Archiv der Kategorie: sinniert

Signale

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Im Idealfall beginnt eine Beziehung damit, dass sich zwei Menschen ineinander verlieben. Beide jeweils in den anderen. Verliebt sich nur einer, führt das in der Regel zu nichts. Es besteht jedoch eine Notwendigkeit darin, den anderen auch wissen zu lassen, dass man in ihm oder ihr den Hauptgewinn entdeckt zu haben glaubt. Nur dann hat der andere die Möglichkeit einzuräumen, dass er genauso denkt. Um sich aber nicht in die Nesseln zu setzen, geht man nicht hin und teilt dem Angebeteten platt mit, wie scharf man auf ihn ist. Stattdessen werden vorsichtige Signale gesendet. Ungefähr an diesem Punkt setzt für mich die völlige Verwirrung ein.

Es ist ja nicht so, dass in meinem langen Singledasein nicht der ein oder andere Mann meinen Lebensweg gekreuzt hätte, der eventuell ein Partner hätte werden können. Auch Signale gab es jede Menge. Signale, die mich manchmal haben deuten lassen, dass ein tiefergehendes Interesse bestünde.
Es gab Männer, die nicht in der Lage waren, ihren Blick von mir abzuwenden. Es gab Männer, die regelmäßig und intensiv Kontakt zu mir suchten. Es gab Männer, die in meiner Gegenwart nervös wurden. Es gab Männer, die mir offensive Komplimente machten. Für manche Männer war ich eine schöne Frau, für andere eine tolle, oder eine intelligente, oder eine mit einem traumhaften Lachen. Manche fanden mich hübsch, andere sexy oder scharf. Manche mochten meine Mimik und Gestik. Einigen gefiel mein Humor. All diese Dinge wurden tatsächlich so direkt gesagt oder geschrieben. Es hat nur selten etwas bedeutet!

Ging ich auf die Signale ein, bekam ich dann folgendes zu hören:
– Ja, ich habe ja auch gern Kontakt zu dir, aber mehr auch nicht. – Jemanden schön, oder toll, oder klug, oder interessant zu finden, bedeutet noch lange nicht, dass man mit demjenigen auch zusammen sein möchte. – Eigentlich war es doch nur freundschaftlich gemeint. – Ich war doch einfach nur nett. – Du bist ja auch toll, aber nicht perfekt genug für mich. – Du weißt aber schon, dass ich liiert bin? – Es gehört zu meinem Job mit dir zu flirten (Barkeeperphänomen).
Und selbst ein Kuss bedeutet mittlerweile überhaupt nichts mehr. Küsse sind offenbar zu einer bedeutungslosen Freizeitbeschäftigung geworden.

Ich stehe mit diesen Erfahrungen nicht allein da. Ähnliches haben fast alle Frauen in meinem Freundeskreis schon erlebt. Eine Freundin hatte sogar über Wochen ein ziemlich intimes Verhältnis mit einem Mann. Man teilte den Humor, die Interessen und selbst im Bett ging es heiß her. Von seiner Seite aus hieß das natürlich rein gar nichts. Ganz schön bescheuert von ihr das zu glauben, was? Wer jetzt glaubt, dass dieser Typ grundsätzlich durch die Betten irgendwelcher Frauen springt, der irrt. Er war tatsächlich auf der Suche nach einer passenden Frau, die er kurze Zeit später auch fand. Egal wie gut es mit meiner Freundin lief, letztenendes hatte sie eben einfach die falsche Haarfarbe.

Doch wenn all diese Signale offenbar nichts bedeuten, was bedeutet dann überhaupt noch etwas? Woran erkennt man ehrliches Interesse? Und wann muss man befürchten, dass man eben doch nur  eine interessante Bekanntschaft ist? Ich werde daraus nicht mehr schlau.

Solltet ihr die Antwort schon gefunden haben, dann immer her damit. In meinem Freundeskreis würden sich so einige darüber freuen.

Torfköpfe

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Mit geschlossenen Augen geht ihr durch die Welt.
Ihr seid blind für das, was sie zu bieten hat und womit sie euch bereichert. Ihr habt keinen Sinn für ihre Schönheit.
Ihr seht nicht, ihr hört nicht, ihr fühlt nicht.

Ihr habt kein Gefühl für die Schönheit von Worten und Sprache. Ein Gedicht berührt euch nicht. Stattdessen reißt ihr kindische Zoten über das Wort „Busen“.
Wenn ihr ein Lied hört, kommt seine Botschaft nie bei euch an. Die Genialität einer Komposition verlangt euch keinen Respekt ab. Eine Geige erreicht niemals euer Herz, aber ein elektronischer Beat wird erträglich mit der richtigen Pille.

In einem Insekt seht ihr ein Ungeziefer, habt aber kein Auge für die Schönheit seiner Schöpfung. Jeder Vogel, jedes Reptil, sogar eine menschliche Hand ist mit einer Perfektion konstruiert, vor der ihr schon lange keine Ehrfurcht mehr habt.
Es ist für euch kein Wunder mehr, wenn die Abendsonne einen grauen Felsen in leuchtendes Rot taucht, wenn ihr einen seltenen Blick auf einen Marienkäfer erhaschen könnt, der gerade eine Blattlaus verspeist.

Ihr habt den Planeten erobert, Wälder gerodet, Flüsse verlegt oder ausgetrocknet, Straßen gebaut und ihr wundert und beschwert euch, wenn Tiere in eure Gärten und Häuser eindringen, weil ihr sie ihrer Lebensräume beraubt habt. Ihr müsst noch das letzte Vogelnest unter Eurer Dachrinne demontieren. Ihr glaubt, die Welt gehört euch allein. Ihr teilt nichts mit niemanden!

Ihr seht nichts, wenn ihr durch ein Teleskop auf die Sterne schaut, ihr hört nicht das Rauschen des Meeres, ihr fühlt nicht den Wind auf eurer Haut.

Ihr lacht über Fürze und reißt unflätige Witze. Ihr ergötzt euch am Leid anderer. Ihr streckt eure Hände nicht aus um Ärmeren oder Schwächeren zu helfen. Ihr habt kein offenes Ohr für das Leid und den Schmerz anderer. Nichts geht euch etwas an. Ihr hört keine Unter- und Zwischentöne, nicht Freude oder Leid in einer Stimme. Kein Zittern, kein Beben.

