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Signale

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Im Idealfall beginnt eine Beziehung damit, dass sich zwei Menschen ineinander verlieben. Beide jeweils in den anderen. Verliebt sich nur einer, führt das in der Regel zu nichts. Es besteht jedoch eine Notwendigkeit darin, den anderen auch wissen zu lassen, dass man in ihm oder ihr den Hauptgewinn entdeckt zu haben glaubt. Nur dann hat der andere die Möglichkeit einzuräumen, dass er genauso denkt. Um sich aber nicht in die Nesseln zu setzen, geht man nicht hin und teilt dem Angebeteten platt mit, wie scharf man auf ihn ist. Stattdessen werden vorsichtige Signale gesendet. Ungefähr an diesem Punkt setzt für mich die völlige Verwirrung ein.

Es ist ja nicht so, dass in meinem langen Singledasein nicht der ein oder andere Mann meinen Lebensweg gekreuzt hätte, der eventuell ein Partner hätte werden können. Auch Signale gab es jede Menge. Signale, die mich manchmal haben deuten lassen, dass ein tiefergehendes Interesse bestünde.
Es gab Männer, die nicht in der Lage waren, ihren Blick von mir abzuwenden. Es gab Männer, die regelmäßig und intensiv Kontakt zu mir suchten. Es gab Männer, die in meiner Gegenwart nervös wurden. Es gab Männer, die mir offensive Komplimente machten. Für manche Männer war ich eine schöne Frau, für andere eine tolle, oder eine intelligente, oder eine mit einem traumhaften Lachen. Manche fanden mich hübsch, andere sexy oder scharf. Manche mochten meine Mimik und Gestik. Einigen gefiel mein Humor. All diese Dinge wurden tatsächlich so direkt gesagt oder geschrieben. Es hat nur selten etwas bedeutet!

Ging ich auf die Signale ein, bekam ich dann folgendes zu hören:
– Ja, ich habe ja auch gern Kontakt zu dir, aber mehr auch nicht. – Jemanden schön, oder toll, oder klug, oder interessant zu finden, bedeutet noch lange nicht, dass man mit demjenigen auch zusammen sein möchte. – Eigentlich war es doch nur freundschaftlich gemeint. – Ich war doch einfach nur nett. – Du bist ja auch toll, aber nicht perfekt genug für mich. – Du weißt aber schon, dass ich liiert bin? – Es gehört zu meinem Job mit dir zu flirten (Barkeeperphänomen).
Und selbst ein Kuss bedeutet mittlerweile überhaupt nichts mehr. Küsse sind offenbar zu einer bedeutungslosen Freizeitbeschäftigung geworden.

Ich stehe mit diesen Erfahrungen nicht allein da. Ähnliches haben fast alle Frauen in meinem Freundeskreis schon erlebt. Eine Freundin hatte sogar über Wochen ein ziemlich intimes Verhältnis mit einem Mann. Man teilte den Humor, die Interessen und selbst im Bett ging es heiß her. Von seiner Seite aus hieß das natürlich rein gar nichts. Ganz schön bescheuert von ihr das zu glauben, was? Wer jetzt glaubt, dass dieser Typ grundsätzlich durch die Betten irgendwelcher Frauen springt, der irrt. Er war tatsächlich auf der Suche nach einer passenden Frau, die er kurze Zeit später auch fand. Egal wie gut es mit meiner Freundin lief, letztenendes hatte sie eben einfach die falsche Haarfarbe.

Doch wenn all diese Signale offenbar nichts bedeuten, was bedeutet dann überhaupt noch etwas? Woran erkennt man ehrliches Interesse? Und wann muss man befürchten, dass man eben doch nur  eine interessante Bekanntschaft ist? Ich werde daraus nicht mehr schlau.

Solltet ihr die Antwort schon gefunden haben, dann immer her damit. In meinem Freundeskreis würden sich so einige darüber freuen.

Glücksgefühle – Der 100. Artikel

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Es ist ein Wunder geschehen und ich möchte die frohe Botschaft mit Euch teilen!

Wie bereits angedeutet, war ich nach fünf Monaten erfolgloser Wohnungssuche der Verzweiflung äußerst nahe. Nachdem ich haufenweise völlig verranzte Butzen in beschissener Lage zu überteuerten Preisen ansehen musste, war mir klar, dass ich wohl nicht darum herum kommen würde Abstriche bei meinen Ansprüchen machen zu müssen. Aber weniger als drei Zimmer kam nicht in Frage, Nachtspeicher schon gar nicht. Ohne Balkon? No way! Ohne Badewanne? Unmöglich! Wieder Schrägen? Absolut ungern!

Ab zweite Etage aufwärts? Nur wenn nicht anders möglich. Doch von meiner traumhaften Wohnlage am Waldrand sollte ich mich wohl gedanklich lieber verabschieden.

