. So alt wie wir damals. Die meisten von denen wissen doch gar nicht mehr wer Wizo ist. Die Hochzeiten dieser Band endeten vor ungefähr zehn Jahren, da hatte dieses Publikum gerade die Grundschule abgeschlossen. Ob denen wohl klar ist, wen sie sich da gerade ansehen?
Mir ist es klar, und ich werde bei aller Freude und den Glücksgefühlen, die die Bässe in meine Adern und meinen Bauch hämmern plötzlich wehmütig.

Wie gern würde ich selbst da unten in der Menge stehen. Wie gern wäre ich noch mal rebellisch und unangepasst. Mein Puls steigt rasant, als ich diese Circle Pits und Moshpits sehe. Warum gehe ich eigentlich nicht mehr solche Konzerte? Weil ich zu alt bin? Weil ich die Musik nicht mehr mag? Michtnichten. Mir fehlt einfach die passende Begleitung. Wenn ich mich in meinem Freundeskreis umschaue, sind die weichgespülten Chartsfanatiker eindeutig in der Überzahl. Ich gebe gern zu, dass Sigur Rós und Tina Dico heute auch öfter mal auf meinem virtuellen Plattenteller rotieren, aber Rock- und Punkmusik lösen in mir noch immer die Begeisterung von damals aus.

Nur mein innerer Rebell scheint gestorben zu sein. Ich habe den Moment nicht mitbekommen in dem ich plötzlich die Kraftanstrengungen aufgab, die es erforderte, um gegen den Strom zu schwimmen. Längst lasse ich mich treiben und schwimme Flussabwärts, um am Ende in der gleichen Suppe zu landen wie alle anderen. Ich möchte noch einmal rebellisch sein, anders sein, dagegen sein. Noch einmal meinen Schuh in der moshenden Menge verlieren.

Und dann kam der Moment, der mir die Augen öffnete. Zwischen zwei Liedern trat Sänger Axel Kurth an den Rand der Bühne. Er sagte, es sei ihm wichtig zu vermitteln, dass Wizo auch eine Botschaft habe. Es gäbe natürlich Songs über Hass und Gewalt, aber das worauf es wirklich im Leben ankäme, das was wirklich cool sei, wäre Liebe und Freundschaft. Er möge zwar im nächsten Lied davon singen, dass er seiner Freundin den Kopf abschlagen will, aber eigentliche handele das Lied vorrangig von Freundschaft.  Haha, witzig, hab ich in Anbetracht des Textes von „Gute Freunde“ gedacht:

(Du, wir können doch gute Freunde bleiben, hat sie zu mir gesagt
Darauf hätt‘ ich ihr am liebsten ihren Schädel abgehackt
Du, wir können doch gute Freunde bleiben, war ihr Angebot
Und ich frage mich noch heute: Warum schlug ich sie nicht tot?)

Aber es scheint, dass selbst die Jungs von Wizo erwachsen geworden sind. Natürlich war dieser Song schon immer ironisch gemeint, aber heute können sie die Songs von damals nicht mehr unkommentiert spielen, ihre Texte von heute sind reflektierter, erwachsener und haben wahrscheinlich wirklich eine Botschaft.

Heute geistern Sido und Bushido durch die Charts. Sie sind nun für Songs über Hass und Gewalt zuständig. Die Frauenverachtung ist heute ein zusätzlicher Aspekt. Wizo halten mit ihrem neuen Song „Königin“ dagegen, der davon handelt, wie man seine Freundin, oder auch seinen Freund, wirklich behandeln sollte. Doch es ist ja nicht allein eine Frage von Musik. Man muss nur den Fernseher anschalten. Religionskriege, Selbstmordattentate, Bürgerunruhen, Krawalltalkshows, Rassenkonflikte, Armut und Hungersnöte, die der westlichen Wohlstandsgesellschaft schon längst am Arsch vorbei gehen, bestimmen unsere Nachrichten. Hass und Gewalt ist heute überall um uns herum. Man muss dafür eigentlich gar keine Nachrichten schauen. Es reicht oft schon sich umzusehen. Umzingelt von Nachbarschaftskriegen, Intoleranz und Diskussionsunfähigkeit sind Liebe und Freundschaft plötzlich zu raren Gütern geworden.In meiner Schulzeit war „Friede. Freude. Eierkuchen.“ gefühlsduselig und somit peinlich. Zumindest aus Sicht der damaligen Punks sind heute eher die peinlich, die jetzt auf Gangsta machen und es geil finden, wenn sie sich in ihren Ghettos gegenseitig die Zähne ausschlagen.