Ihr vögelt, aber ihr liebt nicht! Ihr schlaft, aber ihr träumt nicht! Ihr esst, aber ihr schmeckt nicht! Ihr trennt euch, aber ihr bindet euch nicht! Ihr reist, aber ihr kommt niemals irgendwo an!

Was ihr lest, wenn ihr lest, und im Fernsehen seht, nehmt ihr widerstandslos hin. Ihr hinterfragt nicht. Ihr seid zu müde zum denken oder gar auf die Barrikaden zu gehen. Ihr schlaft im Laufen ein. Im Denken auch!
Ihr seid egoistisch. Ihr seid einsam und merkt es nicht.

Ihr kauft, was billig ist, auch wenn andere dafür verhungern müssen. Ihr habt keine netten Worte, kein Lächeln für andere. Ihr mäkelt und moppert und meckert und überdramatisiert, wenn es keinen Grund gibt. Gibt es einen, fallt ihr ins geistige Koma.
Ihr seid Sozialautisten und Gefühlslegastheniker. Ihr wisst nicht was Empathie bedeutet. Ihr habt Logorrhoe und tourettiert über Menschen, die anders sind. Ihr erwartet Perfektion und seid selbst unvollkommen.

Ihr beleidigt und ekelt euch vor schwulen Männern und wollt abends eurer Freundin am liebsten an den Arsch. Ihr seid genervt von Kindern und alten Menschen, denn ihr vergesst, dass ihr Kinder wart und alt sein werdet.
Ihr seid käuflich, aber nicht spendabel. Oberflächlich. Ohne Tiefgang.

Ihr wollt verhätschelt und vertätschelt und gefragt werden, wie es euch geht, doch andere fragt ihr nie danach. Ihr habt was gegen sämtliche Ausländer, doch habt ihr zu eurer eigenen Nationalität nichts beigetragen. Ihr habt Vorurteile über Vorurteile, passt selbst aber am besten in eine Schublade.

Euer Herz ist kalt, eure Arme geschlossen, euer Blick kurzsichtig und getrübt.
Mit geschlossenen Augen geht ihr durch die Welt.
Ich mag euch nicht, IHR TORFKÖPFE!!

Unvorstellbare Dimensionen

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Ich bin eine absolute mathematische Nulpe. Ich habe keinerlei Gespür für Zahlen. Kein Gefühl dafür, wie groß oder klein ein gewisser Geldbetrag ist, oder dafür, ob eine bestimmte Anzahl an Jahren eher lang oder kurz ist. Natürlich besitze ich einen gewissen subjektiven Sinn für diese Dinge, aber grundsätzlich sind Zahlen für mich böhmische Dörfer. Genaugenommen beherrsche ich nicht einmal das Ein mal Eins so gut, wie man es eigentlich können sollte. Und ich bin Kauffrau. Witzig, oder?

Aber es gibt zahlentechnische Dimensionen, die so gewaltig sind, dass sie sich nicht einmal ein durchschnittlich mathematisch begabter Mensch vorstellen kann.
Erst gestern haben wir im Büro diskutiert, was wir wohl mit dem 21 Mio. Lottogewinn gemacht hätten. Zunächst klang der Betrag noch relativ schnell aufbrauchbar, aber als wir uns Gedanken darüber machten, dass das monatlich 30.000 € an Zinsen bedeuten würde, kamen wir doch recht schnell an den Rand unserer persönlichen Vorstellungskräfte.
Heute morgen wurde mein Hirn noch weiter strapaziert. Unser Betrieb nahm kürzlich Reparaturarbeiten an der zweitgrößten Privatyacht der Welt vor. Sie gehört dem Sultan von Oman und ist 155 Meter lang (man sagte mir, das sei seeeehr lang). In Millionärskreisen ist der Besitz einer Yacht das Nonplusultra und es gilt die Faustregel „mindestens 1 Mio. USD pro Meter“. Als ich mir dann noch anschaute, was der Sultan sonst noch alles so besitzt (siehe hier), stockte mir der Atem. So viel Geld ist einfach nicht mehr vorstellbar.

Eigentlich will ich aber auf eine ganz andere Dimension hinaus, die ebenso wenig vorstellbar ist. So unvorstellbar, dass sich mir der Magen umdreht. Im Zuge der aktuellen Castor-Proteste klärte mich das Radio heute über folgenden Umstand auf:
Wir haben in den letzten Jahren eine dermaßen große Menge an Atommüll produziert, dass es 40.000 GENERATIONEN lang dauern wird, bis sich der in Gorleben oder sonstwo gelagerte Müll endgültig abgebaut hat. Wir reden nicht von 40.000 Jahren, sondern von Generationen! Wer sich das genauso wenig vorstellen kann wie ich, der möge sich kurz vor Augen halten, dass der Beginn unserer Zeitrechnung, also die Zeit um Christi Geburt, gerade einmal 80 Generationen zurück liegt. 40.000 zukünftige Generationen müssen sich mit diesem Abfall rumplagen. Das ist aber noch das kleinste Problem, denn wie macht man unseren Urururururenkeln klar, welch Ei wir da in ihrer Erde versteckt haben? Wie verhindert man, dass Gorleben und die anderen Endlager in Vergessenheit geraten und zukünftige Generationen an besagten Stellen auf die Idee kommen nach Öl oder anderen Bodenschätzen zu suchen?
Wer glaubt, man könne das Wissen um die Endlager weitervererben, der irrt gewaltig. Es ist kaum 200 Jahre her, dass der Mensch es geschafft hat, die ägyptischen Hieroglyphen zu entziffern. Aber seit es die Hieroglyphen gibt, lebten immer Menschen in Ägypten, von denen Jahrhunderte lang auch niemand mehr wusste, wie diese zu lesen sind.
Schon in 20 Generationen, also in ca.  600 Jahren wird es auf der Erde völlig andere Technologien geben, völlig andere Sicherheitsbestimmungen, völlig neue Probleme, die zu beseitigen sein werden. Niemand wird die Menschen vor den Atommüll-Endlagern warnen können. Unser Wissen um dieses Problem wird langsam aber sicher mit uns aussterben.

