Vergangenheit und Zukunft

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Ach, was könnte ich Euch alles erzählen über die Ereignisse im letzten halben Jahr meines Lebens und die Gründe für meine lange Abstinenz. Das würde aber ein sehr langer Artikel werden, den sich wohl nur die wenigsten würden durchlesen wollen. Deswegen nur ein kurzer Abriss über die Highlights seit Beginn des Jahres.

Ein lang ersehnter Jugendtraum ging in Erfüllung, als ich zum ersten Mal im Leben Bela B. direkt gegenüber stand. Ein letztenendes doch eher ernüchterndes Erlebnis, was aber nicht unbedingt an ihm lag. Ich finde ihn immer noch großartig.
Ich war auf meinem ersten Tina Dico-Konzert und hatte anschließend die Möglichkeit ihr zu begegnen und ihr endlich persönlich zu sagen, was sie in mir bewegt und anrührt. Das wiederum war ein absolut wunderschönes und erfüllendes Erlebnis.
Ich bin für ein wunderschönes Wochenende in meine Herzensstadt Berlin gereist und bin dort erstmals einem Freund begegnet, den ich jahrelang nur vom Telefon und Skype kannte.
Ich habe jede Menge weiterer Synchronsprecher getroffen, die sich in meinem Buch verewigen mussten.
Zu guter Letzt durfte ich mir im Sauerland bei 6 Grad nachts (im JULI!!) im Zelt den Hintern abfrieren, hatte aber wenigstens ein sehr lustiges Wochenende mit den Motorradfahrern einer der letzten Zechen Deutschlands.

In den Tagen dazwischen war und bin ich vollkommen ausgelastet mit meiner TS-Ausbildung, meinem Französischkurs, meinem neusten Hobby (Geocaching), dem Treffen alter und wunderbarer neuer Freunde und, man glaubt es kaum, ein neues Hobby steht schon in den Startlöchern und wird mir ab Herbst wohl einen weiteren freien Wochentag klauen.

Seit ungefähr 2 Monaten kämpfe ich eher erfolglos gegen mein Gewicht an, aber mein Körper scheint auf nicht ein Kilo seiner eisernen Reserven dauerhaft verzichten zu wollen.
Seit 4 Monaten bin noch wesentlich erfolgloser auf der Suche nach meiner Traumwohnung, aber so wie es aussieht werde ich mein fürchterliches Wohnklo so schnell auch nicht los. Langsam zermürbt es mich. Tausend wundervolle Einrichtungsideen und Vorstellung davon, wie es mal sein könnte und keine davon lässt sich endlich mal angehen.
Seit gefühlten 568 Monaten bin ich auf der Suche nach meinem Herzensmann, aber… ach, lassen wir das… ihr wisst Bescheid…
Und so stehe ich da mit drei enorm bedeutungsvollen Vorhaben, die sich nicht vollenden lassen und kriege in Bezug auf jeden Punkt zu hören, dass es wohl an meinen hohen Ansprüchen scheitert. NEIN, das tut es nicht! Und ehrlich gesagt, es geht hier um mich! Da können meine Ansprüche gar nicht hoch genug sein. So!

Bei all der Aufregung in den letzten Monaten hätte ich hier eigentlich täglich einen Roman schreiben können, allein an der Zeit oder nötigen Muße scheiterte es meist. Und wenn sich dann mal ein Zeitfenster auftat, war gerade tote Hose und es mangelte kräftig an Inspiration. Außerdem ist es auch ganz schön, einfach mal zwischendurch durchatmen und prokrastinieren zu können. Herrje, ich habe es nicht einmal geschafft, regelmäßig die Posts meiner liebsten Mitblogger zu verfolgen. Mein Feedreader platzte schon aus allen Nähten. Zum Glück war es in den letzten zwei Wochen ziemlich öde im Büro, und so habe ich die Zeit genutzt und habe mal eben fünf Monate verpasste Blogosphäre nachgeholt.

Eines ist auf jeden Fall sicher. Aufgeben werde ich diesen Blog so schnell nicht! Dafür liegt mir das Schreiben, und die ganze wundervolle Menschenschaft, die am Bloggen mit dran hängt, viel zu sehr am Herzen.
Dass ich nicht aufhören sollte, wird mir durch Eure Rückmeldungen immer wieder bewusst. Seit Februar hagelte es die ein oder andere Beschwerde bezüglich meiner Schweigephase. Es sollen ja sogar Vermisstenanzeigen bei der Polizei eingegangen sein. Gleichermaßen gab es aber auch immer mal wieder neue Abonnenten, obwohl hier gar nichts passiert ist.
In der Zeit der absoluten Herzbrei-Stille erreichte mich eine Email, die mich wahnsinnig berührte. Ich hoffe, dass die Verfasserin dieser Email es mir nicht übel nimmt, wenn ich sie hier mit Euch teile, denn sie ist so wahnsinnig herzlich und wunderbar, dass ich schon fast stolz bin, so eine Nachricht überhaupt erhalten zu haben.

Hallo liebe Brummsel,

es liegt mir am Herzen Dir eine E-Mail zu schreiben. Ich bin ganz zufaellig ueber eine Google Recherche nach Tina Dico und Ihre Texte auf Deinen Blog gestossen und fand Ihn sofort wunderbar, mir aus der Seele sprechend, herzzerreissend, liebevoll, authentisch, ehrlich… EINFACH NUR LIEBENSWERT! Das sagt jetzt wohl was ueber die Schreiberin selbst aus 🙂

Du bescherst mir einen ganz tollen Abend, weit weg von zu Hause in Mt. Isa/ Australia auf der Selbstfindungsreise meines Lebens. Ich sitze in dem fast groessten Kaff der Welt seit 5 Monaten fest, kann aber die tollen Menschen, die tollen Views und Erlebnisse gerade so schlecht loslassen.. In einigen Wochen geht es dann aber sicherlich weiter nach Alice Springs und nach Adelaide, moechte ja noch etwas sehen von diesem riesigen, (temporaer) wunderbaren Land. Vielen Dank, dass einer der nach Feierabend-Langeweile Mt. Isa Abende auf Brummsel-Weise gefuellt wurde..

Ich stoeber dann mal weiter in Deinen nicht-journalistisch-ambitionierten Texten! Du hast ein tolles Talent!

Liebe Gruesse
Olga

Man beachte bitte, die auf australischen Tastaturen nicht vorhandenen Umlaute. 😉

Wie könnte ich mich nach so einer Email einfach aus dem Staub machen? Jetzt in den Sommerferien wird es auch bei mir alles etwas ruhiger. Meine Kurse haben nämlich auch Sommerpause. Ob ich es zukünftig schaffen werde, wie früher, jeden zweiten Tag zu bloggen, vor allem in der Ausführlichkeit, kann ich heute nicht versprechen. Aber ihr könnt wohl davon ausgehen, dass Ihr mindestens einmal in der Woche hier von mir werdet lesen können. Und wenn mich die Muse küsst, dann gern auch öfter. 😉

Torfköpfe

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Mit geschlossenen Augen geht ihr durch die Welt.
Ihr seid blind für das, was sie zu bieten hat und womit sie euch bereichert. Ihr habt keinen Sinn für ihre Schönheit.
Ihr seht nicht, ihr hört nicht, ihr fühlt nicht.

Ihr habt kein Gefühl für die Schönheit von Worten und Sprache. Ein Gedicht berührt euch nicht. Stattdessen reißt ihr kindische Zoten über das Wort „Busen“.
Wenn ihr ein Lied hört, kommt seine Botschaft nie bei euch an. Die Genialität einer Komposition verlangt euch keinen Respekt ab. Eine Geige erreicht niemals euer Herz, aber ein elektronischer Beat wird erträglich mit der richtigen Pille.