Mitte Juli sah ich mir dann erstmals eine Wohnung an, die nahezu alles erfüllte was ich mir erhofft hatte. Dreieinhalb Zimmer, grosser Balkon, Zentralheizung, Abstellkammer, Badewanne, 76 m², spottbillige 350 € kalt!
Nachteile: 2. Etage, vorne raus eine Hauptstraße, eine Tanke und die Feuerwache, (dafür aber hinten raus den Stadtpark). Aber gut, alles Abstriche, die ich in Anbetracht der Vorteile in Kauf genommen hätte. Doch der größte Haken von allen war ein erforderter Wohnberechtigungsschein. Zwar war die Vermieterin von mir so begeistert wie ich von der Wohnung, doch es stellte sich heraus, dass ich selbst mit Betrug nicht an den WBS gekommen wäre. Und da es haufenweise Interessenten gab, gab es keinen Grund zu hoffen, dass die Vermieterin für mich die Wohnung drei Monate leer stehen lässt, um sie mir dann doch noch ohne WBS vermieten zu dürfen.

Als ich heute morgen verschlafen in der Küche stand und meinen Kaffee kochte, klingelte mein Telefon. Nicht eine Sekunde hätte ich vermutet, dass es die Vermieterin besagter Wohnung sein könnte. Sie hat noch mal mit dem Wohnungsamt telefoniert und wenn ich am 01.10. einziehen würde, wären die drei Monate Wartezeit um, der WBS damit hinfällig, mehr Miete müsse ich dennoch nicht zahlen und überhaupt waren alle anderen Interessenten viel doofer als ich.
Was sollte ich noch sagen, außer JA, ICH WILL!!!
Bei der tollen Aufteilung, der großen Zimmer, dem schönen Balkon und vor allem diesem Preis, nehme ich die Lage an der Hauptstraße nur zu gern in Kauf.

Vor lauter Freude habe ich gerade in meinem alten Wohnzimmer zu dem Bollywood-Kracher Maahi Ve getanzt, da der dazugehörige Film mal wieder im Fernseh lief und ich diesen Tanz mit meinem Huck eigentlich immer tanze, wenn die gute Laune und Freude kaum noch auszuhalten sind.

Damit auch gleich liebe Grüsse an Raven (die hoffentlich unversehrt ist) und diese schrullige Bollywood-Liebe mit mir teilt.
Apropos Raven. Die nächsten Wochen werde ich mit Kisten packen verbringen und vor allem damit, mich von allem alten Ballast zu befreien. Nichts was ich im letzten Jahr nicht in die Hand genommen habe, nehme ich mit. Dazu gehört auch meine gesamte Barbie-Ausstattung, die ich mal hoffnungsvoll für meine zukünftigen Kinder aufbewahrt hatte. Da aber niemand sich erbarmen möchte, mich irgendwann mal zur Mutter zu machen und vor allem moderne Kinder einen Dreck auf meinen alten Plunder geben, werde ich demnächst alles was noch schön ist für Dich, liebe Raven, fotografieren. Was Du noch brauchen kannst, darfst Du von Herzen gern haben. Da erfüllt es wenigstens noch einen wunderschönen Zweck.

Und wer gerade gar nicht begreift, wovon die olle Brummseltante hier quatscht, der klicke bitte in meiner Blogroll auf „Raven’s Deep Forest“ und werfe einen Blick auf den kreativsten Blog im ganzen Internet!!

Kleine Halloween-Nachlese

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So, Halloween ist vorbei, aber es wirkt noch kräftig nach.
Was nach der Samstags-Party noch kein Probelm darstellte, entpuppte sich nach Sonntag als ein kleiner Alptraum.
Die großen Narben auf der Stirn und der Wange bestanden aus angeklebtem Wachs. Da die Sonntags-Party bis in die frühen Morgenstunden andauerte, hatte ich diesen fiesen Kleber letztendlich gute 12 Stunden auf dem Gesicht. Das mochte meine Haut gar nicht. Es ging los mit großen roten Pusteln an genau den Stellen, an denen zuvor der Kleber war. Sämtliche Versuche der Selbstbehandlung mit Wund- und Heilsalbe schlugen fehl, auch eine Spezialsalbe aus der Apotheke half nur bedingt. So verschlechterte sich mein Zustand so rapide, dass am Mittwoch mein halber Kopf auf Melonengröße angeschwollen war, mein linkes Auge konnte ich gar nicht mehr öffnen und sogar mein Hals war so stark angeschwollen, dass ich schon um Luft ringen musste. Um einen verspäteten anaphylaktischen Schock zu verhindern, hat mir dann mein Arzt die volle Dröhnung verpasst: Cortison zu Einnehmen, Cortison zum Einreiben und Antiallergikum.
Mein Gesicht ist jetzt zwar nicht mehr geschwollen, aber meine Haut ist nun wirklich zombieähnlich. Die Verletzungen die am Wochenende noch geschminkt waren, sind jetzt beinahe echt, und ich bete inständig, dass nicht wirklich Narben zurückbleiben. Ich hab ein bisschen Angst davor.  Wie ärgerlich, wenn einem der große Spaß im Nachhinein so verhagelt wird!