40.000 Generationen! Aber wenn alles gut geht fliegt uns dieser Laden, den wir Erde nennen, hoffentlich schon sehr viel früher um die Ohren.

Kleine Halloween-Nachlese

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So, Halloween ist vorbei, aber es wirkt noch kräftig nach.
Was nach der Samstags-Party noch kein Probelm darstellte, entpuppte sich nach Sonntag als ein kleiner Alptraum.
Die großen Narben auf der Stirn und der Wange bestanden aus angeklebtem Wachs. Da die Sonntags-Party bis in die frühen Morgenstunden andauerte, hatte ich diesen fiesen Kleber letztendlich gute 12 Stunden auf dem Gesicht. Das mochte meine Haut gar nicht. Es ging los mit großen roten Pusteln an genau den Stellen, an denen zuvor der Kleber war. Sämtliche Versuche der Selbstbehandlung mit Wund- und Heilsalbe schlugen fehl, auch eine Spezialsalbe aus der Apotheke half nur bedingt. So verschlechterte sich mein Zustand so rapide, dass am Mittwoch mein halber Kopf auf Melonengröße angeschwollen war, mein linkes Auge konnte ich gar nicht mehr öffnen und sogar mein Hals war so stark angeschwollen, dass ich schon um Luft ringen musste. Um einen verspäteten anaphylaktischen Schock zu verhindern, hat mir dann mein Arzt die volle Dröhnung verpasst: Cortison zu Einnehmen, Cortison zum Einreiben und Antiallergikum.
Mein Gesicht ist jetzt zwar nicht mehr geschwollen, aber meine Haut ist nun wirklich zombieähnlich. Die Verletzungen die am Wochenende noch geschminkt waren, sind jetzt beinahe echt, und ich bete inständig, dass nicht wirklich Narben zurückbleiben. Ich hab ein bisschen Angst davor.  Wie ärgerlich, wenn einem der große Spaß im Nachhinein so verhagelt wird!

Doch dieser Blog hieße nicht „Herzbrei und Gefühlssuppe“ wenn es hier nicht eigentlich genau darum gehen sollte. Kommen wir also zum Punkt.

In meinem heutigen Zustand wäre es mir wohl kaum möglich, Komplimente von außerhalb in mich aufzusaugen und mich in mein eigenes Spiegelbild zu verlieben. Zum Glück war das am Wochenende noch ganz anders und so kam es zu einer sehr speziellen Begegnung mit dem Männlein, die ich versuche so kurz wie möglich wiederzugeben.

Etwas verunsichert traf ich auf der Party „der Schönen“ ein, aber ich hatte Vorlaufzeit um mich einzugewöhnen, denn das Männlein war noch nicht da. Es tauchte auf, als ich schon gar nicht mehr mit ihm rechnete und wurde von mir keines Blickes gewürdigt. Zumindest nicht so, dass er es mitbekommen hätte. Umgekehrt konnte man das nicht gerade behaupten. Verunsichert beobachtete er, wie sein begleitender Freund meine Maskerade lobte, während er selbst wie ein Häuflein Elend im Hintergrund rumlungerte. Es dauerte nicht lang, bis er sich gegenüber der Schönen enttäuscht darüber äußerte, dass ich ihn ja völlig ignorieren würde. Mitleid erntete er dafür aber nicht von ihr. So schlich er circa vier Stunden um mich herum, bis wir irgendwann am Lagerfeuer im Garten aufeinander trafen, wo wir uns beide eine Zigarette gönnten. Zwischen uns endloses Schweigen. Aber es standen ja auch noch andere Leute drumherum. So auch die Schöne, die irgendwann unvermittelt meinte: „Ihr kennt euch, oder?“

Das war sein Stichwort. Sein Stichwort, um endlich NICHT zum Punkt zu kommen. Ich versuche einen Monolog, der in dieser Variante ungefähr und ungelogen zwanzig Minuten dauerte, abzukürzen: „Ach. Ach jee. Oh Gott. Brummsel ( er sagte stattdessen natürlich meinen echten Namen)… was soll ich sagen… ich kann nicht… Das ist so… was kann man… was soll man… ach Brummsel… ich bin so…. überwältigt… man kann gar nicht… ach Brummsel… das ist so… Was macht man da?… wie soll ich…“ So ließ ich ihn stammeln und verharrte in Stillschweigen. Irgendwann konnte ich dann doch nicht mehr an mich halten und musste mal kurz genervt dazwischen fragen: „Sag mal, wird das heute noch mal zu irgendwas führen, oder soll ich mir den tieferen Sinn dieser gehaltvollen Aussagen selbst zusammen reimen?“
Stutzen! Weiteres Stammeln! Unter gefühlter 250-facher Aussage meines Names, erstammelte er mir, wie überwältigt er davon sei, mich noch einmal wiederzusehen und die Gelegenheit zu haben, mir zu erklären, wie es in ihm aussähe. Ich musste mehrfach fragen, warum er diese Gelegenheit denn dann nicht auch endlich mal ergreift.

Je länger er stammelte (ich muss ihm zu Gute halten, dass sein Alkoholpegel zu diesem Zeitpunkt schon sehr beachtlich war), desto größer wurde mein Selbstbewusstsein. Er schien tief getroffen zu sein, als ich ihn fragte, warum er noch immer genau so eine Wurst sei, wie er es vor schon zwei Jahren war. Wie es sein kann, dass einer mit so breiter, stolzer Brust durch die Weltgeschichte stolziert, aber dann einfach nicht in der Lage ist, mal drei klare Sätze zu formulieren? Wie einer seine harten Worte nur über die Lippen bringt, wenn er sich hinter einer Email verstecken kann, aber von Angesicht zu Angesicht gerade mal zum Wackelpudding taugt? Und je mehr er körperlich zusammensackte, desto mehr richtete sich meine Wirbelsäule auf. Was für ein unglaublich gutes, lang nicht mehr erlebtes Gefühl! Ich lache noch heute!