In einem Insekt seht ihr ein Ungeziefer, habt aber kein Auge für die Schönheit seiner Schöpfung. Jeder Vogel, jedes Reptil, sogar eine menschliche Hand ist mit einer Perfektion konstruiert, vor der ihr schon lange keine Ehrfurcht mehr habt.
Es ist für euch kein Wunder mehr, wenn die Abendsonne einen grauen Felsen in leuchtendes Rot taucht, wenn ihr einen seltenen Blick auf einen Marienkäfer erhaschen könnt, der gerade eine Blattlaus verspeist.

Ihr habt den Planeten erobert, Wälder gerodet, Flüsse verlegt oder ausgetrocknet, Straßen gebaut und ihr wundert und beschwert euch, wenn Tiere in eure Gärten und Häuser eindringen, weil ihr sie ihrer Lebensräume beraubt habt. Ihr müsst noch das letzte Vogelnest unter Eurer Dachrinne demontieren. Ihr glaubt, die Welt gehört euch allein. Ihr teilt nichts mit niemanden!

Ihr seht nichts, wenn ihr durch ein Teleskop auf die Sterne schaut, ihr hört nicht das Rauschen des Meeres, ihr fühlt nicht den Wind auf eurer Haut.

Ihr lacht über Fürze und reißt unflätige Witze. Ihr ergötzt euch am Leid anderer. Ihr streckt eure Hände nicht aus um Ärmeren oder Schwächeren zu helfen. Ihr habt kein offenes Ohr für das Leid und den Schmerz anderer. Nichts geht euch etwas an. Ihr hört keine Unter- und Zwischentöne, nicht Freude oder Leid in einer Stimme. Kein Zittern, kein Beben.

Ihr vögelt, aber ihr liebt nicht! Ihr schlaft, aber ihr träumt nicht! Ihr esst, aber ihr schmeckt nicht! Ihr trennt euch, aber ihr bindet euch nicht! Ihr reist, aber ihr kommt niemals irgendwo an!

Was ihr lest, wenn ihr lest, und im Fernsehen seht, nehmt ihr widerstandslos hin. Ihr hinterfragt nicht. Ihr seid zu müde zum denken oder gar auf die Barrikaden zu gehen. Ihr schlaft im Laufen ein. Im Denken auch!
Ihr seid egoistisch. Ihr seid einsam und merkt es nicht.

Ihr kauft, was billig ist, auch wenn andere dafür verhungern müssen. Ihr habt keine netten Worte, kein Lächeln für andere. Ihr mäkelt und moppert und meckert und überdramatisiert, wenn es keinen Grund gibt. Gibt es einen, fallt ihr ins geistige Koma.
Ihr seid Sozialautisten und Gefühlslegastheniker. Ihr wisst nicht was Empathie bedeutet. Ihr habt Logorrhoe und tourettiert über Menschen, die anders sind. Ihr erwartet Perfektion und seid selbst unvollkommen.

Ihr beleidigt und ekelt euch vor schwulen Männern und wollt abends eurer Freundin am liebsten an den Arsch. Ihr seid genervt von Kindern und alten Menschen, denn ihr vergesst, dass ihr Kinder wart und alt sein werdet.
Ihr seid käuflich, aber nicht spendabel. Oberflächlich. Ohne Tiefgang.

Ihr wollt verhätschelt und vertätschelt und gefragt werden, wie es euch geht, doch andere fragt ihr nie danach. Ihr habt was gegen sämtliche Ausländer, doch habt ihr zu eurer eigenen Nationalität nichts beigetragen. Ihr habt Vorurteile über Vorurteile, passt selbst aber am besten in eine Schublade.

Euer Herz ist kalt, eure Arme geschlossen, euer Blick kurzsichtig und getrübt.
Mit geschlossenen Augen geht ihr durch die Welt.
Ich mag euch nicht, IHR TORFKÖPFE!!

Keine Zeit, keine Zeit, keine Zeit

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Kennt jemand ein Geschäft in dem man Zeit kaufen kann? Ich besitze derzeit leider keine.
Mein Februar ist dermaßen voll, dass kaum noch Luft nach oben bleibt. Geplante Blogbeiträge muss ich auf Anfang März verschieben, so wie viele andere Dinge auch. Das bisschen Zeit, dass derzeit noch bleibt, kann ich einfach nicht vor einem PC-Monitor verbringen. Da draußen findet das Leben statt. Dem werde ich mich bis auf Weiteres noch widmen.

Stay tuned!

beSUCH (2)

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  • genitalien bei chatroulette zeigen polizei
    Ne, ich glaub die Polizei hat dieser Tage zu viel zu tun, um dafür noch Zeit zu haben.
    .
  • penis gehäutet
    Medizinische Unfälle 100!
    Die Frage lautet: Was ist das Resultat einer schief gelaufenen Bar Mitzwah?
    ..
  • liebeserklärung per e mail email vorlage
    Willst Du damit was erreichen? Dann denk Dir gefälligst selbst was aus, Du Gefühlslegastheniker!
    .
  • russisch leck mich
    Da hast Du was verwechselt. „Russisch“ ist eine ganz andere Sexualpraktik. Das was Du meinst nennt sich „Französisch“.
    .
  • weltraum gehäutet im bad film 80
    Ich denke, dass man erst einmal die Haut des Weltraums finden müsste, um derart Abwegiges überhaupt durchführen zu können. Solltest Du sie finden, ist Dir der Nobelpreis sicher.
    .
  • die klinkenbuchse von meiner ist ständig
    Die was von Deiner was ist was? Mach Dir keine Sorgen. Spätestens im März fangen die VHS-Kurse wieder an. Ich empfehle Rhetorik für Anfänger.
    .
  • vor ersten date klärte er schon was er wollte ich teilte mit bin nicht leicht zu haben dann kam nichts mehr
    Ja, so sind die Kerle. Aber Du trauerst ihm doch wohl nach dieser Aktion nicht wirklich hinterher, oder?
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  • herz schüren
    Ein Herz ist kein Ofen. Das kann man nicht zum Brennen bringen, indem man es schürt. Mach Dir lieber mal Gedanken darum, wie man die Flamme am Lodern hält, wenn man das Feuer erst einmal entfacht hat.
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  • nackenschmerzen da sein aber irgendwie doch abwesend
    Na, was denn nun? Wie soll ein Arzt Schmerzen behandeln die abwesend sind?
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  • markus schilling wow
    Ja, der Meinung bin ich ebenfalls! Es wird ihn freuen, dass Du das auch so siehst!
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  • rtl punkt 6 frau lacht und schläft ein
    Kann ich verstehen. Wenn ich höre was die für einen Schwachsinn verbreiten, lach ich mich auch erst kaputt und schlafe dann vor Langeweile ein.

There will come a time, you’ll see

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Es gibt immer wieder Menschen in meinem Leben, die mir gerne einreden möchten, dass es gar nicht so schlimm wäre Single zu sein. Schließlich hätte man alle Freiheiten zu tun und zu lassen was man will, zu leben wie man will und zu lieben wen man will. Kein Streit und keine Auseinandersetzung über unsinnige Kleinigkeiten und keine Notwenigkeit über irgendetwas Rechenschaft abzulegen. Das mag alles sein, aber in den letzten Wochen stolpere ich unentwegt über die Nachteile.

Lassen wir mal beiseite, dass man sich oft einsam fühlt, niemanden zum Anlehnen hat, im Freundeskreis oft das fünfte Rad am Wagen ist, es einem an Geborgenheit mangelt und, ich sag es mal ganz platt, auch gewisse Bedürfnisse nicht befriedigt werden. Es hat tatsächlich auch ganz praktische Nachteile.