Doch dieser Blog hieße nicht „Herzbrei und Gefühlssuppe“ wenn es hier nicht eigentlich genau darum gehen sollte. Kommen wir also zum Punkt.

In meinem heutigen Zustand wäre es mir wohl kaum möglich, Komplimente von außerhalb in mich aufzusaugen und mich in mein eigenes Spiegelbild zu verlieben. Zum Glück war das am Wochenende noch ganz anders und so kam es zu einer sehr speziellen Begegnung mit dem Männlein, die ich versuche so kurz wie möglich wiederzugeben.

Etwas verunsichert traf ich auf der Party „der Schönen“ ein, aber ich hatte Vorlaufzeit um mich einzugewöhnen, denn das Männlein war noch nicht da. Es tauchte auf, als ich schon gar nicht mehr mit ihm rechnete und wurde von mir keines Blickes gewürdigt. Zumindest nicht so, dass er es mitbekommen hätte. Umgekehrt konnte man das nicht gerade behaupten. Verunsichert beobachtete er, wie sein begleitender Freund meine Maskerade lobte, während er selbst wie ein Häuflein Elend im Hintergrund rumlungerte. Es dauerte nicht lang, bis er sich gegenüber der Schönen enttäuscht darüber äußerte, dass ich ihn ja völlig ignorieren würde. Mitleid erntete er dafür aber nicht von ihr. So schlich er circa vier Stunden um mich herum, bis wir irgendwann am Lagerfeuer im Garten aufeinander trafen, wo wir uns beide eine Zigarette gönnten. Zwischen uns endloses Schweigen. Aber es standen ja auch noch andere Leute drumherum. So auch die Schöne, die irgendwann unvermittelt meinte: „Ihr kennt euch, oder?“

Das war sein Stichwort. Sein Stichwort, um endlich NICHT zum Punkt zu kommen. Ich versuche einen Monolog, der in dieser Variante ungefähr und ungelogen zwanzig Minuten dauerte, abzukürzen: „Ach. Ach jee. Oh Gott. Brummsel ( er sagte stattdessen natürlich meinen echten Namen)… was soll ich sagen… ich kann nicht… Das ist so… was kann man… was soll man… ach Brummsel… ich bin so…. überwältigt… man kann gar nicht… ach Brummsel… das ist so… Was macht man da?… wie soll ich…“ So ließ ich ihn stammeln und verharrte in Stillschweigen. Irgendwann konnte ich dann doch nicht mehr an mich halten und musste mal kurz genervt dazwischen fragen: „Sag mal, wird das heute noch mal zu irgendwas führen, oder soll ich mir den tieferen Sinn dieser gehaltvollen Aussagen selbst zusammen reimen?“
Stutzen! Weiteres Stammeln! Unter gefühlter 250-facher Aussage meines Names, erstammelte er mir, wie überwältigt er davon sei, mich noch einmal wiederzusehen und die Gelegenheit zu haben, mir zu erklären, wie es in ihm aussähe. Ich musste mehrfach fragen, warum er diese Gelegenheit denn dann nicht auch endlich mal ergreift.

Je länger er stammelte (ich muss ihm zu Gute halten, dass sein Alkoholpegel zu diesem Zeitpunkt schon sehr beachtlich war), desto größer wurde mein Selbstbewusstsein. Er schien tief getroffen zu sein, als ich ihn fragte, warum er noch immer genau so eine Wurst sei, wie er es vor schon zwei Jahren war. Wie es sein kann, dass einer mit so breiter, stolzer Brust durch die Weltgeschichte stolziert, aber dann einfach nicht in der Lage ist, mal drei klare Sätze zu formulieren? Wie einer seine harten Worte nur über die Lippen bringt, wenn er sich hinter einer Email verstecken kann, aber von Angesicht zu Angesicht gerade mal zum Wackelpudding taugt? Und je mehr er körperlich zusammensackte, desto mehr richtete sich meine Wirbelsäule auf. Was für ein unglaublich gutes, lang nicht mehr erlebtes Gefühl! Ich lache noch heute!