Meine Freunde, die dieses Spektakel bezeugen durften, waren sich natürlich letztendlich alle einig, dass es sich bei dem Männlein um einen unglaublichen Schwätzer handelt. Und sie haben damit vermutlich extrem recht. Andererseits muss ich gestehen, dass ich ihn sich ziemlich lange habe erklären lassen. Und es kam dabei so einiges über seine Lippen, das ich dann doch nicht mehr erwartet hätte. Ich lachte ziemlich laut auf, als er behauptete, sein Herz wäre damals gebrochen gewesen und er habe zum ersten Mal seit langem wieder geweint. Warum hat er bitte geweint? Womit sollte ich ihn bitte verletzt haben? Er beteuerte einen großen Fehler gemacht zu haben und als ich ihn damit konfrontierte, was er mir damals alles um die Ohren geworfen hat, schämte er sich sehr für seine Worte. Er hätte nach mir nie wieder eine so tolle und seelenverwandte Frau getroffen. Eigentlich müssten wir jetzt knutschend auf einer Bank sitzen. Er wünschte so sehr, ich würde ihn nicht mehr hassen und er könnte noch einmal von vorn anfangen. Ich sagte ihm, dass ich ihn nicht hasse. Ein derart inniges Gefühl könne ich für ihn gar nicht erübrigen. Und wieder sackte er zusammen. Aber das hielt ihn nicht davon ab, mir Komplimente zu machen.
Es soll Frauen geben, die Männer nicht mehr ernst nehmen können, wenn ein Mann vor ihnen im Staub kriecht. Das hat berechtigte Gründe. Aber wenn man nur selten Komplimente von Männern hört, die einem mal gefallen haben, oder gefallen könnten, oder in gewissen Punkten passen könnten, und wenn man sich jahrelang mit einem einsamen Herzen durch die Weltgeschichte schlägt, dann läuft man schnell Gefahr, dass diese Komplimente auf fruchtbaren Boden fallen. Also war ich jetzt erstmal damit beschäftigt, mich innerlich zu wappnen. Wie könnte ich mich jemals wieder auf einen Mann einlassen, der mir mal das Gefühl gegeben hat, äußerlich eher abstoßend zu sein? Auch wenn er diese Aussage jetzt noch so sehr revidiert.

Es gab eine Situation in der ich in Decken eingehüllt am Lagerfeuer stand. Da die Decken in diversen Lagen um meinen Körper drapiert waren, würde ich es nicht beschwören wollen, aber ich bin mir dennoch sicher, dass er auf einem Stuhl neben mir sitzend, eine sehr lange Zeit lang meinen Rücken gestreichelt hat. Äußerlich ließ ich mir das nicht anmerken und würdigte ihn währenddessen keines Blickes, innerlich wünschte ich mir, dass exakt diese Situation von anderen Umständen begleitet wäre. Es war fünf Uhr morgens, als er vor anderen Partygästen, die uns nicht kannten, behauptete, er wäre mein Freund. Ein „Ja, klaaaaaar!“ und stark verdehte Augen waren meine Antwort.

Ich hab ihn den ganzen Abend mit einer derart kalten Schulter abgewiesen, dass nun er derjenige sein mag, der verletzt in seinem Kämmerlein hockt. Ich sollte mich freuen! Ich sollte weiter lachen und mein neu erworbenes Selbstbewusstsein stolz durch die Gegend tragen. Und irgendwie tue ich das auch. Es gibt da ein inneres Gefühl, dass mir sagt, dass man mir so schnell nichts mehr anhaben kann. Es gibt da ein Gefühl, dass viel mehr in mehr steckt, als ich je von mir erwarte hätte.
Aber es fühlt sich auch an wie ein Déjà-Vú. Ein Déjà-Vú vieler verpasster Chancen und vieler, vieler Männer, die mich einst schroff abgebügelt oder ersetzt haben und Jahre später wieder auftauchen und ihre verpasste Chance mir gegenüber bedauern. Dann, wenn alles bereits zerstört ist. Wie ein roter Faden zieht sich das durch mein Leben. Ich könnte locker 15 derartige Geschichten erzählen. Sogar mein Exfreund taucht just in diesen Tagen mit ganz ähnlichen Tendenzen wieder auf. Nur ist diese Geschichte die erste, in der ich die Chance nutzte, die kalte Schulte Jahre später zu erwidern. Ich sollte richtig glücklich sein!

Warum nur bin ich es nicht?

Synapsen-Autobahn, letzte Ausfahrt (2)