Es fing in der Woche zwischen Weihnachten und Neujahr an. Seit dem 23. Dezember hatte ich mein Auto nicht mehr bewegt und es irgendwo am Straßenrand abgestellt, glücklich in den aufgehäuften Schneebergen überhaupt noch einen Parkplatz gefunden zu haben. Danach hatte ich es tagelang nicht benutzt, lief zu Fuß oder ließ mich abholen. Am 30. Dezember brauchte ich dann aber doch mal wieder mein Auto. Leider hatte Frau Holle zwischendurch Überstunden geschoben und natürlich war es jetzt völlig eingeschneit und vor allem festgefroren. Als ich es nach ungefähr 20 Minuten endlich geschafft hatte den Schnee vom Auto zu schaffen und die dicke Eisschicht von den Scheiben zu kratzen, wagte ich den ersten Versuch, das Auto zu bewegen. Keine Chance! Gerade einmal ein paar Zentimeter kam ich vorwärts, dann war wieder Schluss. Wirklich rausschaukeln konnte ich den Wagen auch nicht, da direkt hinter mir jemand geparkt hatte. Aber ich gab nicht auf, trat auf’s Gas und kurbelte um mein Leben, was nur zu gewaltiger Rauchentwicklung und einem furchtbaren Gestank führte. Also raus aus dem Auto und Reifen ausbuddeln. In Ermangelung eines passenden Werkzeuges ging das nur auf Knien und mit den Händen. Rein ins Auto, drei Zentimeter vor, raus aus dem Auto, Eis zertreten, weiter graben. Das wiederholte sich diverse Male.
Mittlerweile war ich 25 Minuten damit beschäftigt und den Tränen nahe, als der Wagen doch noch einen Satz vorwärts machte, jetzt quer in der engen Straße stand und sich wieder nicht bewegte. Ich betete zum Himmel, dass jetzt kein Auto von hinten kommen möge, denn er würde nicht an mir vorbei fahren können. Natürlich kam genau in dem Moment ein fetter BMW an. Glaubt mal nicht, dass da jemand ausgestiegen wäre um zu helfen. Also kurbelte ich weiter, trat mit voller Aggression immer wieder auf’s Gas und war letztendlich tatsächlich frei. Alles in allem dauerte der Vorgang eine Stunde!
An der Supermarktkasse fragte ich mich, was meine Mama oder meine Freundin in dieser Situation getan hätten? Sie wären natürlich in die Wohnung gegangen und hätten ihren Freund um Hilfe gebeten, der sie dann ritterlich gerettet hätte. Ich muss sowas allein hinkriegen. Jeden noch so schweren Einkauf muss ich allein in die dritte Etage schleppen, darf aber nicht jammern, weil mir jeder erzählt, dann solle ich halt drei- oder viermal laufen. Jeden Nagel muss ich allein in die Wand schlagen. Jeden Plan muss ich allein in die Tat umsetzen. Jedes Essen, das ich koche muss ich allein essen. Jede Entrümpelung muss ich allein durchführen und allein die schweren Müllsäcke zur Müllkippe fahren. Natürlich bin ich stolz darauf, so selbstständig zu sein, aber irgendwann fängt man an, darin keinen Segen, sondern einen Fluch zu sehen. Und als mir das klar wurde, musste ich plötzlich an der Supermarktkasse und umgeben von Menschen mit den Tränen ringen.

Diese Woche hatte ich einen Termin bei meiner Bausparkasse. Und wieder einmal kam mein Berater nicht umhin mir zu empfehlen zu „riestern“. Im Gegenteil, es gäbe ja jetzt noch den verbesserten „Wohnriester“. „Also wenn sie mal Eigentum wollen, sollten Sie jetzt anfangen…“ Wenn ich mal Eigentum will? Woher soll ich wissen, ob ich irgendwann mal Eigentum will? Wie soll ich überhaupt irgendwas planen? Wie kann ich jetzt wissen, ob es besser ist für eine eventuelle Familie, oder doch besser ganz egoistisch nur fürs Alter zu sparen? Wie kann ich jetzt wissen, ob ich nicht irgendwann nach Timbuktu ziehe, weil dort der Mann meines Lebens wohnt, oder doch auf ewig allein in einer kleinen Wohnung hause? Heute würde ich natürlich nur für mich vorsorgen und dementsprechend mein Geld anlegen. Was aber, wenn in zwei Jahren ein Mann meinen Weg kreuzt und all mein „überflüssiges“ Geld bereits in irgendwelche Altersfonds wandert und für eine gemeinsame Zukunft nichts mehr zum Sparen übrig ist?
Dieses Jahr werde ich, komme was wolle, endlich aus meinem Wohnklo ausziehen und mir eine nette Wohnung mit Balkon suchen, alle Möbel wegschmeißen und mich komplett neu einrichten. Was aber wenn ein Jahr später ein netter Mann auftaucht und wir gemeinsam ganz woanders hinziehen wollen? Dann schmeiß ich wieder alles übern Haufen?
Was ich damit sagen will ist, dass man einfach als Single, der auf die Dreißig zugeht, überhaupt nicht planen kann! Ich glaube ja, dass man sowieso nicht planen kann, aber im Moment empfinde ich es als noch viel schwerer.

Heute war ich wieder mal im Supermarkt und tätigte einen weiteren „Drei-Teile-sind-genug“-Singleeinkauf. Ich entschied mich für Spinat und Fisch. Vor dem Tiefkühlschrank schickte ich ein Dankgebet gen Himmel. Die Produzenten von Iglo haben auch endlich begriffen, dass es nicht nur Großfamilien in diesem Land gibt und haben eine kleine 500-Gramm-Packung portionierbaren Spinat auf den Markt geworfen. Wow! Danke! Ich dachte ja, die Portionierbarkeit wäre das einzig erreichbare Optimum für einen Single. Aber auch den gab es bisher nur im riesigen Kilopaket, der mich dazu zwang tagelang Spinat zu essen, oder in mein kleines Tiefkühlfach wegen Überfüllung schließen zu müssen. Jetzt endlich brechen neue Zeiten an.
Am Gemüseregal war die Freude wieder vorbei, denn Kartoffeln muss ich nach wie vor im 2,5-Kilo-Sack kaufen. Was soll ich mit so vielen Kartoffeln? Ehe ich die alle gegessen habe, sind die schon im Küchenschrank vergeilt (ja, das heißt so!), oder haben sich in einen übelriechenden rotbrauen Matschsaft verwandelt.

Single sein nervt! Single sein ist unpraktisch! Single sein ist einfach doof!

 

And there will come a time, you’ll see, with no more tears.
And love will not break your heart, but dismiss your fears.
Get over your hill and see what you find there,
With grace in your heart and flowers in your hair.

Prost Neujahr!

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Ich bin zurück. Die Jahresendphase der Lethargie, Prokrastination und Denkfaulheit ist abgeschlossen.

Die erste große Neuigkeit des Jahres ist, dass mein Kater Marlon gerade in einer Identitätskrise steckt. Er glaubt er sei ein Hund. Anders ist es wohl nicht zu erklären, dass er seit gestern so großen Gefallen am Apportieren findet. Aber er tut es. Stundenlang und mit heller Begeisterung apportiert der Kater eines meiner Haargummis. Kaum, dass ich es schmeiße, bringt er es zurück, legt es vor meine Füße und wartet mit aufgerissenen Augen auf meinen nächsten Wurf. Man kann’s kaum glauben! Und ich musste ihm das nicht mal beibringen.
Ich wünschte, das mit dem „Sitz!“ würde genauso freiwillig klappen. Aber wir üben fleißig und machen doch tatsächlich große Fortschritte. 😉

Unvorstellbare Dimensionen

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Ich bin eine absolute mathematische Nulpe. Ich habe keinerlei Gespür für Zahlen. Kein Gefühl dafür, wie groß oder klein ein gewisser Geldbetrag ist, oder dafür, ob eine bestimmte Anzahl an Jahren eher lang oder kurz ist. Natürlich besitze ich einen gewissen subjektiven Sinn für diese Dinge, aber grundsätzlich sind Zahlen für mich böhmische Dörfer. Genaugenommen beherrsche ich nicht einmal das Ein mal Eins so gut, wie man es eigentlich können sollte. Und ich bin Kauffrau. Witzig, oder?