Heute sind die Rebellen die, die Liebe und Freundschaft für die wichtigste Grundlage zwischenmenschlicher Beziehungen halten. Man steht damit auf der anderen Seite. Mit Sicherheit sind wir damit dem Wunsch unserer Eltern und Lehrer wieder näher, aber gesamtgesellschaftlich ist Liebe eine rebellische Forderung. So gesehen hat sich für mich eigentlich doch nichts geändert. Ich habe mich weiterentwickelt und bin dadurch automatisch ein Rebell geblieben.

R.I.P. Gerlach Fiedler

Standard

Eine der außergewöhnlichsten Reibeisenstimmen Deutschlands ist von uns gegangen.

Gerlach Fiedler war vielen bekannt als das erste Krümmelmonster (es gab später noch andere) und wird in meinem Herzen für alle Zeit liebevoll der „Naja“-Mann genannt werden. In der Drei-Fragezeichen-Folge „Der Karpartenhund“ sagte er innerhalb von 1,5-2 Minuten gefühlte 100 Mal das Wort „Naja“. 😉

Gerlach Fiedler wurde 85 Jahre alt. Sprecherfans wie ich werden ihn schmerzlich vermissen!
Möge er in Frieden ruhen, wo er immer nun sein mag!

Geburtstag im Himmel

Standard

Heute ist Dein 35. Geburtstag.
Ich habe Dich besucht, um Dir zu gratulieren. Bin an den Ort gefahren, an dem Du Deine Geburtstage nun verbringst. Eigentlich ist es schön dort. Ein schattiges Plätzchen direkt unter einer schönen alten Buche. Viele Deiner Nachbarn sind Jahrzehnte älter als Du. Nur wenige sind jünger.

Ich konnte Dich zur Gratulation nicht in meine Arme schließen und Du konntest Dich auch nicht bei mir bedanken. Dennoch hatten wir einen Augenblick nur für uns allein. Du hast mich gehört und ich habe Dich gespürt. An meiner Seite. An meiner Seite, an der Du mich tagtäglich begleitest. Du bist immer bei mir. In den schönsten und auch den schwersten Momenten. Es gibt jetzt nichts mehr was ungesagt wäre. Du weißt, dass ich Dich liebe. Ich kann es Dir jetzt sagen. Wenn ich wollte jeden Tag. Das war nicht immer so. Es war immer kompliziert mit uns. Wir haben es uns selbst schwer gemacht und unsere wahren Gefühle viel zu lang in einem Schatzkästchen gehütet.  Zum Schluss war uns klar, was wir füreinander waren. Und doch sind wir jetzt wieder allein mit unseren Gefühlen, denn unsere Welten sind nun wirklich unvereinbar.
Es gibt diesen Moment zwischen Schlafen und Wachen, zwischen Traum und Realität, zwischen Glück und Trauer, in dem wir einander begegnen können. Ein kurzer Moment in dem wir den anderen spüren können und uns nicht mehr allein fühlen. Aber er ist wohl kaum je länger, als ein Wipernschlag dauert.

