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Wie man anderen den Tag rettet

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Es gibt eine ganze Reihe von „Dingen“ an denen es einem mangelt, wenn man Single ist. Eines davon, das in seiner Bedeutsamkeit oft unterschätzt wird, ist das Kompliment. Besonders das überraschende Kompliment. Daran mangelt es freilich nicht nur Singles, aber ich weiß, wie sehr man manchmal danach dürstet. Die größte Wirkung entfaltet es, wenn es von jemandem kommt, den man nicht kennt, der kein Freund oder Famillienmitglied ist. Es muss auch keinen Flirtcharakter haben, um einem den Tag zu retten.

Beispiele aus der jüngeren Vergangenheit:
Vor einiger Zeit führte ich abends den Hund meines Vaters Gassi. Ich fühlte mich an dem Tag wie Erna. Das Haar oben fettig, unten trocken. Nach einem langen Tag quasi keine Schminke mehr im Gesicht. Am Köper die letzten drei Kleidungsstücke, die gerade nicht in der Wäsche waren und eher in die Kategorie „minimal besser als der Kartoffelsack“ fallen. In diesem Zustand tritt man vor die Haustür in der Hoffnung von niemandem gesehen zu werden.
Wir hatten unsere Runde schon fast beendet, ohne nennenswerte Begegnungen mit anderen Menschen, als der Hund auf dem letzten Drittel eine andere Hündin entdeckte, die natürlich unbedingt sofort zum Spielen aufgefordert werden musste. Und natürlich hing am anderen Ende der Leine auch ein Herrchen. Sowohl ich, als auch der Hund, kannten diese Hündin schon. Allerdings nur in Kombination mit Frauchen. Jetzt stand also das dazugehörige Herrchen vor mir. Ein Mann, der wohl schon so auf die sechzig zugehen mag. Und während unsere Hunde miteinander tobten, kamen wir natürlich ins Gespräch. Als ich meinen Weg gerade fortsetzen wollte, sah der Mann mich an und sagte: „Du siehst wirklich bildhübsch aus.“ Wie bitte? Ich hab mich wohl verhört. Doch er setzte nach: „Wirklich. Ein hübsches Mädchen.“ Ich konnte es kaum fassen und nutzte drei Meter weiter eine Autoscheibe als Spiegel. Mein erster Gedanke war, dass der mich doch verarscht haben muss. Mein zweiter war, dass er mir damit gerade ganz schön den Tag gerettet hat.

Heute war ein Tag an dem ich mich nicht ganz so fürchterlich fühlte, wie an oben beschriebenem Tag. Aber auch kein Tag für ein Fotoshooting. Nach der Arbeit war ich noch lang unterwegs und sprintete abschließend auf den letzten Drücker in den Supermarkt. An der Kasse saß ein durchaus ansehnliches Mädel. Etwas zu stark geschminkt, aber hübsch. An einem mittelmäßig bis schlechten Tag ist sowas eher kontraproduktiv. Wegen der ständigen Vergleiche, die man im Kopf anstellt.
Als ich zahlen wollte, lächelte sie mich an und sagte: „Du hast aber tolle Haare.“ Meine ungläubige Antwort: „Ach ja?“ „Ja, echt schön.“ Und was soll ich sagen? Tag gerettet.

Als ich meinem Vater damals den Hund zurückbrachte und ihm die Geschichte, dieses wunderbaren Kompliments erzählte, fiel ihm auch noch etwas ein. Er war mit der neunjährigen Tochter einer Freundin im Wald unterwegs (ebenfalls mit Hund), als sie ihn in ansah und fragte: „Du, wie alt bist du eigentlich?“ In dem Wissen, dass Kinder manchmal grausam sein können, schluckte mein Vater und gestand kleinlaut, dass er 52 sei. Daraufhin riss sie die Augen auf und erwiderte: „Echt? Ich dachte du bist höchstens 39.“ Das breite Grinsen mit dem er mir diese Geschichte erzählte, ließ mich erahnen, dass ihm das offensichtlich den Tag gerettet hat.