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  1. Ich liebe diese Tage voller Sonnenschein und wonnig guter Laue, an denen ich durchgehend singen und tanzen könnte. Aber es ist furchtbar, wenn man dann im Büro hockt, wo man nicht singen und nicht tanzen kann.
  2. Ist euch mal aufgefallen, wie diskriminierend es ist, ein weibliches Nutztier zu sein? Du wirst ständig als Gebärmaschine missbraucht. Dann werden dir deine Babys geklaut, um gefressen zu werden. Oder man vergast deinen männlichen Nachwuchs, weil er später als Gebärmaschine ja nicht zu gebrauchen ist. Wahlweise schließt man deine Brüste auch regelmäßig an eine Maschine an, um ihr die Milch auszusaugen, die eigentlich für dein Baby bestimmt gewesen wäre, hätte man es dir nicht entrissen, um es zu fressen. Wir brauchen einen Kämpfer für die Emanzipation der Tiere.
  3. Wie blöd, dass Südafrika aus der WM ausgeschieden ist. Ich werde die dauernden  „Tshabalala“-Rufe sehr vermissen, die ich ständig als Jubelschreie des Kommentators missinterpretiert habe!
  4. Es dauert nicht mehr lang, bis ich vollständige Autarkie erreicht habe. Mir fällt so langsam nicht mehr viel ein, für das ich noch einen Mann „brauchen“ würde. Nach acht Jahren die ich jetzt alleine lebe, gibt es kaum noch etwas, das ich nicht selber könnte (Na guuut, von einer Sache mal abgesehen). Gestern habe ich sogar meinen Rechner formatiert und ihn auch vollständig wiederhergestellt. Warum? Um das zu retten, was ein Mann einst verdarb. (Jetzt kann ich endlich wieder meinen iPod synchronisieren und anfangen meine Synchronsprecher-Datenbank wiederherzustellen. Maahaann, ich will jetzt tanzen!) Wenn ich mir jetzt noch selbst den Rücken kraulen könnte, wäre ich ein menschliches Perpetuum Mobile.
  5. Umfrage: Angenommen, ich würde ein Live-Hörspiel schreiben, wozu würdet ihr mir raten? Was lustiges, was gruseliges, was verrücktes, was dramatisches, was trauriges?
  6. Wer mag mir meinen Traum von letzter Nacht interpretieren? Mein „Traummann“ (dessen Identität ich hier nicht lüften werde), steht plötzlich vor meiner Tür, betritt meine Wohnung (war nicht meine echte) und will auch nicht mehr gehen. Ich will ihm unbedingt gefallen, weiß aber nicht, wie ich das bewerkstelligen soll, weil ich im Schlafanzug da sitze, Zähne nicht geputzt, Haare zerzaust, ungeschminkt. Eine Gelegenheit diesen furchtbaren Zustand zu ändern gibt es nicht, weil er mich unentwegt zuquatscht (was eigentlich gut ist, da ich besonders seine Stimme liebe ;). Nebenbei wirft mein Kater, wie ein Salamander in Not, seinen Schwanz ab. Hr. Doktor, ist da noch was zu retten?
  7. Ich brauche unbedingt Lesenachschub, aber ich habe Angst, dass ich Konkurs anmelden muss, wenn ich wieder die Mayersche betrete.
  8. Wenn man 5 Tage lang an einer halbseitigen Kurzgeschichte arbeitet, sollte man dann den Wunsch ein Buch zu schreiben besser über Bord werfen?
  9. Woran merkt man, dass man in einem bescheuerten Kleinstadtkaff wohnt? Weder die VHS noch andere Einrichtungen, bieten Kurse für „Schwedisch“ oder „Kreatives Schreiben“ an. Jävla skiit!
  10. Und weil ich hier nicht singen und tanzen kann, bitte ich Euch, es für mich zu übernehmen. Hier mein Lieblingshit des diesjährigen Grand-Prix, der es leider nicht bis ins Finale geschafft hat, der bei mir aber momentan auf Heavy-Rotation läuft!

PS: Neue Waisendinger sind in Arbeit!!

An Tagen wie diesen…

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Immer wenn ich gerade sehr unzufrieden bin, baue ich Luftschlösser und gebe mich Illusionen hin.
Zum Beispiel darüber, was ich viel lieber wäre (die Reihenfolge lässt keine Rückschlüsse auf die Größe des Wunsches zu):

  • Autorin
  • Synchronsprecherin
  • Sängerin / Songwriterin (sorry, talentbefreit)
  • Studentin (wer jetzt BWL vorschlägt wird standesrechtlich mit dem HGB erschlagen)
  • Schafhüterin in Neuseeland
  • Psychotherapeutin
  • Kriminalpsychologin
  • Besitzerin eines Literaturcafés
  • vergeben
  • in Berlin, London oder Neuseeland wohnhaft
  • die Erfinderin der krümellosen Brotsuppe
  • Aktivistin bei Greenpeace, Peta oder irgendwem der Tiere aus Käfigen befreit
  • acht Fremdsprachen mächtig (Englisch, Schwedisch, Französisch, Spanisch, Portugiesisch, Isländisch, Italienisch, Mandarin)
  • Kontorsionistin (neee, ich kann nicht mal Spagat)
  • Besitzerin einer Wohnung mit Balkon und Extra-chill-out-Zimmer für mich und meine Kater
  • Radiomoderatorin
  • entschlossen und zielstrebig!

Die Zwickmühle, Teil 2

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Meine drei Stammleser der ersten Stunde, werden sich an mein vor einiger Zeit geschildertes Problem erinnern.
Am Samstag, den 29.Mai, stehe ich vor der schweren Entscheidung: Simon und David oder Lena?

Ehrlich gesagt, werde ich langsam immer hibbeliger und immer heißer auf den Grand-Prix. Besonders jetzt, wo es auch noch Oslog.tv gibt. Einen derart heiß gehandelten deutschen Beitrag nicht live, also live vor dem Fernseher, zu sehen, wäre schon irgendwie ärgerlich.
Andererseits höre ich gerade mal wieder ein Hörbuch mit Simon Jäger. Eine derart heiße Stimme nicht endlich live, also live und zwei Meter von mir entfernt, zu hören, wäre ebenfalls sehr ärgerlich.

Aber die Entscheidung ist gefallen und ihr habt mir dabei sehr geholfen. In meiner Umfrage habt ihr mit 4 zu 2 für Simon und David gestimmt. Vor allem aber, habt ihr diese Entscheidung in den Kommentaren sehr gut begründet.
Darum heißt es jetzt am Samstag:

Mein Plan sieht folgendermaßen aus. Während ich mich in Köln noch ein bisschen mehr „verliebe“, läuft zu Hause mein Videorekorder (jaaa, ich bin noch von vorgestern) auf Hochtouren. Da der Grand-Prix für seine Überlänge bekannt ist, komme ich ja sogar vielleicht noch rechtzeitig zur Entscheidung nach Hause. Auf jeden Fall, werde ich mir die Aufzeichung noch am gleichen Abend ansehen und mir einbilden, es wäre live. (Markus, ich danke von Herzen für Dein tolles Angebot, aber ich kann leider nicht warten, bis das VVV-Wochenende vorrüber ist.)

Jetzt bleibt nur noch ein Problem: Ich habe zwei Karten für die Prima Vista Lesung, aber noch keine Begleitung!!!

Ja, diese Aussage ist durchaus als Aufruf zu verstehen. Wer also ebenfalls bereit wäre auf Lena zu verzichten, und ebenfalls Interesse an den wunderbaren Stimmen von Johnny Depp und Heath Ledger hat, darf jetzt „Hier!“ schreien.
Ich gehe nicht davon aus, dass der Andrang besonders groß sein wird, zumal dieser Samstag sehr viele Alternativen bereithält: Grand-Prix, „Verliebt. Verlobt. Verlassen!“, Klitschko-Kampf auf Schalke…
Wahrscheinlich wird es eher so sein, dass ich am Ende bei irgendjemandem betteln muss, mich doch bitte nicht allein fahren zu lassen. Sollte jedoch mehr als eine Person scharf darauf sein, mit mir nach Kölle zu düsen, bekommt die Person die Karte, die mir am besten begründen kann, warum sie die zweite Karte unbedingt haben muss!