Es gibt Tage, da kommt es mir vor als hätten wir gestern noch miteinander geredet, miteinander gelacht, unsere Träume ausgetauscht. Da habe ich das Gefühl, Du wärst immer bei mir geblieben. Dann kann ich Deinen warmen Atem noch in meinem Nacken spüren und erinnere mich an den süßen Geschmack Deiner Lippen.
Und dann gibt es Tage, da kommt es mir vor, als war all das in einem ganz anderen Leben. Als wäre ich damals ein anderer Mensch gewesen. Dann sehe ich meine Erinnerungen nur noch durch Nebelschwaden.
Doch wenn ich mich sehr intensiv an Dich erinnere, an Deine Stimme, Dein Gesicht, Dein Lachen, Deine Art die Dinge positiv auszudrücken, indem Du Sie doppelt verneint hast, dann sehe ich meine Erinnerungen durch einen Tränenschleier.

Heute ist Dein 35. Geburtstag. Wo auch immer Du ihn jetzt feiern magst. Wer auch immer ihn jetzt da oben mit Dir feiert. Wir hier unten feiern den Jahrestag Deiner Geburt im Stillen. Ich hoffe, Du machst wenigstens ordentlich Party auf deinem Sternchen. Aber auch wenn Du ein Ehrengast bist, der an diesem Tag durch Abwesenheit glänzt, so ist der Tag Deiner Geburt doch ein Tag der Freude. Freude darüber, dass ich Dich kennenlernen durfte, dass ich ein Teil Deines Leben sein durfte. Freude darüber, dass Du mich geprägt und meine Welt bereichert hast.

Nichtsdestotrotz, es schmerzt. Du fehlst mir so sehr, dass ich es mit Worten nicht beschreiben kann.
Deine Seele feiert heute Ihren 35. Geburtstag. Dein Körper ist nur 33 Jahre und 33 Tage alt geworden.

Klatschmohn

Standard

Der Klatschmohn blüht im Weizenfeld
und auch am Wegesrande
Am liebsten wächst er frei und wild,
drum lebt er auf dem Lande

Man nennt ihn eine Blumenart,
doch ist er nicht geheuer.
Er hat ein rabenschwarzes Herz
und blüht so rot wie Feuer

Und einmal in der Sommernacht
hat ein Pirol gesungen.
Und als sein hübsches kleines Lied
soeben war verklungen,

da klatschte jemand laut zum Lob.
Ist das nicht sonderbar?
Es war doch niemand sonst zu sehn.
Ob es der Klatschmohn war?

Dieses schöne Gedicht lernte ich in meiner Kindheit von meiner Mama. Niemand scheint zu wissen, woher es kommt und wer es geschrieben hat. Stundenlange Bemühungen es zu googlen führten ins Nirvana, und zu nur EINEM anderen Menschen, der es ebenfalls aus seiner Kindheit kennt, und dem der Ursprung genauso unbekannt ist. Scheint mir ein typischer Fall von lyrischer Mundpropaganda zu sein.
Wie auch immer, ich liebe dieses Gedicht und noch viel mehr liebe ich die Blume von der es handelt. Sie wird immer eine meiner Lieblingsblumen bleiben!

An obrigem, von Klatschmohn gesäumten Weizenfeld, fahre ich tagtäglich vorbei.

In Memoriam

Standard
Peer Schmidt (11.03.1926 - 08.05.2010)

Peer Schmidt (11.03.1926 - 08.05.2010)

Heute starb der Schauspieler Peer Schmidt in Berlin.

Er hat nicht nur in vielen Filmen Jean-Paul Belmondo synchronisiert, nein, er hat für mich persönlich auch noch eine ganz besondere Bedeutung. Dank Peer Schmidt war Marlon Brando in der deutschen Fassung von Endstation Sehnsucht genau so perfekt, wie in der originalen. Auch wenn Peer Schmidt natürlich nicht ansatzweise so genuschelt hat, wie Marlon es immer tat. Sein berühmter „Stellaaaaaaaaaa“-Ruf war Brandos Originalversion verblüffend ähnlich und absolut ebenbürtig. Peer Schmidt war, neben Gert-Günther Hoffmann, in meinen Augen die passendste und perfekteste Brando-Stimme. Leider durfte er das in nur zwei Filmen unter Beweis stellen. (Hoffmann durfte sogar nur ein Mal ran. Ich persönlich mochte Helmut Krauss auf Brando nie! Und Harald Juhnke auch nicht! So!)