Wie oft gehen wir durch diese Welt  und treffen auf andere Menschen, die uns gut gefallen, die wir hübsch oder sofort unglaublich sympathisch finden? Und wie oft sagen wir nichts, weil wir befürchten, wir könnten dem Anderen zu Nahe treten. Wie leicht fällt es uns hingegen andere zu beschimpfen, uns öffentlich über sie aufzuregen, oder sie im Straßenverkehr als Arschloch zu betiteln. Ich weiß, es ist nicht leicht über die Lippen zu bringen, aber wenn ihr das nächste Mal durch euren Alltag stolpert und ihr seht jemanden, der euch in irgendeiner Weise beeindruckt, sagt es ihm. Vielleicht kann er es in genau diesem Moment unglaublich gut gebrauchen. Und wahrscheinlich könnt ihr ihm damit auf die einfachste Weise mal eben den Tag retten.

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About Hollywood, bäd englisch and small penises

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Auch wenn ich früher oft über ihn geschimpft habe, so fehlt er mir doch sehr, mein alter Job. Doch mit ihren unbarmherzigen dürren Fingern, riss ihn sich die Wirtschaftskrise unter den Nagel. Was sie mit ihm (und den Jobs vieler anderer Leute) angestellt hat, vermag ich nicht zu sagen. Aber vielleicht kommt ja nach der Inflation in Robin-Hood-Manier ein Wirtschaftswunder daher, und gibt den Armen und Schwachen das Diebesgut endlich wieder zurück.

Nachdem ich acht Monate lang Zeit hatte, die vielen dazugewonnen überflüssigen Stunden des Tages in meine Synchronsprecher-Datenbank zu stecken (deren enorme Fortschritte, ich erinnere gern noch mal daran, ja dann in nur einer Stunde mit rabiater Gewalt wieder zunichte gemacht wurden – was für eine unglaubliche Verschwendung an Lebenszeit…), kam dann aber doch noch ein guter Samariter des Weges. Dieser Samariter war mein ehemaliger Chef, der die Firma schon zwei Jahre vor allen anderen freiwillig verlassen hatte, mittlerweile selbstständig ist und freundlicherweise noch einmal an mich dachte. In seiner Selbstständigkeit dreht er an vielen Rädern (noch keines davon wirklich groß) und verkauft gefühlte 20 Produkte unter gefühlten 15 Firmennamen, die alle nicht das geringste miteinander zu tun haben. Doch tief in unseren Herzen, hoffen sowohl er als auch ich, doch nochmal in die alte Branche zurückkehren und wenigstens wieder das selbe Produkt wie damals verkaufen zu können.

Nun tauchte vor einiger Zeit ein netter Herr aus Irland auf, der zufällig genau dieses Produkt verkauft und noch „Dealer“ (wir benutzen dieses Wort so tatsächlich!) für Europa sucht. Nach tagelangem Emailverkehr flog der gute Mann heute bei uns ein. Da aber mein Chef Deutsch, Englisch, Schwitzerdütsch und Hände und Füße miteinander vermischt, was zu einem oft undefinierbaren Wortbrei führt, musste die gute Frau Brummsel mal wieder (wie früher) als Übersetzerin ran. Doch Ojeee, kennt ihr diese Tage, an denen man aus unbekannten Gründen einen Knoten in Zunge und Hirn hat? Ausgerechnet heute war dieser Tag! Erst habe ich noch geglaubt, ich täte mich deshalb im Übersetzen so schwer, weil mein Cheffe sich den ganzen Tag so verquer ausgedrückt hat, dass ich den Sinn seiner Sätze schon in Deutsch kaum verstanden habe.Vielleicht hat ja heute einfach jeder einen Knoten in Zirn und Hunge. Schlechtes Karma? Warum war dann aber das Englisch des Iren so perfekt? To make a long story short, ich haspelte mir ordentlich einen zurecht. Den ganzen langen Tag ärgerte ich mich über mich selber green and black, und wäre am liebsten in the earthground disappeared. Lies den Rest dieses Beitrags