Aber es gibt zahlentechnische Dimensionen, die so gewaltig sind, dass sie sich nicht einmal ein durchschnittlich mathematisch begabter Mensch vorstellen kann.
Erst gestern haben wir im Büro diskutiert, was wir wohl mit dem 21 Mio. Lottogewinn gemacht hätten. Zunächst klang der Betrag noch relativ schnell aufbrauchbar, aber als wir uns Gedanken darüber machten, dass das monatlich 30.000 € an Zinsen bedeuten würde, kamen wir doch recht schnell an den Rand unserer persönlichen Vorstellungskräfte.
Heute morgen wurde mein Hirn noch weiter strapaziert. Unser Betrieb nahm kürzlich Reparaturarbeiten an der zweitgrößten Privatyacht der Welt vor. Sie gehört dem Sultan von Oman und ist 155 Meter lang (man sagte mir, das sei seeeehr lang). In Millionärskreisen ist der Besitz einer Yacht das Nonplusultra und es gilt die Faustregel „mindestens 1 Mio. USD pro Meter“. Als ich mir dann noch anschaute, was der Sultan sonst noch alles so besitzt (siehe hier), stockte mir der Atem. So viel Geld ist einfach nicht mehr vorstellbar.

Eigentlich will ich aber auf eine ganz andere Dimension hinaus, die ebenso wenig vorstellbar ist. So unvorstellbar, dass sich mir der Magen umdreht. Im Zuge der aktuellen Castor-Proteste klärte mich das Radio heute über folgenden Umstand auf:
Wir haben in den letzten Jahren eine dermaßen große Menge an Atommüll produziert, dass es 40.000 GENERATIONEN lang dauern wird, bis sich der in Gorleben oder sonstwo gelagerte Müll endgültig abgebaut hat. Wir reden nicht von 40.000 Jahren, sondern von Generationen! Wer sich das genauso wenig vorstellen kann wie ich, der möge sich kurz vor Augen halten, dass der Beginn unserer Zeitrechnung, also die Zeit um Christi Geburt, gerade einmal 80 Generationen zurück liegt. 40.000 zukünftige Generationen müssen sich mit diesem Abfall rumplagen. Das ist aber noch das kleinste Problem, denn wie macht man unseren Urururururenkeln klar, welch Ei wir da in ihrer Erde versteckt haben? Wie verhindert man, dass Gorleben und die anderen Endlager in Vergessenheit geraten und zukünftige Generationen an besagten Stellen auf die Idee kommen nach Öl oder anderen Bodenschätzen zu suchen?
Wer glaubt, man könne das Wissen um die Endlager weitervererben, der irrt gewaltig. Es ist kaum 200 Jahre her, dass der Mensch es geschafft hat, die ägyptischen Hieroglyphen zu entziffern. Aber seit es die Hieroglyphen gibt, lebten immer Menschen in Ägypten, von denen Jahrhunderte lang auch niemand mehr wusste, wie diese zu lesen sind.
Schon in 20 Generationen, also in ca.  600 Jahren wird es auf der Erde völlig andere Technologien geben, völlig andere Sicherheitsbestimmungen, völlig neue Probleme, die zu beseitigen sein werden. Niemand wird die Menschen vor den Atommüll-Endlagern warnen können. Unser Wissen um dieses Problem wird langsam aber sicher mit uns aussterben.

40.000 Generationen! Aber wenn alles gut geht fliegt uns dieser Laden, den wir Erde nennen, hoffentlich schon sehr viel früher um die Ohren.

Kleine Halloween-Nachlese

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So, Halloween ist vorbei, aber es wirkt noch kräftig nach.
Was nach der Samstags-Party noch kein Probelm darstellte, entpuppte sich nach Sonntag als ein kleiner Alptraum.
Die großen Narben auf der Stirn und der Wange bestanden aus angeklebtem Wachs. Da die Sonntags-Party bis in die frühen Morgenstunden andauerte, hatte ich diesen fiesen Kleber letztendlich gute 12 Stunden auf dem Gesicht. Das mochte meine Haut gar nicht. Es ging los mit großen roten Pusteln an genau den Stellen, an denen zuvor der Kleber war. Sämtliche Versuche der Selbstbehandlung mit Wund- und Heilsalbe schlugen fehl, auch eine Spezialsalbe aus der Apotheke half nur bedingt. So verschlechterte sich mein Zustand so rapide, dass am Mittwoch mein halber Kopf auf Melonengröße angeschwollen war, mein linkes Auge konnte ich gar nicht mehr öffnen und sogar mein Hals war so stark angeschwollen, dass ich schon um Luft ringen musste. Um einen verspäteten anaphylaktischen Schock zu verhindern, hat mir dann mein Arzt die volle Dröhnung verpasst: Cortison zu Einnehmen, Cortison zum Einreiben und Antiallergikum.
Mein Gesicht ist jetzt zwar nicht mehr geschwollen, aber meine Haut ist nun wirklich zombieähnlich. Die Verletzungen die am Wochenende noch geschminkt waren, sind jetzt beinahe echt, und ich bete inständig, dass nicht wirklich Narben zurückbleiben. Ich hab ein bisschen Angst davor.  Wie ärgerlich, wenn einem der große Spaß im Nachhinein so verhagelt wird!

Doch dieser Blog hieße nicht „Herzbrei und Gefühlssuppe“ wenn es hier nicht eigentlich genau darum gehen sollte. Kommen wir also zum Punkt.

In meinem heutigen Zustand wäre es mir wohl kaum möglich, Komplimente von außerhalb in mich aufzusaugen und mich in mein eigenes Spiegelbild zu verlieben. Zum Glück war das am Wochenende noch ganz anders und so kam es zu einer sehr speziellen Begegnung mit dem Männlein, die ich versuche so kurz wie möglich wiederzugeben.

Etwas verunsichert traf ich auf der Party „der Schönen“ ein, aber ich hatte Vorlaufzeit um mich einzugewöhnen, denn das Männlein war noch nicht da. Es tauchte auf, als ich schon gar nicht mehr mit ihm rechnete und wurde von mir keines Blickes gewürdigt. Zumindest nicht so, dass er es mitbekommen hätte. Umgekehrt konnte man das nicht gerade behaupten. Verunsichert beobachtete er, wie sein begleitender Freund meine Maskerade lobte, während er selbst wie ein Häuflein Elend im Hintergrund rumlungerte. Es dauerte nicht lang, bis er sich gegenüber der Schönen enttäuscht darüber äußerte, dass ich ihn ja völlig ignorieren würde. Mitleid erntete er dafür aber nicht von ihr. So schlich er circa vier Stunden um mich herum, bis wir irgendwann am Lagerfeuer im Garten aufeinander trafen, wo wir uns beide eine Zigarette gönnten. Zwischen uns endloses Schweigen. Aber es standen ja auch noch andere Leute drumherum. So auch die Schöne, die irgendwann unvermittelt meinte: „Ihr kennt euch, oder?“