Schaut man sich die deutsche Version von Endstation Sehnsucht an, so muss man zugeben, dass die Synchronisation wahnsinnig schlecht ist. Sie ist nahezu nie Lippensynchron, auf Labiale wurde keine Rücksicht genommen, teilweise ist der deutsche Satz schon beendet, während die Schauspieler ganz offensichtlich noch weiterreden, oder auch umgekehrt. Kein Vergleich zu der Qualität heutiger Synchronisationen, in denen auf jede Kleinigkeit geachtet wird, damit die Illusion perfekt bleibt. Dennoch muss man Peer Schmidt, Marianne Kehlau und Carola Höhn für Ihre Sprecherleistung in Endstation Sehnsucht anerkennenden Respekt zollen. Sie trafen die Emotionen auf den Punkt. Sie sprachen nicht, sie spielten die Rollen mit aller schauspielerischen Leidenschaft!

Weitere Hörproben:

Nun ist Peer Schmidt im Alter von 84 Jahren (auch wenn jetzt fälschlicherweise alle 86 Jahre titeln) nach länger Krankheit gestorben. Mit ihm verließ der Letzte der Endstation Sehnsucht Riege (sowohl an Schauspielern, als auch die Sprechern) die große Bühne des Lebens.

Danke Peer für Deine tolle Stimme. Mögest Du in Frieden ruhen. Grüße mir Marlon auf seiner Wolke!

Was in Kinderhirnen manchmal so vor sich geht…

Standard

Manchmal geht das Leben schon ungewöhnliche Wege. Als ich diesen Blog eröffnete, war ich vor allem von der Angst getrieben, dass ich nicht wissen könnte, worüber ich schreiben soll, dass mir ganz schnell die Themen ausgehen könnten. Doch mittlerweile sprudelt es in meinem Kopf nur so vor Ideen. Ich weiß gar nicht, wann ich all das hier niederschreiben soll, was bisher schon so auf meiner Liste steht.

Vielleicht ist mein Blog ein wenig ungewöhnlich. Er widmet sich weder einem speziellen Thema, noch ähnelt er den anderen Blogs, die vorrangig als öffentliche Tagebücher fungieren. Auch haben meine Beiträge nicht die übliche Länge, sondern ufern nicht selten in halbe Romane aus. Dass dadurch ständig das Damokles-Schwert über mir hängt,  meine Leser abzuschrecken oder zu langweilen, ist mir bewusst.
Meine ursprüngliche Intention lag darin, mehr und mehr Schreiberfahrung zu erlangen und an meinem Schreibstil zu feilen. Das trifft auch noch immer zu, aber ich gebe zu, dass dieser Blog mittlerweile eher zu einer Spielwiese für mein unbändiges Mitteilungsbedürfnis geworden ist. Alles was mir irgendwie und irgendwann so durch den Kopf geht, erweckt in mir zeitgleich das Bedürfnis, es hier zu verewigen.

So findet auch mein momentaner Gedanke seinen Weg in dieses kleine Blöglein. Ich habe gerade, wohl zum fünfundzwanzigsten Mal, den wunderbaren Film „Meuterei auf der Bounty“ mit meinem geliebten Marlon Brando gesehen. Macht euch schon mal auf eine weitere endlose Liebeserklärung gefasst. 😉