…the kind that blindsides you at 4 pm on some idle saturday…

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Am gestrigen Samstag war es mal wieder dringend notwendig, dass mein weltbester Huck und ich, uns auf einen Starbucks-Kaffee trafen. Schön gemütlich Käffchen schlürfen, Kippchen rauchen, Muffin mümmeln und übers Leben sinnieren.
Schön war’s!

Auf dem Weg zum Treffpunkt, lief im Autoradio Kabarett mit dem großartigen Wilfried Schmickler. Einerseits hab ich Tränen gelacht, andererseits blieb mir auch oft genug das Lachen im Halse stecken. Aus dem 45-minütigen Programm, habe ich mal die besten 20 für Euch heraus geschnitten. UNBEDINGT ANHÖREN! Hier!
In seiner unverwechselbaren Art lässt sich Schmickler zur Finanzkrise, dem Missbrauchsskandal der katholischen Kirche, unserem Umgang mit den Türken, und Guido Westerwelle und die HartzIV-Empfänger aus. Letzteres fand ich besonders schön angeprangert. Unter anderem kommentiert er den Vorschlag, dass HartzIV-Empfänger ja mal unseren Schnee schippen könnten, mit den Worten, dass wir ja dann darüber hinaus auch noch ein paar weitere anheuern könnten, die dann mit einer Schneekanone dafür sorgen, dass auch alle immer schön was zu schippen haben.
Und wie es der Zufall so will, fordert noch am gleichen Nachmittag das schöne Kabarettstückchen seinen Tribut.

Nichts Böses ahnend, sitzen der Huck und die Brummsel mit ihrem Käffchen am Binnenhafen und diskutieren über Beziehungen und Nicht-Beziehungen. Zwischendurch darf sich die Brummsel dann noch anhören, dass das bei ihr mit den Männern nichts werden könne. Denn wenn sie erstmal zum Reden ansetzt, könne kein Mann der Welt mehr bis zum Ende ihres Satzes geistig folgen. Das schrecke ab!

Und während ich mich gerade mit den Worten verteidigen will, dass das ja wohl weniger mein Problem, als das der Männer ist, schlurft ein Rentnerehepaar an uns vorbei. Zu Recht echauffieren sich die beiden darüber, dass jedermann meint, seinen Müll in der Randbegrünung entsorgen zu müssen. Und dann sagt der Oppa ihn, den Satz der zu befürchten war: „Dat wär do wat für die HartzIV-ler. Dat solltense ma machen, statt zu Hause zu hocken. Hier, den Müll könnse ma entsorgen. Wenn jeder von denen nur ma fünf Minuten am Tach ne Zange inne Hand nähme, dann säh dat hier schon anders aus. Aber darum kümmert sich ma wieder keiner.“
Ich bin wirklich überhaupt kein Mensch, der zu Gewalt neigt, aber in diesem Moment juckte es mir kurz und heftig in der Faust. Nein, sagen wir es anders: Ich wäre vor Wut fast explodiert. Dieser Opa, der wahrscheinlich noch vom Wirtschaftsaufschwung nach dem 2. Weltkrieg profitieren durfte, heute vielleicht noch als einer der Letzten das Glück hat, eine recht angenehme Rente zu kassieren, und seit mind. 15 Jahren vom Arbeitsmarkt runter ist, schreit lauthals unreflektierte Bildzeitungs-Parolen durch die Weltgeschichte. Ich hätte platzen können! Ja, ihr merkt es, ich bin KEIN FDP-Wähler!
Und was fällt dem Huck dazu ein? „Aber wenn Du Dich so aufregst, bist Du ja schon irgendwie süß!“ Seufz!

