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Vergangenheit und Zukunft

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Ach, was könnte ich Euch alles erzählen über die Ereignisse im letzten halben Jahr meines Lebens und die Gründe für meine lange Abstinenz. Das würde aber ein sehr langer Artikel werden, den sich wohl nur die wenigsten würden durchlesen wollen. Deswegen nur ein kurzer Abriss über die Highlights seit Beginn des Jahres.

Ein lang ersehnter Jugendtraum ging in Erfüllung, als ich zum ersten Mal im Leben Bela B. direkt gegenüber stand. Ein letztenendes doch eher ernüchterndes Erlebnis, was aber nicht unbedingt an ihm lag. Ich finde ihn immer noch großartig.
Ich war auf meinem ersten Tina Dico-Konzert und hatte anschließend die Möglichkeit ihr zu begegnen und ihr endlich persönlich zu sagen, was sie in mir bewegt und anrührt. Das wiederum war ein absolut wunderschönes und erfüllendes Erlebnis.
Ich bin für ein wunderschönes Wochenende in meine Herzensstadt Berlin gereist und bin dort erstmals einem Freund begegnet, den ich jahrelang nur vom Telefon und Skype kannte.
Ich habe jede Menge weiterer Synchronsprecher getroffen, die sich in meinem Buch verewigen mussten.
Zu guter Letzt durfte ich mir im Sauerland bei 6 Grad nachts (im JULI!!) im Zelt den Hintern abfrieren, hatte aber wenigstens ein sehr lustiges Wochenende mit den Motorradfahrern einer der letzten Zechen Deutschlands.

In den Tagen dazwischen war und bin ich vollkommen ausgelastet mit meiner TS-Ausbildung, meinem Französischkurs, meinem neusten Hobby (Geocaching), dem Treffen alter und wunderbarer neuer Freunde und, man glaubt es kaum, ein neues Hobby steht schon in den Startlöchern und wird mir ab Herbst wohl einen weiteren freien Wochentag klauen.

Seit ungefähr 2 Monaten kämpfe ich eher erfolglos gegen mein Gewicht an, aber mein Körper scheint auf nicht ein Kilo seiner eisernen Reserven dauerhaft verzichten zu wollen.
Seit 4 Monaten bin noch wesentlich erfolgloser auf der Suche nach meiner Traumwohnung, aber so wie es aussieht werde ich mein fürchterliches Wohnklo so schnell auch nicht los. Langsam zermürbt es mich. Tausend wundervolle Einrichtungsideen und Vorstellung davon, wie es mal sein könnte und keine davon lässt sich endlich mal angehen.
Seit gefühlten 568 Monaten bin ich auf der Suche nach meinem Herzensmann, aber… ach, lassen wir das… ihr wisst Bescheid…
Und so stehe ich da mit drei enorm bedeutungsvollen Vorhaben, die sich nicht vollenden lassen und kriege in Bezug auf jeden Punkt zu hören, dass es wohl an meinen hohen Ansprüchen scheitert. NEIN, das tut es nicht! Und ehrlich gesagt, es geht hier um mich! Da können meine Ansprüche gar nicht hoch genug sein. So!

Bei all der Aufregung in den letzten Monaten hätte ich hier eigentlich täglich einen Roman schreiben können, allein an der Zeit oder nötigen Muße scheiterte es meist. Und wenn sich dann mal ein Zeitfenster auftat, war gerade tote Hose und es mangelte kräftig an Inspiration. Außerdem ist es auch ganz schön, einfach mal zwischendurch durchatmen und prokrastinieren zu können. Herrje, ich habe es nicht einmal geschafft, regelmäßig die Posts meiner liebsten Mitblogger zu verfolgen. Mein Feedreader platzte schon aus allen Nähten. Zum Glück war es in den letzten zwei Wochen ziemlich öde im Büro, und so habe ich die Zeit genutzt und habe mal eben fünf Monate verpasste Blogosphäre nachgeholt.