Der Film spielt in den Jahren 1787-1790 und wurde 1962 gedreht. Und während ich gerade den Film genoss, erinnerte ich mich schmunzelnd daran, dass ich in meiner Kindheit, als ich weder Ahnung vom Leben noch vom Filmgeschäft hatte, immer glaubte, alle Filme seien in der Zeit gedreht worden in der sie spielen. Das führte gleichzeitig zu der Annahme, dass der Mensch schon seit ungefähr 500 Jahren Filme dreht. Seltsamerweise war mir dennoch bewusst, dass es sich um Schauspiel handelt. Als Kind habe ich die Serie „Unsere kleine Farm“ geliebt. Die Geschichte der Serie beginnt ca. im Jahre 1873 und wurde 1974-1983 gedreht. In der Zeit in der ich die Serie verfolgte, glaubte ich zwar nicht unbedingt sie wäre 1873 gedreht worden, weil mir gar nicht bewusst war, wann die Serie spielen sollte, sondern glaubte, dass man in Walnut Grove, Amerika, immer noch so rückständig lebt, sich mit Pferd und Wagen fortbewegt und zu Sechst auf 30m² lebt. Weiß der Henker, was damals in meinem Kopf vorging.
Dieser sehr lustige Gedanke erinnerte mich wiederum daran, dass auch mein Vater in seiner Kindheit einem sehr lustigen Irrglauben aufgesessen war. Immer wenn in einem Film jemand erschossen oder anderswie ermordet wurde, war er davon überzeugt, dass man für diese Rollen Verbrecher engagiert hatte, die eh die Todesstrafe hätten bekommen sollen, um diese dann vor der Kamera zu vollstrecken. Man hätte ja schlecht gute und unschuldige Menschen für einen Film erschießen können. 😀

Nun frage ich Euch:
Welchen seltsamen Irrglauben seid Ihr in Eurer Kindheit auf den Leim gegangen? Dabei ist es völlig egal, ob es sich auf Filme oder ganz andere Lebensbereiche bezieht. Wovon wart Ihr als Kind felsenfest überzeugt, von dem Ihr heute wisst, dass es absoluter Nonsens ist? Von Weihnachtsmann und Osterhase möchte ich hier allerdings nichts hören…
Ich freue mich sehr auf Eure Kommentare!!!

Werbe-Nostalgie | Von großen Stimmen und Ute, Schnute, Kasimir

Standard

Es gab mal eine Zeit, da habe ich tatsächlich noch gern Fernsehwerbung geschaut. Und das lag ganz und gar nicht daran, dass die Spots besser oder die Produkte toller gewesen wären. Das lag einzig daran, dass man sich nach jedem Spot auf einen kleinen Comic freuen konnte. Entweder mit den Mainzelmännchen oder mit Ute, Schnute, Kasimir. Letztere liebte ich besonders, weil Kasimir ja soooo ein Süßer war. Das waren noch Zeiten, als man das Gefühl hatte, es ginge gar nicht um die Werbung, sondern nur um kreative Programmgestaltung.

Im Rückblick sind jedoch die Spots dazwischen ziemlich befremdlich. Wenn ich sie heute sehe, kann ich mich sogar an einige von Ihnen wieder erinnern. Unglaublich, aber wahr. Meine All-Time-Favourite-Spots (hier leider nicht zu sehen) waren „Storck Schokoladenriesen bitte, Frau Lange“ und Werther’s Echte „Heute bin ich der Großvater“. Ich habe mich beim Ansehen gefragt, warum diese Spots heute so befremdlich und anders wirken und wo eigentlich genau der Unterschied liegt. Zum einen waren die meisten Spots wesentlich kürzer und prägnanter. Zum anderen, waren sie meist über ihre gesamte Länge von einem Sprecher dominiert, der jedes Produkt bis ins Detail erklärte. Heute wird eine knackige Musik unter die Bilder gemischt und vielleicht sagt am Ende noch jemand etwas zum Produkt. Fertig. Wenn heute gesprochen wird, dann sprechen die Darsteller des Spots einen eigenen Text (wenn auch oft synchronisiert), wie in einem kleinen Film. Damals gab es das zwar auch gelegentlich schon, war aber nicht unbedingt die Regel. Die Protagonisten gaben hier vorrangig ihre Gesichter oder andere Körperteile her. Die damaligen Spots waren, im Vergleich zu den heutigen, in der Tonabmischung eine Katastrophe. Nix mit Dolby Surround, Dolby Digital und Digital Remastered!