Meine Freunde, die dieses Spektakel bezeugen durften, waren sich natürlich letztendlich alle einig, dass es sich bei dem Männlein um einen unglaublichen Schwätzer handelt. Und sie haben damit vermutlich extrem recht. Andererseits muss ich gestehen, dass ich ihn sich ziemlich lange habe erklären lassen. Und es kam dabei so einiges über seine Lippen, das ich dann doch nicht mehr erwartet hätte. Ich lachte ziemlich laut auf, als er behauptete, sein Herz wäre damals gebrochen gewesen und er habe zum ersten Mal seit langem wieder geweint. Warum hat er bitte geweint? Womit sollte ich ihn bitte verletzt haben? Er beteuerte einen großen Fehler gemacht zu haben und als ich ihn damit konfrontierte, was er mir damals alles um die Ohren geworfen hat, schämte er sich sehr für seine Worte. Er hätte nach mir nie wieder eine so tolle und seelenverwandte Frau getroffen. Eigentlich müssten wir jetzt knutschend auf einer Bank sitzen. Er wünschte so sehr, ich würde ihn nicht mehr hassen und er könnte noch einmal von vorn anfangen. Ich sagte ihm, dass ich ihn nicht hasse. Ein derart inniges Gefühl könne ich für ihn gar nicht erübrigen. Und wieder sackte er zusammen. Aber das hielt ihn nicht davon ab, mir Komplimente zu machen.
Es soll Frauen geben, die Männer nicht mehr ernst nehmen können, wenn ein Mann vor ihnen im Staub kriecht. Das hat berechtigte Gründe. Aber wenn man nur selten Komplimente von Männern hört, die einem mal gefallen haben, oder gefallen könnten, oder in gewissen Punkten passen könnten, und wenn man sich jahrelang mit einem einsamen Herzen durch die Weltgeschichte schlägt, dann läuft man schnell Gefahr, dass diese Komplimente auf fruchtbaren Boden fallen. Also war ich jetzt erstmal damit beschäftigt, mich innerlich zu wappnen. Wie könnte ich mich jemals wieder auf einen Mann einlassen, der mir mal das Gefühl gegeben hat, äußerlich eher abstoßend zu sein? Auch wenn er diese Aussage jetzt noch so sehr revidiert.

Es gab eine Situation in der ich in Decken eingehüllt am Lagerfeuer stand. Da die Decken in diversen Lagen um meinen Körper drapiert waren, würde ich es nicht beschwören wollen, aber ich bin mir dennoch sicher, dass er auf einem Stuhl neben mir sitzend, eine sehr lange Zeit lang meinen Rücken gestreichelt hat. Äußerlich ließ ich mir das nicht anmerken und würdigte ihn währenddessen keines Blickes, innerlich wünschte ich mir, dass exakt diese Situation von anderen Umständen begleitet wäre. Es war fünf Uhr morgens, als er vor anderen Partygästen, die uns nicht kannten, behauptete, er wäre mein Freund. Ein „Ja, klaaaaaar!“ und stark verdehte Augen waren meine Antwort.

Ich hab ihn den ganzen Abend mit einer derart kalten Schulter abgewiesen, dass nun er derjenige sein mag, der verletzt in seinem Kämmerlein hockt. Ich sollte mich freuen! Ich sollte weiter lachen und mein neu erworbenes Selbstbewusstsein stolz durch die Gegend tragen. Und irgendwie tue ich das auch. Es gibt da ein inneres Gefühl, dass mir sagt, dass man mir so schnell nichts mehr anhaben kann. Es gibt da ein Gefühl, dass viel mehr in mehr steckt, als ich je von mir erwarte hätte.
Aber es fühlt sich auch an wie ein Déjà-Vú. Ein Déjà-Vú vieler verpasster Chancen und vieler, vieler Männer, die mich einst schroff abgebügelt oder ersetzt haben und Jahre später wieder auftauchen und ihre verpasste Chance mir gegenüber bedauern. Dann, wenn alles bereits zerstört ist. Wie ein roter Faden zieht sich das durch mein Leben. Ich könnte locker 15 derartige Geschichten erzählen. Sogar mein Exfreund taucht just in diesen Tagen mit ganz ähnlichen Tendenzen wieder auf. Nur ist diese Geschichte die erste, in der ich die Chance nutzte, die kalte Schulte Jahre später zu erwidern. Ich sollte richtig glücklich sein!

Warum nur bin ich es nicht?