Eines ist auf jeden Fall sicher. Aufgeben werde ich diesen Blog so schnell nicht! Dafür liegt mir das Schreiben, und die ganze wundervolle Menschenschaft, die am Bloggen mit dran hängt, viel zu sehr am Herzen.
Dass ich nicht aufhören sollte, wird mir durch Eure Rückmeldungen immer wieder bewusst. Seit Februar hagelte es die ein oder andere Beschwerde bezüglich meiner Schweigephase. Es sollen ja sogar Vermisstenanzeigen bei der Polizei eingegangen sein. Gleichermaßen gab es aber auch immer mal wieder neue Abonnenten, obwohl hier gar nichts passiert ist.
In der Zeit der absoluten Herzbrei-Stille erreichte mich eine Email, die mich wahnsinnig berührte. Ich hoffe, dass die Verfasserin dieser Email es mir nicht übel nimmt, wenn ich sie hier mit Euch teile, denn sie ist so wahnsinnig herzlich und wunderbar, dass ich schon fast stolz bin, so eine Nachricht überhaupt erhalten zu haben.

Hallo liebe Brummsel,

es liegt mir am Herzen Dir eine E-Mail zu schreiben. Ich bin ganz zufaellig ueber eine Google Recherche nach Tina Dico und Ihre Texte auf Deinen Blog gestossen und fand Ihn sofort wunderbar, mir aus der Seele sprechend, herzzerreissend, liebevoll, authentisch, ehrlich… EINFACH NUR LIEBENSWERT! Das sagt jetzt wohl was ueber die Schreiberin selbst aus 🙂

Du bescherst mir einen ganz tollen Abend, weit weg von zu Hause in Mt. Isa/ Australia auf der Selbstfindungsreise meines Lebens. Ich sitze in dem fast groessten Kaff der Welt seit 5 Monaten fest, kann aber die tollen Menschen, die tollen Views und Erlebnisse gerade so schlecht loslassen.. In einigen Wochen geht es dann aber sicherlich weiter nach Alice Springs und nach Adelaide, moechte ja noch etwas sehen von diesem riesigen, (temporaer) wunderbaren Land. Vielen Dank, dass einer der nach Feierabend-Langeweile Mt. Isa Abende auf Brummsel-Weise gefuellt wurde..

Ich stoeber dann mal weiter in Deinen nicht-journalistisch-ambitionierten Texten! Du hast ein tolles Talent!

Liebe Gruesse
Olga

Man beachte bitte, die auf australischen Tastaturen nicht vorhandenen Umlaute. 😉

Wie könnte ich mich nach so einer Email einfach aus dem Staub machen? Jetzt in den Sommerferien wird es auch bei mir alles etwas ruhiger. Meine Kurse haben nämlich auch Sommerpause. Ob ich es zukünftig schaffen werde, wie früher, jeden zweiten Tag zu bloggen, vor allem in der Ausführlichkeit, kann ich heute nicht versprechen. Aber ihr könnt wohl davon ausgehen, dass Ihr mindestens einmal in der Woche hier von mir werdet lesen können. Und wenn mich die Muse küsst, dann gern auch öfter. 😉

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Ein kurzer Lagebericht

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Zunächst einmal vielen Dank für’s Daumen drücken, und vor allem die Glückwünsche und das Mitfreuen.

Wer mich kennt, der weiß wofür er mir da die Daumen drücken sollte. Für die Allgemeinheit beschränke ich es jetzt einfach mal auf folgende Angaben: Ich habe mich um ein Ehrenamt beworben, das mir ein wahres Herzensanliegen ist, welches aber auch eine einjährige Ausbildung umfasst. Bevor man einen solchen Ausbildungsplatz bekommt, werden die Aspiranten ordentlich unter die Lupe genommen, damit die Verantwortlichen feststellen können, ob man sich überhaupt für dieses Ehrenamt eignet. Außerdem kam hinzu, dass die Ausbildungsplätze in diesem Jahr recht begehrt waren und schon allein deshalb ein wenig „gesiebt“ werden musste. Aber ich hatte Glück….