Kloppt Euch…

About Hollywood, bäd englisch and small penises

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Auch wenn ich früher oft über ihn geschimpft habe, so fehlt er mir doch sehr, mein alter Job. Doch mit ihren unbarmherzigen dürren Fingern, riss ihn sich die Wirtschaftskrise unter den Nagel. Was sie mit ihm (und den Jobs vieler anderer Leute) angestellt hat, vermag ich nicht zu sagen. Aber vielleicht kommt ja nach der Inflation in Robin-Hood-Manier ein Wirtschaftswunder daher, und gibt den Armen und Schwachen das Diebesgut endlich wieder zurück.

Nachdem ich acht Monate lang Zeit hatte, die vielen dazugewonnen überflüssigen Stunden des Tages in meine Synchronsprecher-Datenbank zu stecken (deren enorme Fortschritte, ich erinnere gern noch mal daran, ja dann in nur einer Stunde mit rabiater Gewalt wieder zunichte gemacht wurden – was für eine unglaubliche Verschwendung an Lebenszeit…), kam dann aber doch noch ein guter Samariter des Weges. Dieser Samariter war mein ehemaliger Chef, der die Firma schon zwei Jahre vor allen anderen freiwillig verlassen hatte, mittlerweile selbstständig ist und freundlicherweise noch einmal an mich dachte. In seiner Selbstständigkeit dreht er an vielen Rädern (noch keines davon wirklich groß) und verkauft gefühlte 20 Produkte unter gefühlten 15 Firmennamen, die alle nicht das geringste miteinander zu tun haben. Doch tief in unseren Herzen, hoffen sowohl er als auch ich, doch nochmal in die alte Branche zurückkehren und wenigstens wieder das selbe Produkt wie damals verkaufen zu können.

Nun tauchte vor einiger Zeit ein netter Herr aus Irland auf, der zufällig genau dieses Produkt verkauft und noch „Dealer“ (wir benutzen dieses Wort so tatsächlich!) für Europa sucht. Nach tagelangem Emailverkehr flog der gute Mann heute bei uns ein. Da aber mein Chef Deutsch, Englisch, Schwitzerdütsch und Hände und Füße miteinander vermischt, was zu einem oft undefinierbaren Wortbrei führt, musste die gute Frau Brummsel mal wieder (wie früher) als Übersetzerin ran. Doch Ojeee, kennt ihr diese Tage, an denen man aus unbekannten Gründen einen Knoten in Zunge und Hirn hat? Ausgerechnet heute war dieser Tag! Erst habe ich noch geglaubt, ich täte mich deshalb im Übersetzen so schwer, weil mein Cheffe sich den ganzen Tag so verquer ausgedrückt hat, dass ich den Sinn seiner Sätze schon in Deutsch kaum verstanden habe.Vielleicht hat ja heute einfach jeder einen Knoten in Zirn und Hunge. Schlechtes Karma? Warum war dann aber das Englisch des Iren so perfekt? To make a long story short, ich haspelte mir ordentlich einen zurecht. Den ganzen langen Tag ärgerte ich mich über mich selber green and black, und wäre am liebsten in the earthground disappeared. Lies den Rest dieses Beitrags

Synapsen-Autobahn, letzte Ausfahrt (1)

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    1. Warum wachsen Gänseblümchen eigentlich immer in Inseln? 
    2. Warum sind die Listen der „meistgelesenen“ und „am schnellsten wachsenden Blogs“, sowie der „Top-Beiträge“ auf WordPress eigentlich meistens von rechten Vollidioten dominiert?
    3. Ist es nicht falsch, wenn jedermann Ei-Dechse sagt, statt Eid-Echse. Immerhin handelt es sich um eine Echse und nicht um eine Dechse? Und welchen Eid hat sie denn eigentlich geschworen?
    4. Mir fehlt massiv die Lust wieder Musical zu spielen. Wirft man mir das eigentlich vor?
    5. Wann, werde ich, endlich di,e Kommasetzung, begreifen,?
    6. Gehört beim Kauf einer motorisierten Lingam-Verlängerung das Arschlochzertifikat eigentlich zur Grundausstattung?
    7. Darf ich mich jetzt endlich darüber ärgern, dass mein drömmeliger Exfreund mit einer schlampigen Datensicherung, das Herzstück meiner Synchronsprecher-Datenbank für immer zerstört hat? Über 500 Stimmproben völlig umsonst in dreijähriger Sisyphusarbeit aus Filmen herausgeschnitten… *heul*
    8. Auf dem Land arbeiten ist doch scheiße. Da sieht man auf dem Arbeitsweg nämlich nicht nur überfahrene Hasen, sondern auch drei Mal in der Woche überfahrene Katzen. Davon muss ich doch weinen…
    9. Ich freue mich nach wie vor über Kommentare von „letzten Cowboys“, „großen Hasen“ und „ollen Christbäumen“! Das ist nicht nur ein Tummelplatz für junge Leute!
    10. Hatte der Hersteller meines überteuerten Föns, nicht die paar Cent über, um ein „Kabel-dreht-sich-mit-damit-es-sich-nicht-verheddert“-Dingsbums einzubauen? Oder lachen die sich heimlich ins Fäustchen, wenn der Käufer irgendwann beim Fönen mit der Wange an den Kacheln hängt, weil das Kabel täglich kürzer wird?
    11. Könnten sich bitte auch die restlichen 7 von 9 Verkäuferinnen bei meinem Bäcker endlich mal merken, dass ich KEINE TOMATE AUF MEINEM BRÖTCHEN haben will? Maaaaaaaaah…
    12. Kann mir mal endlich jemand das Wasser reichen?

      …the kind that blindsides you at 4 pm on some idle saturday…

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      Am gestrigen Samstag war es mal wieder dringend notwendig, dass mein weltbester Huck und ich, uns auf einen Starbucks-Kaffee trafen. Schön gemütlich Käffchen schlürfen, Kippchen rauchen, Muffin mümmeln und übers Leben sinnieren.
      Schön war’s!