Das war sein Stichwort. Sein Stichwort, um endlich NICHT zum Punkt zu kommen. Ich versuche einen Monolog, der in dieser Variante ungefähr und ungelogen zwanzig Minuten dauerte, abzukürzen: „Ach. Ach jee. Oh Gott. Brummsel ( er sagte stattdessen natürlich meinen echten Namen)… was soll ich sagen… ich kann nicht… Das ist so… was kann man… was soll man… ach Brummsel… ich bin so…. überwältigt… man kann gar nicht… ach Brummsel… das ist so… Was macht man da?… wie soll ich…“ So ließ ich ihn stammeln und verharrte in Stillschweigen. Irgendwann konnte ich dann doch nicht mehr an mich halten und musste mal kurz genervt dazwischen fragen: „Sag mal, wird das heute noch mal zu irgendwas führen, oder soll ich mir den tieferen Sinn dieser gehaltvollen Aussagen selbst zusammen reimen?“
Stutzen! Weiteres Stammeln! Unter gefühlter 250-facher Aussage meines Names, erstammelte er mir, wie überwältigt er davon sei, mich noch einmal wiederzusehen und die Gelegenheit zu haben, mir zu erklären, wie es in ihm aussähe. Ich musste mehrfach fragen, warum er diese Gelegenheit denn dann nicht auch endlich mal ergreift.

Je länger er stammelte (ich muss ihm zu Gute halten, dass sein Alkoholpegel zu diesem Zeitpunkt schon sehr beachtlich war), desto größer wurde mein Selbstbewusstsein. Er schien tief getroffen zu sein, als ich ihn fragte, warum er noch immer genau so eine Wurst sei, wie er es vor schon zwei Jahren war. Wie es sein kann, dass einer mit so breiter, stolzer Brust durch die Weltgeschichte stolziert, aber dann einfach nicht in der Lage ist, mal drei klare Sätze zu formulieren? Wie einer seine harten Worte nur über die Lippen bringt, wenn er sich hinter einer Email verstecken kann, aber von Angesicht zu Angesicht gerade mal zum Wackelpudding taugt? Und je mehr er körperlich zusammensackte, desto mehr richtete sich meine Wirbelsäule auf. Was für ein unglaublich gutes, lang nicht mehr erlebtes Gefühl! Ich lache noch heute!

Meine Freunde, die dieses Spektakel bezeugen durften, waren sich natürlich letztendlich alle einig, dass es sich bei dem Männlein um einen unglaublichen Schwätzer handelt. Und sie haben damit vermutlich extrem recht. Andererseits muss ich gestehen, dass ich ihn sich ziemlich lange habe erklären lassen. Und es kam dabei so einiges über seine Lippen, das ich dann doch nicht mehr erwartet hätte. Ich lachte ziemlich laut auf, als er behauptete, sein Herz wäre damals gebrochen gewesen und er habe zum ersten Mal seit langem wieder geweint. Warum hat er bitte geweint? Womit sollte ich ihn bitte verletzt haben? Er beteuerte einen großen Fehler gemacht zu haben und als ich ihn damit konfrontierte, was er mir damals alles um die Ohren geworfen hat, schämte er sich sehr für seine Worte. Er hätte nach mir nie wieder eine so tolle und seelenverwandte Frau getroffen. Eigentlich müssten wir jetzt knutschend auf einer Bank sitzen. Er wünschte so sehr, ich würde ihn nicht mehr hassen und er könnte noch einmal von vorn anfangen. Ich sagte ihm, dass ich ihn nicht hasse. Ein derart inniges Gefühl könne ich für ihn gar nicht erübrigen. Und wieder sackte er zusammen. Aber das hielt ihn nicht davon ab, mir Komplimente zu machen.
Es soll Frauen geben, die Männer nicht mehr ernst nehmen können, wenn ein Mann vor ihnen im Staub kriecht. Das hat berechtigte Gründe. Aber wenn man nur selten Komplimente von Männern hört, die einem mal gefallen haben, oder gefallen könnten, oder in gewissen Punkten passen könnten, und wenn man sich jahrelang mit einem einsamen Herzen durch die Weltgeschichte schlägt, dann läuft man schnell Gefahr, dass diese Komplimente auf fruchtbaren Boden fallen. Also war ich jetzt erstmal damit beschäftigt, mich innerlich zu wappnen. Wie könnte ich mich jemals wieder auf einen Mann einlassen, der mir mal das Gefühl gegeben hat, äußerlich eher abstoßend zu sein? Auch wenn er diese Aussage jetzt noch so sehr revidiert.

Es gab eine Situation in der ich in Decken eingehüllt am Lagerfeuer stand. Da die Decken in diversen Lagen um meinen Körper drapiert waren, würde ich es nicht beschwören wollen, aber ich bin mir dennoch sicher, dass er auf einem Stuhl neben mir sitzend, eine sehr lange Zeit lang meinen Rücken gestreichelt hat. Äußerlich ließ ich mir das nicht anmerken und würdigte ihn währenddessen keines Blickes, innerlich wünschte ich mir, dass exakt diese Situation von anderen Umständen begleitet wäre. Es war fünf Uhr morgens, als er vor anderen Partygästen, die uns nicht kannten, behauptete, er wäre mein Freund. Ein „Ja, klaaaaaar!“ und stark verdehte Augen waren meine Antwort.

Ich hab ihn den ganzen Abend mit einer derart kalten Schulter abgewiesen, dass nun er derjenige sein mag, der verletzt in seinem Kämmerlein hockt. Ich sollte mich freuen! Ich sollte weiter lachen und mein neu erworbenes Selbstbewusstsein stolz durch die Gegend tragen. Und irgendwie tue ich das auch. Es gibt da ein inneres Gefühl, dass mir sagt, dass man mir so schnell nichts mehr anhaben kann. Es gibt da ein Gefühl, dass viel mehr in mehr steckt, als ich je von mir erwarte hätte.
Aber es fühlt sich auch an wie ein Déjà-Vú. Ein Déjà-Vú vieler verpasster Chancen und vieler, vieler Männer, die mich einst schroff abgebügelt oder ersetzt haben und Jahre später wieder auftauchen und ihre verpasste Chance mir gegenüber bedauern. Dann, wenn alles bereits zerstört ist. Wie ein roter Faden zieht sich das durch mein Leben. Ich könnte locker 15 derartige Geschichten erzählen. Sogar mein Exfreund taucht just in diesen Tagen mit ganz ähnlichen Tendenzen wieder auf. Nur ist diese Geschichte die erste, in der ich die Chance nutzte, die kalte Schulte Jahre später zu erwidern. Ich sollte richtig glücklich sein!

Warum nur bin ich es nicht?

Ein Männlein steht im Walde

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Vor ungefähr zweieinhalb Jahren lernte ich im Flirtportal eines hiesigen Radiosenders einen jungen Mann kennen. Nennen wir ihn, um der Anonymität Willen, „das Männlein“. Das Männlein kontaktierte mich mit einem äußerst charmanten Anschreiben, was in derartigen Portalen eher selten der Fall ist. Daraufhin tauschten wir ein, zwei Stunden lang schriftliche Nettigkeiten aus und stiegen dann aufs Telefon um. Unser Telefonat verstärkte den ersten netten Eindruck ungemein und da wir beide eine wochenlange Ungewissheit über einen möglichen Ausgang vermeiden wollten, beschlossen wir schnellstmöglich ein Treffen zu arrangieren. Da uns nur wenige Kilometer von einander trennten, war das auch kein Ding der Unmöglichkeit. Noch in derselben Woche sollte ein erstes Date stattfinden.