Nachdem ich vor zwei Monaten ein erfolgreiches Erstgespräch hinter mich gebracht hatte, stand am Samstag der große Auswahltag an. Dazu waren alle Bewerber eingeladen. Es war wirklich ein schöner Tag. Die Verantwortlichen hatten alles perfekt geplant und durchstrukturiert. Der Tag beinhaltete ein gegenseitiges Kennenlernen, eine Darstellung der aktuellen Lebenssituationen der Bewerber, ein Rollenspiel und auch einige „Fallbeispiele“ zu denen wir unsere Gedanken mitteilen sollten. Zwischendrin gab es eine Mittagspause mit warmer vegetarischer (!) Suppe und eine Kaffeepause 😉
Die Gruppe war wunderbar. Ich habe am Samstag ein paar ganz tolle Menschen kennengelernt und freue mich sehr auf die Zusammenarbeit mit ihnen. Übernächstes Wochenende findet ein Einführungswochenende statt (inkl. Übernachtung, was ich persönlich irgendwie nicht so mag) und ab dann werde ich ein Jahr lang jeden Mittwoch Abend ausgebildet. Ich bin wahnsinnig aufgeregt, aber ich freu mich wie Bolle.

In der Zukunft werde ich es vermeiden mich an dieser Stelle großartig zu diesem Ehrenamt oder meiner Ausbildung zu äußern. Vier bis fünf meiner Leser werden in den nächsten Tagen sowieso einen ganz persönlichen Bericht bekommen, weil mir das sehr am Herzen liegt. Menschen mit Premiumabo müssen sich da sowieso keine Sorgen machen 😉
Was gibt es sonst noch?
Ach ja, ich liebe meinen neuen Job! Die Kollegen sind super, die Atmosphäre ist phantastisch, meine Aufgaben sind anspruchsvoll, machen mir aber wahnsinnig viel Spaß. Ich bin so glücklich, dass ich mich im Moment an jedem Morgen übers Aufstehen freue. Und in meinem Fall will das wirklich was heißen. Wenn mir etwas zuwider ist, dann ist es frühes Aufstehen. Heute habe ich eine sehr umfangreiche SAP-Schulung hinter mir, die morgen in die zweite Runde geht. Mir raucht wirklich der Kopf und ich musste mit Schrecken feststellen, dass ich trotz Wirtschaftsabi und kaufmännischer Ausbildung von Finanzbuchhaltung und Kontierung absolut keine Ahnung habe. Herrje, ist das peinlich! Ich sage zwar noch immer, dass es nichts gibt, was man nicht lernen kann, aber so langsam beginne ich mich zu fragen, ob ich mich an der VHS nicht lieber zum Buchhaltungs- statt zum Französisch-Auffrischungskurs hätte anmelden sollen.

Was der Aufnahme des vielen neuen Inputs allerdings weniger zuträglich ist, ist die Tatsache, dass ich mir eine dicke Grippe zugezogen habe. Schon am Samstag quälten mich schlimme Nackenschmerzen, was meine Konzentration zunächst stark beeinträchtigte. Dass diese Schmerzen ein Grippevorbote waren, bemerkte ich erst am Abend, als sich Hitzewellen und Schüttelfrost im 10-Minuten-Takt die Klinke in die Hand gaben. Im Moment quäle ich mich mit Gliederschmerzen, Kopfschmerzen, einem fiebrigen Gefühl (zum Glück noch kein wirkliches Fieber) und komplett zu sitzenden Bronchen. Das ist wirklich grandios, wenn man gerade vor zwei Wochen einen neuen Job angefangen hat. Also bin ich heute erstmal in die Apotheke gestiefelt und hab mich mit Medis eingedeckt. Die Apothekerin legte mir in Bezug auf meine Bronchen auch gleich einen Arztbesuch „sehr ans Herz“. Na, danke Schätzchen, das brauche ich jetzt. Dass mir mein Doc Antibiotika aufs Auge drückt und mich ins Bett zwingt.
Nee, nee, das werde ich wohl mit Paracetamol und Mucosolvan noch selbst in den Griff bekommen. Ich will es hoffen!