Warum Chatroulette besser ist als sein Ruf

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Im Internet wird seit längerem, und in den Medien seit kurzem, die neuste Errungenschaft des Web 2.0 heiß diskutiert. Ihr Name: Chatroulette!

Eine Chatroulette-BegegnungNachdem am Freitag Nachmittag sogar der EinsLive Moderator kurz über seine Erfahrungen berichtete, war ich endgültig so neugierig, dass ich es jetzt auch mal ausprobieren wollte. Also nutzte ich das Wochenende für eine, naja, sagen wir mal…. analytische Studie.

Für alle die bis jetzt noch im Dunkeln tappen, sei das Prinzip Chatroulette kurz erklärt. Man schließt seine Webcam, und wenn man besonders mutig ist sein Mikro an, begibt sich auf chatroulette.com und klickt „New Game“. Der Bildschirm ist dreigeteilt. Rechts befindet sich das Chatfenster in dem man sich schriftlich austauschen kann. Links unten sehe ich das, was meine eigene Kamera gerade filmt und links oben sehe ich meinen Chatpartner. Darum geht es! Man wird völlig willkürlich und absolut anonym mit einem Chatpartner irgendwo auf der Welt verbunden. Live und in Farbe! Gefällt einem nicht was man zu sehen bekommt, drückt man F9 auf der Tastatur und schon wird man mit der nächsten Person verbunden. Chatroulette versteht sich selber als „Spiel“ und das ist auch nicht wirklich falsch. Erfunden wurde das Ganze von einem 17-jährigen Gymnasiasten aus Moskau. Jede Ähnlichkeit zu „Russisch Roulette“ ist rein zufällig und entspricht nicht der Intention des Erfinders.

Die stärkste Kritik der sich Chatroulette ausgesetzt sieht ist die, dass es sich hierbei um einen Tummelplatz für Exhibitionisten handelt. Ich müsste lügen, wenn ich versuchen würde das abzustreiten. Die vorrangig männlichen Zeigefreudigen dieser Welt, zeigen was sie haben (oder erst groß schrubbeln müssen) und die Voyeuristen freuen sich über die kostenlose Beglückung. Nur ist es leider so, dass das in Wahrheit kaum einer sehen möchte und so fallen die meisten, sich hart arbeitenden Knaben der F9-Taste zum Opfer. Doch der Reihe nach… Lies den Rest dieses Beitrags

Engel für den Augenblick

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Dieses Ereignis liegt schon ein paar Monate zurück, aber ich erzähle gern davon, weil es mich heute noch bewegt und auch die meisten Menschen denen ich davon berichte.

Es muss ungefähr im September 2009 gewesen sein. Es war einer dieser Tage an denen man sich einfach rundherum beschissen fühlt. Einer der Tage, an dem Dir schon beim Aufwachen die Tränen in den Augen stehen und Du weißt nicht mal so genau warum. Du magst es ahnen, aber warum sie ausgerechnet jetzt mit solch einer Heftigkeit nach draußen drängen, kannst Du Dir nicht erklären. An einem solchen Tag geht natürlich auch alles schief was nur schief gehen kann, du stolperst über deine eigenen Füße, schmeißt Sachen um, hast Lust auf überhaupt nichts und obendrein auch noch einen Bad-Hair-Day. Meine Laune hatte ihren Tiefpunkt also erreicht. Aber es half ja alles nichts. Im Bett verkriechen und einfach zwei Stunden heulen war nicht drin, denn meine beiden Kater Marlon und Spencer maunzten mich hungrig an und das Futter war alle. Mein eigener Kühlschrank hatte auch nichts mehr zu bieten und so war ich doch tatsächlich gezwungen, einen Schritt vor die Tür zu wagen. „Na großartig! Wenn mich jetzt einer nur schief anguckt, flippe ich wahrscheinlich aus!“, dachte ich. Lies den Rest dieses Beitrags