Als Tag X gekommen war, war ich sehr aufgeregt, was bei mir grundsätzlich der Fall ist, wenn es darum geht Männer kennenzulernen. Was diesen speziellen Lebensbereich angeht, bin ich wohl nicht gerade mit der großen Selbstsicherheit gesegnet, die ich in anderen Bereichen an den Tag legen kann. Ich würde aber sagen, dass ich meine bisherigen Dates mehr oder minder „souverän“ gemeistert habe. Da die Umgebung in der das Männlein beheimatet war einen schönen Park zu bieten hatte und das Wetter frühsommerlich herrlich war, wollten wir das Treffen mit einem Spaziergang verbringen. Die erste Unsicherheit verflog rasch, da wir sehr schnell in  intensive und tiefgründige Gespräche verfielen. Stattdessen machte sich eine andere, eine kindliche Unsicherheit breit, denn in kürzester Zeit scharwenzelten wir wie verliebte, dauererrötete Erstklässler umeinander herum. Das Männlein war klug, charmant, gebildet und in meinen Augen unbeschreiblich hübsch anzusehen. Zwar war er klein wie ein Däumling, doch bin ich ja selber nur ein Däumelinchen. Es gab einen Moment in dem das Männlein eine sehr putzige Bemerkung machte, die wohl zwischen den Zeilen implizieren sollte, dass er mich gern an die Hand nehmen würde. Da ich in meiner Aufregung den Wink mit dem Zaunpfahl aber nicht erkannte, kam es nicht dazu.

Als wir nach einem sehr langen Spaziergang wieder an meinem Auto und damit auch vor seiner Haustür angelangt waren, fragte er mich verunsichert, ob ich noch mit in seine Wohnung kommen möge, was ich auch ohne lange zu überlegen tat. Das Männlein war an diesem Tag zu sehr Gentleman, als dass ich mir Sorgen um unkeusche Gedanken hätte machen müssen. Bis vier Uhr am Morgen saßen wir auf seinem Sofa und teilten sehr intime Gedanken, Gefühle und Lebensgeschichten. Er war überrascht und absolut begeistert davon, wie schnell ich einzelne Charakterfacetten an ihm erkannte und diese auch benennen konnte. Doch ansonsten geschah an diesem Abend nichts. Ich fuhr dennoch wie beseelt und auf Wolke 7 schwebend heim und er gab mir mit jeder Pore das Gefühl, dass es ihm ganz ähnlich ging.

Unruhig und nervös rutschte ich am darauf folgenden Tag auf meinem Stuhl hin und her, als sich herausstellte, dass ein weiteres Treffen erst am übernächsten Tag möglich wäre. Ich übte mich natürlich in Geduld! Zwei Tage später fuhr ich für ein weiteres Treffen in die Stadt des Männleins. Doch schon als ich seine Wohnung betrat wirkte er sehr viel kühler und distanzierter auf mich als noch zwei Tage zuvor. Wir fanden zwar wiederum sehr schnell intensive Gesprächsthemen, doch blieb mir seine plötzliche emotionale Kälte kaum verborgen. Kein Erröten mehr. Kein Herzklopfen mehr, das ich noch über fünfhundert Meter hätte hören können. Etwas beschäftigte ihn sehr, doch als ich ihn darauf ansprach, meine er, es wäre zu kompliziert es mir zu sagen. Das war auch nicht nötig. Ich begriff sofort, dass die Sache, die eigentlich so schön begonnen hatte, in diesem Moment sein Ende gefunden hatte. Nur einen Reim konnte ich mir darauf nicht machen. Tief verletzt und mit gebrochenem Herzen fuhr ich in der Nacht nach Hause.

Ein längerer Emailverkehr am nächsten Morgen brachte zum Ausdruck, was er mir ins Gesicht zu sagen nicht imstande war. Der Kontext war folgender: Ich wäre eine ganz wunderbare, kluge und außergewöhnliche Frau, aber ich entspräche leider nicht seinem sehr ausgeprägten ästhetischen Empfinden. Kurz: mein Kopf ist schön, aber vom Kinn abwärts bin ich leider nicht zu ertragen.

Dazu möchte ich anmerken, dass ich meine Kurven und Rundungen besitzen mag, aber von „unästhetisch“ bin ich sicher noch meilenweit entfernt. Das Männlein hatte mal in einem Gespräch behauptet, eine Traumfrau wäre die Mitte zwischen der strunzdummen aber wunderschönen Tänzerin an der Stange, und der gebildeten, hochintelligenten aber fetten Schabracke. Nach seiner Abfuhr erkannte ich die Lüge. Was er wollte war die hochintelligente Stangentänzerin. Ich wünschte ihm viel Glück bei der Suche, denn die würde er so schnell wohl kaum finden. Und falls doch, würde sie das daumengroße Männlein wohl auslachen und ihn bitten wiederzukommen, wenn es ausgewachsen wäre.

Nun könnte man diese Erfahrung leichtfertig unter „Was für ein debiler Vollidiot!“ verbuchen, was auch die meisten meiner Freunde, in der Hoffnung mich damit zu trösten, getan haben. Mir fiel eine solche Kategorisierung aber nicht so leicht, denn nicht nur mein Herz war gebrochen, sondern ich war auch zutiefst gekränkt und verletzt. Es hat mein Herz mehr Kraft und Zeit gekostet den Vorfall zu überwinden, als mein Kopf dem Männlein hätte zugestehen wollen!

Seitdem ist viel Wasser den Rhein hinuntergeflossen. In der Zwischenzeit sind Dinge geschehen, die mein Herz weitaus mehr strapaziert haben, und so gerieten das Männlein und seine ästhetischen Vorstellungen irgendwann in Vergessenheit. Leider sieht es das Schicksal von Zeit zu Zeit vor, dass die Geister der Vergangenheit den Bespukten wieder einholen sollen.

Ich habe eine Freundin, der die Sonne geradezu aus dem Hintern scheint. Sie hat ein Selbstbewusstsein groß wie der Mount Everest, ohne dabei allerdings arrogant zu sein. Das wiederum verleiht ihr eine ungeheure Ausstrahlung und die Männer umschwärmen sie wie die Fliegen das Licht. Auch ihr sei die Anonymität gegönnt, weshalb wir sie „die Schöne“ nennen. Selbstverständlich hat auch sie schon negative Erfahrungen hinter sich, aber derzeit ist sie mit einem Sunnyboy liiert, den wir gerne als „ Surfboy“bezeichnen, auch wenn er gar keiner ist. Wie dem auch sei, es ist nicht leicht als Single mit ihr auszugehen. Sie ist zwar stets bemüht ihre ledigen Freundinnen verkuppeln zu können, merkt dabei aber nicht, dass kein Mann in ihrer Gegenwart noch Interesse an ihren Single-Freundinnen hat.

Wie es der Zufall so wollte lernte nun die Schöne auf einer Party einen Mann kennen, mit dem sie bald ins Gespräch kam und sich sehr gut verstand. Der kluge Leser wird es ahnen, der Mann entpuppte sich bald als das Männlein. Es dauerte ein paar Tage bis sie endlich begriff, warum ihr sein Gesicht bekannt vorkam. (Sie kannte ihn von einem Foto, das ich ihr gezeigt hatte.) Zu diesem Zeitpunkt hatte er bereits ihr Licht entdeckt und begonnen sich ebenfalls in eine Fliege zu verwandeln. Er erlag sogar der Feststellung, sie sei die schönste Frau der Welt.  Und was soll ich sagen, meine Prophezeiung hat sich natürlich bewahrheitet. Er hat die hochintelligente Stangentänzerin in den letzten zwei Jahren selbstverständlich nicht gefunden und irrt als trauriger Single durch die Welt. Er meint vielleicht sie nun in der Schönen gefunden zu haben, doch ist diese nicht nur liiert, sie ist auch der Meinung, dass er wohl erst noch mal auswachsen darf. Strike!