So, ich verschreibe mir jetzt eigenmächtig eine Feierabendbettruhe und bitte um Verständnis dafür, dass ich mich in den nächsten Tagen erst einmal gesund pflegen werde.

Wenn Freud’sche Versprecher in die HOSE gehen

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Ich hatte kurz überlegt Beschwerde einzulegen.
Nicht nur, weil mir hier eine Männlichkeit angehängt wird, die ich meines Wissens nach gar nicht besitze. Sondern vor allem weil ich mich frage, was man wohl in dieser neuen „Position“ von mir erwarten wird. Ähm…. HILFE!

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Mensch Leute, ihr habt das Zölibat doch schon abgeschafft. Habt ihr es da wirklich nötig Eure Schäfchen zur Lustbefriedigung abzukommandieren?

Stell Dir vor es ist Frieden, aber niemand macht mit…

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Da ich immer gerne informiert bin, studiere ich mehrfach am Tag die Schlagzeilen der Onlinemedien. Unter anderem folgende Artikel stolperten dabei in den letzten Tagen in meine Wahrnehmung:

  • Mann tötet Frau und Kinder, bevor er sich das Leben nimmt
  • Berühmte Berliner Jugendrichterin nimmt sich das Leben
  • Polizistin erhängt ihre Kinder und sich selbst
  • Mann sticht zehn Mal auf seine Freundin ein, setzt sich dann ohne Helm auf sein Krad und fährt in verkehrter Richtung auf die A3. Er rammt frontal einen Lkw, wird dabei geköpft, sein Körper in den angrenzenden Wald geschleudert.
  • Polizist verursacht tötlichen Frontalunfall. Er und die entgegenkommende Fahrerin sind sofort tot. In seinem Kofferraum findet die Polizei die Leiche seiner Ehefrau.
  • Mann richtet zwei Italiener per Kopfschuss in einer Kneipe hin, nachdem man sich über die Fußballweltmeisterschaft gestritten hatte.
  • Weiterer Kindesmissbrauch innerhalb der katholischen Kirche aufgedeckt.
  • Jugendliche schlagen älteren Herrn krankenhausreif
  • Mord / Vergewaltigung / Ehedramen / Totschlag / Brennende Autos / Mobbing / Suizid / Krise / Drama / Machtkampf / Gewalt….

Nachdem ich heute mal wieder einige solcher Artikel gelesen hatte, rutschte mir der lapidare Ausdruck „Die Menschen sind doch alle bekloppt!“ über die Lippen. Doch dann begann ich darüber nachzudenken und stellte schnell fest, dass das natürlich weder die Ursache, noch die Begründung für all die Dramatik ist. Aber wie zerstört, wie verletzt und wie sehr aus den Angel gehoben, müssen ein Herz, eine Seele und vor allem ein Geist sein, um solcher Taten fähig zu werden? Sind Menschen schon immer, zu allen Zeiten, so massiv psychisch verrutscht, oder ist es ein Phänomen der Neuzeit? Inwiefern ist das ein modernes gesellschaftliches Problem?