Zurück zum Alltag

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Was für eine Farce.
Ich weiß noch nicht, ob ich traurig, wütend oder enttäuscht sein soll.  Ich weiß nur, es war schlecht, schlecht, schlecht! Es ist ein schwacher Trost, dass am Anfang niemand geglaubt hätte, dass wir überhaupt so weit kommen würden. Immerhin 3 Spiele lang hat Deutschland doch wieder euphorisch ans Finale geglaubt. Da sitzt die jähe Enttäuschung tief. Noch blöder ist es für mich. Ich habe zwar immer kräftig die Daumen gedrückt, aber tief in mir drin, habe ich 5 Spiele lang nicht an die Jungs geglaubt. Ich habe immer mit dem WM-Aus gerechnet. Ehrlich gesagt hätte ich das sogar ziemlich gut verkraften können. Aber dann lieferten Jogis Jungs so tollen Fußball ab, dass ich gestern voll und ganz an den Sieg geglaubt habe. Es war mir auch nicht mehr egal. Ich wollte ihn! Diesen Sieg! Dieses Spiel gegen Holland. Jetzt muss ich, müssen wir alle, uns wohl mit dem vierten Platz abfinden. Glück für den jungen Burschen im Spanien-Trikot, der mir gestern (nach dem Spiel) einsam und allein, aber seine Klingel malträtierend, auf seinem Fahrrad entgegenkam!!

Wirklich traurig ist vor allem, dass jetzt der Alltag zurückkehrt. Jetzt grüßen wir auf der Straße wieder nur die Menschen, die wir kennen. Jedes Lächeln ringen wir uns mühsam ab und vom „in-den-Armen-liegen“ kann schon gar keine Rede mehr sein. Wo ich am Samstag noch mit Fremden feixen konnte, muss ich heute wieder schön die Klappe halten. Gesenkten Hauptes, die deutschflaggenfarbige Kriegsbemalung noch im Gesicht, kam ich gestern Nacht heim. Vor meinem Haus standen zwei Paare mittleren Alters und mittleren Humors mit ihren Fahrrädern, die Flaggen noch am Lenker baumelnd und in ein angeregtes Gespräch vertieft. Als ich sie passierte, rief ich ihnen lächelnd und auf die Fahnen deutend zu: „Na, die müssen Sie jetzt aber Halbmast flaggen!“ Ich erhielt die völlig genervte, fast schon angeekelte Reaktion: „Hä? Wat? Jaja!“ Besonders die Damen fühlten sich durch meinen kurzen Einwurf wohl stark in ihrer öffentlich gelebten Privatsphäre gestört. Das bekam ich aber nur noch hinter meinem Rücken mit, als man sich mit gesenkter Stimme, aber hoch erhobener Nase die Frage stellte: „Was wollte diiiee denn?“, „Was sollte denn das?“ Endstand im Spiel „Jeder-für-sich“ vs. „Alle-für-einen“: 1:0

Das sind die kleinen Auswirkungen, die aber bald nicht mehr auffallen werden, weil wir ja grundsätzlich an diese Zustände gewöhnt sind. Mehr Sorgen macht mir die Vorstellung, dass ca. 40% der Leute, die gestern noch laut „Ööööözil“, „Boaaaaateng“, Cacaaaaauuuuuuu“ und „Poldiiiiiiiiiii“ gerufen haben, morgen wieder den Satz „Scheiß Ausländer“ in ihren Wortschatz integrieren, alle Polen für Autodiebe halten, alle Türken für Knoblauchfresser und überhaupt alle Nichtdeutschen für Sozialschmarotzer. Ginge es nach mir, ich würde mir wünschen, dass die Euphorie noch ein paar Tage anhielte und die Rückkehr zu solchen Stammtischparolen sich noch ganz viel Zeit ließe.

Was das reine Fußballturnier angeht, habe ich schon einen kleinen Rettungsplan erstellt. Zumindest für uns Frauen. Wir sollten uns im nächsten Jahr alle zusammen tun, unsere Autos mit Fahnen schmücken, gröhlen, singen, tanzen, feiern, uns fürchterlich lieb haben, euphorisch sein und uns irgendwo public treffen und gemeinsam viewen… wie die Frauen wieder einmal Fußballweltmeisterinnen werden! Da gäbe es nämlich endlich mal einen Grund zu feiern! Bei unseren Mädels wird die Euphorie immerhin am Ende belohnt! So soll es sein.

In Bezug auf gestern sind meine Tränchen langsam getrocknet, denn als ich heute Morgen erwachte, fiel mir plötzlich wieder ein: „Hey, ich bin ja gar kein Fußballfan!“ Puh…. nochmal Glück gehabt!