Blöd nur, dass der Schönen erst klar wurde, wen sie da kennengelernt hat, NACHDEM sie uns beide auf ihre Halloween-Party eingeladen hatte. Jetzt stehe ich vor dem Dilemma dieser Situation ins Auge zu sehen, oder sie einfach zu vermeiden. Dem fromme Wunsch der Schönen, ich möge doch bitte ganz cool dort auftauchen, dem Männlein vollkommen die kalte Schulter zeigen und ihm demonstrieren, dass er mir am Allerwertesten vorbei geht, werde ich wohl nicht entsprechen können, so gern ich es auch wollte. Auch wenn mein Interesse am Männlein völlig erloschen ist, bin ich in Anbetracht der Kränkung einfach nicht tough genug für ein derartiges Schauspiel. Ich bin mir auch nicht sicher, ob ich es mir ansehen möchte, wie die Schöne mal wieder auf der Sonnenseite steht, während ich im Schatten herumlungern darf (so lieb ich sie auch habe.) Andererseits liebe ich Halloween, freue mich auf mein grandioses Zombiekostüm (welches ich bereits am Samstag auf einer Party vorzeigen darf) und die Party der Schönen wäre eine tolle Gelegenheit alte Freunde wiederzusehen, die ich schon lang nicht mehr gesehen habe.

Doch hält mein Herz das aus? Ich bin ratlos. Wer einen ultimativen Tipp für mich hat, der möge jetzt reden, oder für immer schweigen.

Anrufbeantworter

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Vor einiger Zeit habe ich mir mal eine Anrufbeantworter-Ansage zusammengebastelt. Aufgrund technischer Schwierigkeiten war es leider nicht möglich, das Ergebnis auch tatsächlich auf meinen AB zu bringen. Da ich das Ergebnis aber ganz besonders toll finde, möchte ich es Euch nicht vorenthalten.

Dieser Beitrag darf im Übrigen gern als Quiz verstanden werden. Welche Hollywoodstars glaubt Ihr dort zu hören?
Es versteht sich von selbst, dass ich eine Kommentarflut erwarte!

PS: Experten aus Berlin, deren Namen mit einem T. beginnen, sind von diesem Quiz selbstverfreilich ausgeschlossen !!


AUFLÖSUNG (Edit | 24.10.2010):

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Moderne Rebellen

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Es gibt diese Tage, da komme ich trotz aller guten Vorsätze einfach nicht ins Bett. Dann bin ich akribisch mit Dingen beschäftigt, die ich unbedingt noch fertig kriegen möchte. Oft vergesse ich darüber einfach die Zeit und muss dann irgendwann erschrocken feststellen, dass es schon weit nach Mitternacht ist und ich eigentlich schon seit 2 Stunden schlafen sollte.

So auch Sonntagabend. Ich war damit beschäftigt meine ca. 500 Hörbücher und Hörspiele zu katalogisieren, zwischendurch noch duschen, Haare fönen, Katzenklo reinigen, usw.
Gegen viertel nach zwölf war ich dann endlich der Meinung alles Wichtige für den Tag erledigt zu haben. Ich stand gerade Zähne putzend im Bad, als aus dem Wohnzimmer altbekannte und lang nicht gehörte Töne zu mir drangen. Im WDR hatte zwischendurch der „Rockpalast“ angefangen und es dauerte ein paar Sekunden bis mir klar wurde, dass diese Töne von der Band „Wizo“ stammten. Noch im Bad stehend ging ich davon aus, dass man alte Archivaufnahmen rausgekramt hatte. Doch Pustekuchen! Als ich ins Wohnzimmer trat, stellte ich fest, dass Konzertmitschnitte des diesjährigen „Area 4“-Festivals gezeigt wurden. Es war mir völlig entgangen, dass Wizo gerade ein Comeback gefeiert hatten, und als dieser Sound jetzt wieder an meine Ohren drang, überschlugen sich meine Gedanken und Gefühle. Erinnerungen an rebellische Jugendtage stiegen in mein Bewusstsein, in denen man um jeden Preis anders sein, sich von der Masse und vor allem von den „spießigen“ Eltern abheben wollte. Punk war dafür seit seiner Erfindung ein besonders hilfreiches Stilmittel.

Wollte man es grob einteilen, so gab es auf unserem Schulhof zwei Lager. Die, die die Backstreet Boys und die, die Rock- und Punkmusik hörten. Die Alben „UUAARGH“ und „Herrenhandtasche“ von Wizo erfreuten sich in letzterem Lager eine Zeit lang besonderer Beliebtheit. So auch bei mir, denn ich gehörte natürlich ins Punkrock-Lager. Is ja klar!
Wizo und Konsorten schienen alle Ideale mit Füßen zu treten, die unseren Lehrern und Eltern heilig waren. Sie waren unangepasst, unflätig in ihrer Ausdrucksweise, schissen auf die Gesellschaft, die Politik und den Staat und sangen teils von Hass und Gewalt. Intolerant war Punk allerdings nie. Wenn jemandem Hass und Gewalt entgegen geschleudert wurde, dann traf es in erster Linie die Na.zi-Schweine. Auch in Bezug auf die unterschiedlichsten sexuellen Gesinnungen, waren die Punker oft toleranter, als es sogar unsere Eltern damals noch waren.

(Ich bin schwul, ich bin jüdisch
und ein Kommunist dazu
Ich bin schwarz und behindert,
doch genauso Mensch wie du
Ich bin hochintelligent
und doch so doof wie Sauerkraut
Ich bin schön, ich bin hässlich,
ich bin fett und gut gebaut
Es gibt nichts –
nichts was dich besser macht als mich
denn auch du hast deine Fehler,
deine Fehler so wie ich
und die Fehler sind nix falsches,
sie gehören zu dir und mir
und wenn du’s nicht auf die Reihe kriegst
kann niemand was dafür

Du bist einer von Milliarden
und das musst du akzeptier’n.
Du bist einer von Milliarden Ärschen auf der Welt )

Zugegebenermaßen waren die Botschaften aber damals eher zweitrangig. Es ging darum, dass die Musik Krach war, dass Worte wie „Ficken“, „Scheiße“, „Arsch“ gegrölt wurden und unsere Erziehungsberechtigten die Hände über dem Kopf zusammenschlugen.

Seitdem sind ein paar Jahre vergangen, unsere Ziele, Ideale und Wertvorstellungen haben sich verändert. Die Rebellen von damals sind heute längst selbst zu Spießern geworden. Der größte Teil von uns steht jeden Morgen in der Früh auf und geht einer geregelten Arbeit nach, wir planen Familien oder haben längst welche (außer man ist Ich!). Wir drücken uns gewählter aus, legen Wert auf einen gewissen Bildungsstand und sind wesentlich erfolgsorientierter, als wir es noch in der Schule waren.

Während ich das Konzert im TV verfolge, denke ich kurz darüber nach wer eigentlich das Publikum ist. Mein Gott, wie die Leute im Publikum abgehen! Mit Sicherheit stehen da noch einige Jungs und Mädels meiner Generation in der Menge, aber viele sind 16, 17 Jahre alt. So alt wie wir damals. Die meisten von denen wissen doch gar nicht mehr wer Wizo ist. Die Hochzeiten dieser Band endeten vor ungefähr zehn Jahren, da hatte dieses Publikum gerade die Grundschule abgeschlossen. Ob denen wohl klar ist, wen sie sich da gerade ansehen?
Mir ist es klar, und ich werde bei aller Freude und den Glücksgefühlen, die die Bässe in meine Adern und meinen Bauch hämmern plötzlich wehmütig.