Anders lässt sich der Klangunterschied nicht erklären, denn es waren zu großen Teilen bereits damals die großartigen Sprecher am Werk, die wir heute noch in den Spots oder als Synchronsprecher hören. Man erkennt ihre Stimmen sofort und doch klingen sie so anders. Aber genießen wir doch gemeinsam: Lies den Rest dieses Beitrags

Brummsel?

Standard

Früher oder später stellt mir jeder der mich kennenlernt die Frage, warum eigentlich „Brummsel“.

Das ist die Brummsel

Das ist die Puddingbrummsel

Ich habe keine Modelmaße, bin aber auch nicht der fette Brummer den der Name vermuten lassen könnte. Und ja, ich bin mir auch darüber im Klaren was dabei herauskommt, wenn man das „r“ aus dem Namen streichen würde und kann mich mit dem Ergebnis in keinster Weise identifizieren.

Verantwortlich für diesen Spitznamen ist „Huck“, seines Zeichens mein bester Freund auf Erden und im bürgerlichen Leben mit dem schönen Namen Rasmus gesegnet. Eines Tages stellten wir nicht nur unsere gemeinsame Liebe zur Augsburger Puppenkiste fest, sondern auch unsere gemeinsame Liebe zur Katze mit Hut aus eben jener Puppenkiste. Nicht, dass nicht die gesamte Puppenkiste eine wahre Fülle an großartigen Figuren bereithalten würde. Seit ich denken kann bin ich „Schlupp vom grünen Stern“ verfallen, ja ich kann sogar das gesamte Schlupp-Lied auswendig singen. Wer diese Leistung nicht zu würdigen weiß, möge bitte selber versuchen es zu lernen: Schlupp-Lied

Dank dem Kater Mikesch, sind kleine Jungen in meiner Familie keine kleinen Jungen sondern „Oh, ein kleiner Bobbesch!“, welcher beim Kater Mikesch zwar ein kleiner Ziegenbock ist, aber das nehmen wir nicht so genau. Und damit was mir Jim Knopf und das Sams bedeuten, fange ich jetzt gar nicht erst an. Aber zurück zur Katze mit Hut. Die Katze mit Hut wohnt in einem kleinen Haus in Stakeln an der Kruke. Doch sie wohnt dort nicht allein. Ihre Mitbewohner sind das Dudelhuhn, Baby Hübner, das Schlaflama, der Zappergeck, Kapitän Knaak, der Stolpervogel und eben die Puddingbrummsel. Sie geht in der ganzen Geschichte ein wenig unter, denn sie tut den ganzen Tag nichts anderes als auf einem Puddingtopf zu sitzen und sich neue Puddingsorten auszudenken. Ungefähr so: „Schokoladenpudding brumms brumms (ja, ich weiß den gibt es schon, aber SIE hat ihn doch erfunden), Vanillepudding brumms brumms (ja ja), Erdbeer-Maripan-Pudding brumms brumms (Ha, den kanntet ihr noch nicht, was?), 43er-mit-Milch-Pudding brumms brumms (Oh nee, den hab ich wohl gerade erfunden) usw. usf.

Nun muss ich zugeben eine gewisse Schwäche für Pudding zu haben, besonders aber für diese kleine Puddingbrummsel. Und kaum, dass mein Huck (benannt nach Huckleberry Finn) das mitbekommen hatte, hatte ich meinen Namen auch schon weg. Den Pudding haben wir dann irgendwann weggelassen und so blieb die Brummsel. Seit ca. 4 Jahren bin ich jetzt schon fest mit diesem Namen verwachsen und man mag es nicht glauben, aber es gibt Leute, die mich tatsächlich mit großen Augen anstarren und fragen: „Heißt Du wirklich Brummsel?“ Und dann sage ich: „Na klar. So wurde ich getauft. Brummsel, Brummsel K…!“