Um es auf den Punkt zu bringen: Unsere Gesellschaft ist am Arsch! Man muss sich nur mal in seinem direkten Umfeld umschauen. Am besten dann, wenn nicht gerade alle im WM-Freudentaumel versunken sind. Wie gehen wir Menschen heutzutage miteinander um? Auch wir, die wir uns für gute, wenn nicht gar bessere Menschen halten? Wir lächeln einander nicht mehr zu. Wir grüßen einander nur, wenn wir uns besonders gut kennen. Es gibt kein offenes Ohr, kein wachsames Auge, keine helfende Hand. Wir haben das Gespür für Sorgen, Nöte und Bedürfnisse unserer Mitmenschen verloren. Wir rempeln uns im Supermarkt an und entschuldigen uns nicht.
Wir sind im Dauerstress. Auf der Autobahn ereilen uns regelmäßig halbe Herzattacken, weil wieder jemand hinter uns fährt, der uns massiv drängelt und nötigt, weil es ihm nur um sich geht, und ihm die Angst des Vordermannes scheißegal ist. Eine Stunde später ärgern wir uns an der Supermarktkasse über die Oma, die drei Minuten lang ihr Kleingeld zählt. Wenn es um das spärlich angebotene günstigste Teil im Media-Markt geht, schrecken wir nicht davor zurück, auch mal Schwächere zu schubsen. Durch die Liebe und Zuneigung eines Mitmenschen, fühlen wir uns schon lang nicht mehr geschmeichelt, wenn er nicht perfekt ist. Perfekt schön. Perfekt reich. Perfekt klug. Perfekt talentiert. Perfekt gebaut.
Wir legen uns wegen Nichtigkeiten mit den Nachbarn an. -Du musst den Vorgarten harken. – Nein, Du musst!, statt es selber zu tun, wenn wir meinen, es müsste geharkt werden. Denen, die am Boden liegen, helfen wir nicht auf, wir benutzen ihre Schultern als Trittleitern für unser eigenes Emporkommen. Wir sind zu Egoisten mit Ellbogenmentalität geworden! Wer stärker ist, will auch stärker bleiben. Bloß nicht die Kraft an den Schwachen verschwenden. Wer reich ist, will reich bleiben. Teilen wäre da kontraproduktiv. Es herrscht Krieg!

Und welchen Anteil daran tragen die Medien, das Fernsehen? Zeigen sie ein Abbild unserer Gesellschaft, oder sind wir zum Abbild unseres Fernsehprogramms geworden? Uns wird vorgegaukelt jeder Hartz4-Empfänger wäre faul und asozial. Wir glauben das! Wer nichts wird, wird Scripted-Reality-Star. Die Ausländer nehmen uns angeblich unsere Jobs weg. Wenn Du in der Schule schlecht warst, reicht die Bereitschaft sich von RTL einen Schlampenlebenslauf aufdrücken zu lassen und schon bist Du Superstar!
Du musst schön, perfekt und spindeldürr sein. Wer nicht schön sein will, muss leiden! Ich frage mich, ob all die Frauen, die ich kürzlich bei „Exclusiv – Die Reportage“ sah, auch ohne die Beeinflussung der Medien eines Morgens im Bett hochgeschreckt wären, verfolgt und beherrscht von dem Gedanken, die eigene Muschi ist zu hässlich für diese Welt. An welchem Tag wurde Schamlippenliftig wichtiger als Umgangsformen? Oder liegt es daran, dass uns die Moral in die Hose gerutscht ist?
Erniedrigungs-TV und Peinlichkeitswettbewerbe sind die Quotenrenner unseres alltäglichen Flimmerkistenkonsums. Wir zeigen mit den Fingern auf fremde Leute und lachen laut! Wir schämen uns lieber fremd, als unbedarfte Menschen vor sich selbst zu schützen. Und die dümmsten Bauern kriegen die dickste Narumol.

Auch Zeitung lesen ist nicht besser, wenn wir nicht endlich anfangen zu reflektieren. Aber der Mensch ist nicht glücklich, wenn niemand eine Sau durchs Dorf hetzt. Wer in Zeiten des Sommerlochs auch dem sechsten gesichteten Krokodil in Ruhr und Wupper noch Glauben schenken will, der muss sich zum Glück nur selbst an die Stirn fassen. Aber wenn in der Bild-Zeitung großformatige Fotos von Menschen gezeigt werden, die fett mit den Worten „Kinderficker“ übertitelt sind, die sich dann später als absolut unschuldig erweisen, dann werden Existenzen zerstört. Drei Wochen später kann Bild dann vom nächsten Geisterfahrer berichten und das gleiche Foto noch einmal verwenden.
Wenn irgendwo Menschen zu Opfern von Missbrauch und Vergewaltigung werden, gibt es keine Scheu mehr Namen und Fotos der Betroffenen zu veröffentlichen. Wozu brauchen wir Opferschutz, wenn wir Mitleid heucheln können? Ob das Familien zerstören, oder gar die Seelen der Opfer noch weiter zertrümmern könnte, ist für unseren weiteren Lebensweg ja nicht mehr wichtig.