      Auf dem Weg zum Treffpunkt, lief im Autoradio Kabarett mit dem großartigen Wilfried Schmickler. Einerseits hab ich Tränen gelacht, andererseits blieb mir auch oft genug das Lachen im Halse stecken. Aus dem 45-minütigen Programm, habe ich mal die besten 20 für Euch heraus geschnitten. UNBEDINGT ANHÖREN! Hier!
      In seiner unverwechselbaren Art lässt sich Schmickler zur Finanzkrise, dem Missbrauchsskandal der katholischen Kirche, unserem Umgang mit den Türken, und Guido Westerwelle und die HartzIV-Empfänger aus. Letzteres fand ich besonders schön angeprangert. Unter anderem kommentiert er den Vorschlag, dass HartzIV-Empfänger ja mal unseren Schnee schippen könnten, mit den Worten, dass wir ja dann darüber hinaus auch noch ein paar weitere anheuern könnten, die dann mit einer Schneekanone dafür sorgen, dass auch alle immer schön was zu schippen haben.
      Und wie es der Zufall so will, fordert noch am gleichen Nachmittag das schöne Kabarettstückchen seinen Tribut.

      Nichts Böses ahnend, sitzen der Huck und die Brummsel mit ihrem Käffchen am Binnenhafen und diskutieren über Beziehungen und Nicht-Beziehungen. Zwischendurch darf sich die Brummsel dann noch anhören, dass das bei ihr mit den Männern nichts werden könne. Denn wenn sie erstmal zum Reden ansetzt, könne kein Mann der Welt mehr bis zum Ende ihres Satzes geistig folgen. Das schrecke ab!

      Und während ich mich gerade mit den Worten verteidigen will, dass das ja wohl weniger mein Problem, als das der Männer ist, schlurft ein Rentnerehepaar an uns vorbei. Zu Recht echauffieren sich die beiden darüber, dass jedermann meint, seinen Müll in der Randbegrünung entsorgen zu müssen. Und dann sagt der Oppa ihn, den Satz der zu befürchten war: „Dat wär do wat für die HartzIV-ler. Dat solltense ma machen, statt zu Hause zu hocken. Hier, den Müll könnse ma entsorgen. Wenn jeder von denen nur ma fünf Minuten am Tach ne Zange inne Hand nähme, dann säh dat hier schon anders aus. Aber darum kümmert sich ma wieder keiner.“
      Ich bin wirklich überhaupt kein Mensch, der zu Gewalt neigt, aber in diesem Moment juckte es mir kurz und heftig in der Faust. Nein, sagen wir es anders: Ich wäre vor Wut fast explodiert. Dieser Opa, der wahrscheinlich noch vom Wirtschaftsaufschwung nach dem 2. Weltkrieg profitieren durfte, heute vielleicht noch als einer der Letzten das Glück hat, eine recht angenehme Rente zu kassieren, und seit mind. 15 Jahren vom Arbeitsmarkt runter ist, schreit lauthals unreflektierte Bildzeitungs-Parolen durch die Weltgeschichte. Ich hätte platzen können! Ja, ihr merkt es, ich bin KEIN FDP-Wähler!
      Und was fällt dem Huck dazu ein? „Aber wenn Du Dich so aufregst, bist Du ja schon irgendwie süß!“ Seufz!

      Nicht Fisch, nicht Fleisch, aber ohne Fahrrad

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      Lektion 1 auf Hectors Reise: Vergleiche anzustellen ist ein gutes Mittel, sich sein Glück zu vermiesen.

      Dennoch mache ich es ständig. Nicht nur, dass ich mich vergleiche, nein, ich frage mich auch in regelmäßigen Abständen, wer und was ich eigentlich bin und wer ich stattdessen vielleicht lieber wäre. Ist es ein Fluch oder ein Segen, alles wenigstens ein bisschen zu können, aber nichts davon wirklich gut? Wo ist es denn hin, mein ganz persönliches großes Talent? Hat wohl Urlaub auf Lebenszeit.

      Natürlich vergleicht man sich niemals nach unten, sondern wenn, dann immer nur nach oben. Damit es auch so richtig schön bohrt und quält! Es ist, als hättest Du die Hälfte eines Turmes erklommen und statt nach unten zu sehen, um Dich mit denen zu messen, die noch nicht mal das erste Plateau erreicht haben, richtet sich Dein Blick gen Turmspitze. In dem Wissen, dass Du denen, die schon oben stehen, niemals wirst die Hand schütteln können. Der Wunsch anders, oder eine Andere zu sein, kann mitunter stark sein. Es gibt sie immer die Leute, die etwas anders, besser, schöner, intelligenter oder origineller machen/sind/können. Du siehst sie und quälst Dich mit Selbstzweifeln, Unzufriedenheit und Steinen im Bauch. Jeder Versuch den eigenen Charakter „anzupassen“, oder mal eben das Talent anderer zu kopieren, geht natürlich in die Hose. Weil Du nur krampfhaft versuchst eine stupsnasige Maske aufzusetzen, die aber leider nicht auf Deinen riesigen Zinken passt.

      Diese Gefühle kennen wahrscheinlich die meisten Menschen auf der Welt. Bei mir sind sie mal stärker und mal schwächer. (Im Moment wieder etwas stärker.) Aber die Frage ist doch, warum ist das so? Warum hat man diese Gefühle? Warum zweifelt man an sich, wäre gern ganz anders?
      Ich habe meine ganz persönliche Antwort darauf gefunden. Dahinter steckt ein völlig banaler Wunsch: Der Wunsch nach Liebe! Wenn Du das Gefühl nicht kennst, oder es zumindest lange nicht mehr erlebt hast, aufrichtig für das geliebt zu werden, was und wer Du bist, dann fragst Du Dich, was Du alles ändern müsstest, um das endlich erleben zu dürfen. Wenn es einen Menschen gibt, der Dich großartig findet, der in Dir etwas ganz Besonderes sieht, dann fällt es leichter, das selber auch zu erkennen. Der Mensch braucht diese positive Reflexion. Was bringt all das Licht, das Du ausstrahlst, wenn es auf niemanden trifft, der sich davon erhellt fühlt? Wenn es sich in der Schwärze um Dich herum verliert? Das Wissen für einen Menschen „die Eine“ zu sein, würde das Gefühl überflüssig machen, immer perfekt sein zu wollen. Denn man liefe dann nicht mehr mit der Angst durch die Welt, von dem potentiellen „Einen“ übersehen zu werden, weil man gerade nicht „besonders“ genug ist.
      Man wüsste dann, warum es eigentlich gar nicht falsch ist, der zu sein, der man nun mal ist. Man wüsste, wohin man gehört.