Wie gern würde ich selbst da unten in der Menge stehen. Wie gern wäre ich noch mal rebellisch und unangepasst. Mein Puls steigt rasant, als ich diese Circle Pits und Moshpits sehe. Warum gehe ich eigentlich nicht mehr solche Konzerte? Weil ich zu alt bin? Weil ich die Musik nicht mehr mag? Michtnichten. Mir fehlt einfach die passende Begleitung. Wenn ich mich in meinem Freundeskreis umschaue, sind die weichgespülten Chartsfanatiker eindeutig in der Überzahl. Ich gebe gern zu, dass Sigur Rós und Tina Dico heute auch öfter mal auf meinem virtuellen Plattenteller rotieren, aber Rock- und Punkmusik lösen in mir noch immer die Begeisterung von damals aus.

Nur mein innerer Rebell scheint gestorben zu sein. Ich habe den Moment nicht mitbekommen in dem ich plötzlich die Kraftanstrengungen aufgab, die es erforderte, um gegen den Strom zu schwimmen. Längst lasse ich mich treiben und schwimme Flussabwärts, um am Ende in der gleichen Suppe zu landen wie alle anderen. Ich möchte noch einmal rebellisch sein, anders sein, dagegen sein. Noch einmal meinen Schuh in der moshenden Menge verlieren.

Und dann kam der Moment, der mir die Augen öffnete. Zwischen zwei Liedern trat Sänger Axel Kurth an den Rand der Bühne. Er sagte, es sei ihm wichtig zu vermitteln, dass Wizo auch eine Botschaft habe. Es gäbe natürlich Songs über Hass und Gewalt, aber das worauf es wirklich im Leben ankäme, das was wirklich cool sei, wäre Liebe und Freundschaft. Er möge zwar im nächsten Lied davon singen, dass er seiner Freundin den Kopf abschlagen will, aber eigentliche handele das Lied vorrangig von Freundschaft.  Haha, witzig, hab ich in Anbetracht des Textes von „Gute Freunde“ gedacht:

(Du, wir können doch gute Freunde bleiben, hat sie zu mir gesagt
Darauf hätt‘ ich ihr am liebsten ihren Schädel abgehackt
Du, wir können doch gute Freunde bleiben, war ihr Angebot
Und ich frage mich noch heute: Warum schlug ich sie nicht tot?)

Aber es scheint, dass selbst die Jungs von Wizo erwachsen geworden sind. Natürlich war dieser Song schon immer ironisch gemeint, aber heute können sie die Songs von damals nicht mehr unkommentiert spielen, ihre Texte von heute sind reflektierter, erwachsener und haben wahrscheinlich wirklich eine Botschaft.

Heute geistern Sido und Bushido durch die Charts. Sie sind nun für Songs über Hass und Gewalt zuständig. Die Frauenverachtung ist heute ein zusätzlicher Aspekt. Wizo halten mit ihrem neuen Song „Königin“ dagegen, der davon handelt, wie man seine Freundin, oder auch seinen Freund, wirklich behandeln sollte. Doch es ist ja nicht allein eine Frage von Musik. Man muss nur den Fernseher anschalten. Religionskriege, Selbstmordattentate, Bürgerunruhen, Krawalltalkshows, Rassenkonflikte, Armut und Hungersnöte, die der westlichen Wohlstandsgesellschaft schon längst am Arsch vorbei gehen, bestimmen unsere Nachrichten. Hass und Gewalt ist heute überall um uns herum. Man muss dafür eigentlich gar keine Nachrichten schauen. Es reicht oft schon sich umzusehen. Umzingelt von Nachbarschaftskriegen, Intoleranz und Diskussionsunfähigkeit sind Liebe und Freundschaft plötzlich zu raren Gütern geworden.In meiner Schulzeit war „Friede. Freude. Eierkuchen.“ gefühlsduselig und somit peinlich. Zumindest aus Sicht der damaligen Punks sind heute eher die peinlich, die jetzt auf Gangsta machen und es geil finden, wenn sie sich in ihren Ghettos gegenseitig die Zähne ausschlagen.

Heute sind die Rebellen die, die Liebe und Freundschaft für die wichtigste Grundlage zwischenmenschlicher Beziehungen halten. Man steht damit auf der anderen Seite. Mit Sicherheit sind wir damit dem Wunsch unserer Eltern und Lehrer wieder näher, aber gesamtgesellschaftlich ist Liebe eine rebellische Forderung. So gesehen hat sich für mich eigentlich doch nichts geändert. Ich habe mich weiterentwickelt und bin dadurch automatisch ein Rebell geblieben.

Katzenglück

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Hallo Welt,

hab ich nach der langen Zeit überhaupt noch irgendwelche Leser?
Na egal, darum ging es eigentlich nie. Solltet ihr aber noch da sein, freue ich mich natürlich.
Noch mehr freue ich mich heute allerdings über etwas ganz anderes.

Meine beiden Kater lassen sich folgendermaßen charakterisieren:
Marlon, der ewig verkuschelte Schmusetiger mit der großen Angst vor allem was Geräusche macht.
Und Spencer, der Draufgänger der gar nicht weiß was Angst überhaupt ist, aber nur dann gekrault werden will, wenn er sich dafür lasziv in Position geworfen hat.

Marlons größtes Glück ist es, wenn ich mich abends ruhig auf meinen Sessel setze, so dass er sich gemütlich auf meinen Schoß kuscheln und sich stundenlang in Trance kraulen lassen kann. Leider ist das bei Spencer ganz anders. Er hat mir wohl nie verziehen, dass ich ihn quälen musste, kaum dass er bei mir angekommen war. Da er sich weigerte freiwillig seine Durchfall-Tabletten zu fressen, war ich gezwungen ihm die Tabletten aufgelöst in einer Spritze in den Mund zu drücken. Auf seine heftige Gegenwehr konnte ich damals leider keine Rücksicht nehmen. Doch das führte auch dazu, dass es ihm schwer fällt Vertrauen zu mir aufzubauen. Er lässt sich zwar streicheln, aber nur für eine gewisse Zeit und auch nur an seinem Schlafplatz oder auf dem Boden, dann scheint ihm das Risiko zu groß zu werden.

Doch heute ist endlich das große Wunder geschehen. Während ich ein fast fünfstündiges Telefonat mit einer Kollegin der TS führte (obwohl ich eigentlich ein langes Telefonat mit jemand ganz anderem führen wollte, der mir am Herzen liegt und der viel zu lange nichts von mir gehört hat), kam Spencer völlig überraschend auf meinen Schoß gekrabbelt, kuschelte sich ein und verlangte eine viertelstündige Streicheleinheit. Das hat er zuvor noch nie gemacht!

Es ist unglaublich was es in einem Menschen auslösen kann, wenn so ein kleines Tierchen einem so völlig unvermittelt und überraschend sein Vertrauen schenkt. Das war der größte Liebesbeweis den Spencer mit nur hätte erweisen können. Jetzt bin ich sicher, dass auch wir noch große Kuschelfreunde werden können. Ich bin so erleichtert und glücklich.

R.I.P. Gerlach Fiedler

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Eine der außergewöhnlichsten Reibeisenstimmen Deutschlands ist von uns gegangen.

Gerlach Fiedler war vielen bekannt als das erste Krümmelmonster (es gab später noch andere) und wird in meinem Herzen für alle Zeit liebevoll der „Naja“-Mann genannt werden. In der Drei-Fragezeichen-Folge „Der Karpartenhund“ sagte er innerhalb von 1,5-2 Minuten gefühlte 100 Mal das Wort „Naja“. 😉

Gerlach Fiedler wurde 85 Jahre alt. Sprecherfans wie ich werden ihn schmerzlich vermissen!
Möge er in Frieden ruhen, wo er immer nun sein mag!