Himmel und Hölle

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Hölle:

  • In der letzten Woche habe ich Eier gekauft. Ich gehe davon aus, dass die Küken in den nächsten 2-3 Tagen schlüpfen werden. Die 50 Grad Celsius, die meine Dachgeschoss-Wohnung derzeit in einen Brutkasten verwandeln, machen eine Henne überflüssig.
  • Mein Fernseher hat in der Hitze überraschend seinen Geist aufgegeben. Gut, dass man Fußball derzeit an jeder Ecke gucken kann, bzw. sich bei sämtlichen Bekannten einladen kann, sonst hätte ich ein massives Problem. Aber wer verrät mir jetzt mal, wie ich ohne die Simpsons und Two and a half Men überleben soll?
  • Die Nachbarn feiern Polterabend. Netterweise wurden alle umliegenden Anwohner schon in der letzten Woche mit Briefkasteneinwürfen auf den erhöhten Lärmpegel hingewiesen und um Verständnis gebeten. Leider endete mein Verständnis vor zwei Stunden. Seitdem höre ich ausschließlich „Ein Stern, der deinen Namen trägt“, „Love is in the Air“, Chris Roberts, Jürgen Drews, Wolle Petry, sämtliche Schlager der 70er, sowie Hits der 80er. Ich wusste gar nicht, dass Josef und Narumol in meiner Stadt heiraten, aber wenn deren DJ da unten nicht Inka Bause heißt, dann ist unser Hund Arbeitgeberpräsident! Ist das alles gruselig! Noch gruseliger ist allerdings, dass auch meine Familie das für die „ideale Partymusik“ hält und mir schwant Übles. Ey Leute, wissta wat? Sollte mich nomma irgendwann einer wollen, dann lassen wa dat mit dem Polterabend. Ich mach nur die weißes-Kleid-Nummer und organisiere mir dafür eine Band. Nix mit Partymucke von vor hundert Jahren. Kommt damit klar, oder bleibt zu Hause. Danke!

Himmel:

  • Die Abkühlung, die der Gartenschlauch von meinem Papa mehrmals täglich bietet.
  • Der Geruch von Regen an einem heißen Sommertag und die Luftveränderung, die er mit sich bringt. Es gibt nichts was schöner riechen würde, oder sich besser anfühlen könnte.
  • Völlig bescheuert albern sein und sich vor Lachen einfach nicht mehr einkriegen!
  • Deutschland besiegt Argentinien 4:0 ! Auf der Straße liegen sich fremde Menschen freudentränend in den Armen, man jubelt einander zu und lächelt sich an. Alle sind glücklich, hupen wild, schwenken Fahnen. Kinder glauben Gott gesehen zu haben (nicht nur dessen Hand)! Hachz, würde es doch nur immer so menscheln zwischen uns!!

Erkenntnis des Tages

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Ich war im Irrtum.

Mein Lebensweg verlangt nicht von mir, die eine große Sache zu finden, die mein Glück bedeuten könnte, um mir daraus einen Mount Everest zu bauen.

Vielmehr ist es meine Bestimmung, mir aus den vielen kleinen Steinchen, die mich glücklich und zufrieden machen, ein großes Lebensglücksmosaik zu erschaffen.

An Tagen wie diesen…

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Immer wenn ich gerade sehr unzufrieden bin, baue ich Luftschlösser und gebe mich Illusionen hin.
Zum Beispiel darüber, was ich viel lieber wäre (die Reihenfolge lässt keine Rückschlüsse auf die Größe des Wunsches zu):

  • Autorin
  • Synchronsprecherin
  • Sängerin / Songwriterin (sorry, talentbefreit)
  • Studentin (wer jetzt BWL vorschlägt wird standesrechtlich mit dem HGB erschlagen)
  • Schafhüterin in Neuseeland
  • Psychotherapeutin
  • Kriminalpsychologin
  • Besitzerin eines Literaturcafés
  • vergeben
  • in Berlin, London oder Neuseeland wohnhaft
  • die Erfinderin der krümellosen Brotsuppe
  • Aktivistin bei Greenpeace, Peta oder irgendwem der Tiere aus Käfigen befreit
  • acht Fremdsprachen mächtig (Englisch, Schwedisch, Französisch, Spanisch, Portugiesisch, Isländisch, Italienisch, Mandarin)
  • Kontorsionistin (neee, ich kann nicht mal Spagat)
  • Besitzerin einer Wohnung mit Balkon und Extra-chill-out-Zimmer für mich und meine Kater
  • Radiomoderatorin
  • entschlossen und zielstrebig!

Ich freu mich sooooo Prima Vista

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Zwickmühle hin oder her, der gestrige Tag wurde zum bisher schönsten des Jahres und endete mit der Erkenntnis, alles richtig gemacht zu haben! Holt Euch erstmal flott ein Käffchen und Kekse. Es ist soooo viel passiert, dass dieser Bericht seeeehr lang geworden ist!