      Lektion 14 auf Hectors Reise: Glück ist, wenn man dafür geliebt wird, wie man eben ist.

      Von Intellektuellen, “Gutmenschen” und Political Correctness

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      Im Laufe eines normalen Tages bewege ich mich ein paar Stunden im Internet. Es beginnt immer damit, dass ich meine favorisierten Blogs durchstöbere, die mich dann meist wieder auf andere Seiten bringen, dann auf GoogleNews surfe und von Schlagzeile zu Schlagzeile springe. Da ich keine Zeitung abonniert habe, aber dennoch wissen will, was auf der Welt vor sich geht, bediene ich mich des Internets. Dabei bin ich bemüht meine Informationen aus „vertauenswürdigen“ Quellen zu erhalten und sehr oft lese ich zu einem einzigen Thema, die Beiträge verschiedener journalistischer Medien. Wer und was wirklich vertauenswürdig ist, ist nicht immer leicht zu filtern. Heute glaubst Du noch, dass ein spezielles Medium ordentlich recherchiert und Meinungsmache umgehen will, am nächsten Tag findest Du in demselben Medium einen Artikel, der all den guten Glauben wieder zunichte macht. Sagen wir jetzt einfach mal es gibt 20 große und wichtige Zeitungen und journalistische Blogs, dann kann man fast davon ausgehen, dass es zu einem Thema auch 20 unterschiedliche Meinungen und Ansichten gibt, wobei jeder von sich behauptet „Qualitätsjournalismus“ zu betreiben und auch die einzig wahre Sichtweise auf die Dinge gefunden zu haben. Wenn man sich einfach nur informieren will, besonders wenn es ein Thema ist, zu dem man selber noch gar keine allzu dezidierte Meinung hat, weil man ja eben noch nicht informiert ist, dann fällt es ziemlich schwer, Qualität von Nonsens zu unterscheiden. Zu erkennen ob eine Hintergrundinformation korrekt oder nicht korrekt recherchiert wurde. Festzustellen ob die Meinung zu der man tendiert überhaupt die richtige, ethisch korrekte Meinung wäre. Dabei macht es keinen Unterschied ob man sich in gedruckten Zeitungen oder im Internet informiert. Doch im Internet kommt noch ein ganz entscheidender Punkt hinzu. Einer, der das ganze Dilemma noch verschärft. Die Rede ist von den Kommentarspalten. Aufgrund der Kommentarspalten sieht man sich dann nämlich nicht nur mit den 20 verschiedenen Ansichten der 20 verschiedenen Medien konfrontiert, sondern auch noch mit den Meinungen von 20.000 Mitbürgern.

      Neben den eigentlichen Artikeln lese ich sehr oft auch die dazugehörigen Kommentare mit großem Interesse, oft in der Hoffnung, dass sie meine eigene Meinungsfindung unterstützen. Doch je mehr Themen von immer mehr Menschen aus den unterschiedlichsten Schichten kommentiert werden, desto mehr muss ich mich von dieser Hoffnung verabschieden. Dabei sind das Problem nicht die unterschiedlichen Meinungen zu einem Thema an sich. Das wahre Problem der Kommentarspalten liegt in der Art und Weise wie viele Menschen ihre Meinungen vertreten. Lies den Rest dieses Beitrags

      Die Zwickmühle

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      Derzeit habe ich ein echtes Problem. Nicht so ein kleines „Ach, das löst sich von allein“-Problem, sondern ein wirkliches. Zumindest in meinen Augen. Ich stecke nämlich in einer wahren Zwickmühle.

      Das Problem ist das Folgende:

      Wer meinen Blog liest, oder mich wahlweise zufällig persönlich gut kennt, der weiß, wie groß meine Leidenschaft für unsere deutschen Synchronsprecher ist. Ich beschäftige mich in meiner freien Zeit sehr oft mit nichts anderem. Seit Jahren bastle ich an meiner persönlichen Sprecher-Datenbank herum und jeder Film wird hinsichtlich der Sprecher genauestens analysiert und unter die Lupe genommen. Und für einen wahren Fan ist es natürlich das Highlight im Leben, wenn man Möglichkeiten hat, seine „Stars“ live zu erleben. Im Gegensatz zu meinen Lieblingsbands ist das mit Synchronsprechern aber gar nicht so einfach. Nur selten begeben sie sich auf Tour um Lesungen zu halten oder ähnliches. Da kann man sich meine Freude über die „Drei ???“-Tour im letzten Jahr ja vorstellen. Denn die drei Sprecher der Hörspiel-Reihe sind nicht nur nebenbei sehr gefragte Synchronsprecher, sondern auch maßgeblich Schuld an meiner heutigen Leidenschaft. Eine Ausnahme sind Veranstaltungen wie die Horror-Literatur-Nächte, die im letzten Jahr im Bochumer Planetarium statt fanden. Mein Traum wurde wahr, als ich so zuerst Tobias Meister (Brad Pitt, Kiefer Sutherland, Tim Robbins uvm.), dann Frank Glaubrecht (Kevin Costner, Al Pacino uvm.) und zu guter Letzt David Nathan (u.a. Johnny Depp und Christian Bale) begegnete und mir auch gleich Fotos und Autogramme abholte.

      Ansonsten hat man nur in Berlin regelmäßig die Möglichkeit den Sprechern (bzw. Schauspielern) nahe zu kommen, denn dort gibt es die Lauscherlounge in der regelmäßig diverse Sprecher diverse Lesungen halten. Lies den Rest dieses Beitrags