Prima Vista
Hach, Köln ist doch immer eine Reise wert. Freut man sich in der einen Minute noch über das Auftauchen des Doms am Horizont, bekommt man in der nächsten Minute schon hektische Flecken von der elenden Parkplatzsucherei. Selbst Hinweisschilder auf vermeintliche Parkhäuser enden im Nirgendwo, und ohne meine Navi, hätten wir wohl nie eines gefunden. Nachdem aber auch diese Hürde genommen und mein Puls sich wieder auf ein Normalmaß beruhigt hat, schlendern Nina und ich zum ARTheater, nur damit mein Puls bei Ankunft direkt wieder in nie gekannte Höhen schnellt. Dieses hinterhältige Scheißerchen! Denn kaum, dass wir unser Ziel erreichen, schaue ich von hinten auf einen blanken Schädel und denke kurz, „Ha, wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich jetzt denken, da stünde Oliver Rohrbeck“.  Noch bevor ich den Gedanken zu Ende bringen kann, erblicke ich auch schon David und Simon, ins Gespräch vertieft und an einem Zaun lehnend. Um bloß nicht durch unkontrollierte Freudenschreie negativ aufzufallen, kralle ich mich in Ninas Arm fest und gehe strammen Schrittes weiter, vorbei an dem blanken Schädel. Als wir vor dem Theater stehen bleiben, drehe ich mich um und schaue…. direkt in Oliver Rohrbecks Gesicht. Woaaaah, Brummsel, jetzt nur nicht durchdrehen! Ganz ruhig. Du bist kein Teenie! Du fällst nicht in Ohnmacht! Du bist schon groß! Und cool! Und NICHT peinlich! Lies den Rest dieses Beitrags

Nicht Fisch, nicht Fleisch, aber ohne Fahrrad

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Lektion 1 auf Hectors Reise: Vergleiche anzustellen ist ein gutes Mittel, sich sein Glück zu vermiesen.

Dennoch mache ich es ständig. Nicht nur, dass ich mich vergleiche, nein, ich frage mich auch in regelmäßigen Abständen, wer und was ich eigentlich bin und wer ich stattdessen vielleicht lieber wäre. Ist es ein Fluch oder ein Segen, alles wenigstens ein bisschen zu können, aber nichts davon wirklich gut? Wo ist es denn hin, mein ganz persönliches großes Talent? Hat wohl Urlaub auf Lebenszeit.

Natürlich vergleicht man sich niemals nach unten, sondern wenn, dann immer nur nach oben. Damit es auch so richtig schön bohrt und quält! Es ist, als hättest Du die Hälfte eines Turmes erklommen und statt nach unten zu sehen, um Dich mit denen zu messen, die noch nicht mal das erste Plateau erreicht haben, richtet sich Dein Blick gen Turmspitze. In dem Wissen, dass Du denen, die schon oben stehen, niemals wirst die Hand schütteln können. Der Wunsch anders, oder eine Andere zu sein, kann mitunter stark sein. Es gibt sie immer die Leute, die etwas anders, besser, schöner, intelligenter oder origineller machen/sind/können. Du siehst sie und quälst Dich mit Selbstzweifeln, Unzufriedenheit und Steinen im Bauch. Jeder Versuch den eigenen Charakter „anzupassen“, oder mal eben das Talent anderer zu kopieren, geht natürlich in die Hose. Weil Du nur krampfhaft versuchst eine stupsnasige Maske aufzusetzen, die aber leider nicht auf Deinen riesigen Zinken passt.

Diese Gefühle kennen wahrscheinlich die meisten Menschen auf der Welt. Bei mir sind sie mal stärker und mal schwächer. (Im Moment wieder etwas stärker.) Aber die Frage ist doch, warum ist das so? Warum hat man diese Gefühle? Warum zweifelt man an sich, wäre gern ganz anders?
Ich habe meine ganz persönliche Antwort darauf gefunden. Dahinter steckt ein völlig banaler Wunsch: Der Wunsch nach Liebe! Wenn Du das Gefühl nicht kennst, oder es zumindest lange nicht mehr erlebt hast, aufrichtig für das geliebt zu werden, was und wer Du bist, dann fragst Du Dich, was Du alles ändern müsstest, um das endlich erleben zu dürfen. Wenn es einen Menschen gibt, der Dich großartig findet, der in Dir etwas ganz Besonderes sieht, dann fällt es leichter, das selber auch zu erkennen. Der Mensch braucht diese positive Reflexion. Was bringt all das Licht, das Du ausstrahlst, wenn es auf niemanden trifft, der sich davon erhellt fühlt? Wenn es sich in der Schwärze um Dich herum verliert? Das Wissen für einen Menschen „die Eine“ zu sein, würde das Gefühl überflüssig machen, immer perfekt sein zu wollen. Denn man liefe dann nicht mehr mit der Angst durch die Welt, von dem potentiellen „Einen“ übersehen zu werden, weil man gerade nicht „besonders“ genug ist.
Man wüsste dann, warum es eigentlich gar nicht falsch ist, der zu sein, der man nun mal ist. Man wüsste, wohin man gehört.

Lektion 14 auf Hectors Reise: Glück ist, wenn man dafür geliebt wird, wie man eben ist.

Eine Liebeserklärung: Tina Dico

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Einen Moment lang hatte ich überlegt mit diesem Beitrag zu warten, bis ich alle 7 Platten von Tina Dico kenne, aber ich muss davon ausgehen, dass ich dann aus dem Schwärmen überhaupt nicht mehr heraus gekommen und dieser Beitrag zehn Seiten lang geworden wäre. Bisher basiert meine große Liebe zu Tina auf nur zwei Alben:  „Count to Ten“ und „A Beginning, A Detour, An Open Ending“ und das reichte auch vollkommen aus, um mein Herz und meine Seele im Sturm zu erobern.

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Name: Tina Dico | gebürtig Tina Dickow
Geburtstag: 14.10.1977
Geburtsort: Århus in Dänemark
veröffentliche Platten: 7 seit 2001

In ihrem Heimatland Dänemark veröffentlicht Tina ihre Platten unter
ihrem Geburtsnamen Tina Dickow, in allen anderen Ländern unter Tina Dico.

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Jemandem mit Worten zu beschreiben, was das Besondere, das Emotionale, das Ausgereifte und das Berührende an einer Platte ist, ist gar nicht so einfach. Es ist ein bisschen so, als wolle man einem Blinden die Schönheit der Morgenröte erklären. Tinas Musik ist mindestens so schön wie die Morgenröte, aber glaubt ihr mir das, nur weil es hier steht und würde ihr dieser simple Satz gerecht? Mitnichten. Meine einzige Chance liegt also darin, Euch verbal so viele Leckerbissen vor die Füße zu schmeißen, dass Ihr neugierig genug werdet, selber in ihre Platten hineinzuhören, um Euch dann zu verlieben.

Als ich bei „Inas Nacht“ das erste Mal über Tina stolperte, war ich so begeistert, dass ich mir den dort präsentierten Song „Count to Ten“ sofort bei iTunes organisierte. Schon eine halbe Stunde später, und nach ein wenig weiterer Recherche bei YouTube, stattete ich iTunes virtuell einen zweiten Besuch ab und kaufte auch noch den Rest des Albums.  Ich muss zugeben, dass in den folgenden Tagen der Song „Count to Ten“ zwar auf Heavy Rotation auf meinem iPod lief, aber der Rest des Albums zunächst ein wenig von mir vernachlässigt wurde. Ich bin der festen Überzeugung, dass jeder Gegenstand, vom T-Shirt bis zum Küchenquirl, einmal seinen großen Tag im Leben seines Besitzers bekommt, auch wenn er vorher ein wenig beachtetes Dasein im Schrank fristete. Und so musste auch Tinas Album auf seinen großen Moment in meinem Leben warten.
Es gab dann so ein bis zwei Abende, für die ich eine ruhige Hintergrundmusik zur Untermalung brauchte und dazu Tina Dico wählte, jedoch ohne mich in diesen Momenten weiter mit dem Album auseinanderzusetzen. Ich weiß auch gar nicht mehr, wie und wann es passierte, doch es war ein Abend an dem ich wieder mal allein in meiner Wohnung saß und über mein Leben sinnierte, als mein iPod auf seiner BOSE-Station bei dem Song „Craftsmanship and Poetry“ ankam und ich einfach mal aufmerksam dem Text lauschte. Nach 3:50 min war ich völlig in Tränen aufgelöst und endgültig Tina-infiziert. Lies den Rest dieses Beitrags

Soulsun

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Manchmal ist es schon seltsam, was so ein paar Sonnenstrahlen mit einem anrichten können. Wenn man einen schier endlosen Winter hinter sich hat, dann sind die ersten Tage die 20 Grad hervorbringen wie eine Erweckung, eine Wiedergeburt. Dann kann es in Deinem Leben 100 Mosaiksteine an Dingen geben die Dir gerade nicht passen, mit denen Du rumkrebst oder die Dich traurig machen. Aber dann kommen drei warme Sonnenstrahlen durch die Wolken und sie erwärmen erst Deine Haut und dann Deine Seele. Plötzlich hat man einfach gute Laune. Mir ging es jedenfalls die letzten zwei Tage so. Und dann ist es mir auch egal, wenn die Menschen im Auto an der Ampel neben mir, mich verständnislos ansehen, weil ich laut singend im Auto sitze. Ich bin dann einfach ganz bei mir. Und so glücklich, dass mich die Meinung der anderen nicht besonders interessiert.

Das ist übrigens auch eine schöne Metapher. Wenn Du eine Lebensphase hinter dir hast, oder auch mittendrin steckst, die Dir vorkommt wie sieben Jahre Winter, Regen, Herbststurm, dann können zwei sonnige Tage gewaltig was in Dir ausrichten….

Ich wünsche mir SONNE….