Es herrscht Krieg! Überall! Die, die hilfesuchend und verzweifelt nach oben blicken, finden keine Führung, keinen Wegweiser mehr. Politikverdrossenheit ist ein fast zu mildes Wort. Die Politiker sind korrupt, machtversessen, geldgeil und undemokratisch. Keinem geht es mehr um das Volk! „Die da oben denken nur noch an sich!“ Bürokratie, hohe Steuern, Ungerechtigkeit und Ausbeutung wohin das Auge blickt. Die Armen werden ärmer, die Reichen werden reicher. Der kleine Mann, begeht Suizid!
Wer früher angefangen hätte zu beten, tritt heute aus der Kirche aus, weil die Vertrauensmänner, Seelsorger und Gottesbrüder jetzt unsere Kinder betatschen.

Wir haben Moral, Ethik, Umgangsformen, Werte und gegenseitigen Respekt mit Füßen getreten. Führung und Leitung scheint es nicht mehr zu geben. Jeder kämpft für sich! Jeder kämpft allein! Wir sind die Rinder, besessen vom Wahn! Es herrscht Krieg!

Ob ich mich wohl noch einmal wundern werde, wenn ich morgen wieder die Zeitung aufschlage, oder GoogleNews lese? Oder wird mich einfach nur das ungute Gefühle beschleichen, in den Spiegel unserer Gesellschaft zu schauen?  Schäme ich mich, oder habe ich Angst ein Teil von ihr zu sein?
Die Menschen der oben wiedergegebenen Schlagzeilen, hatten sicher mehr zu erleiden, als nur die kalte Faust der Gesellschaft. Sicher gab es noch mehr Faktoren. Noch schlimmere Umstände. Schwerwiegende psychische Erkrankungen. Vielleicht! Vielleicht, aber auch nicht! Vielleicht begann ihr persönliches Leid auch einfach an einem Tag, an dem sie auf der Autobahn bedrängt wurden. Oder geächtet, weil sie nicht schön genug waren. Oder an dem Tag, an dem sie ihren Job verloren. Und vielleicht griffen sie zum Messer, als ihre hilfesuchenden Hände zum x-ten Mal ins Leere griffen!

Wir leben nicht im Irak, nicht in Afghanistan, nicht im Kosovo, nicht in Israel, nicht in Korea.
Wir leben in Deutschland!
Es herrscht Frieden, aber niemand macht mit…

Himmel und Hölle

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Hölle:

  • In der letzten Woche habe ich Eier gekauft. Ich gehe davon aus, dass die Küken in den nächsten 2-3 Tagen schlüpfen werden. Die 50 Grad Celsius, die meine Dachgeschoss-Wohnung derzeit in einen Brutkasten verwandeln, machen eine Henne überflüssig.
  • Mein Fernseher hat in der Hitze überraschend seinen Geist aufgegeben. Gut, dass man Fußball derzeit an jeder Ecke gucken kann, bzw. sich bei sämtlichen Bekannten einladen kann, sonst hätte ich ein massives Problem. Aber wer verrät mir jetzt mal, wie ich ohne die Simpsons und Two and a half Men überleben soll?
  • Die Nachbarn feiern Polterabend. Netterweise wurden alle umliegenden Anwohner schon in der letzten Woche mit Briefkasteneinwürfen auf den erhöhten Lärmpegel hingewiesen und um Verständnis gebeten. Leider endete mein Verständnis vor zwei Stunden. Seitdem höre ich ausschließlich „Ein Stern, der deinen Namen trägt“, „Love is in the Air“, Chris Roberts, Jürgen Drews, Wolle Petry, sämtliche Schlager der 70er, sowie Hits der 80er. Ich wusste gar nicht, dass Josef und Narumol in meiner Stadt heiraten, aber wenn deren DJ da unten nicht Inka Bause heißt, dann ist unser Hund Arbeitgeberpräsident! Ist das alles gruselig! Noch gruseliger ist allerdings, dass auch meine Familie das für die „ideale Partymusik“ hält und mir schwant Übles. Ey Leute, wissta wat? Sollte mich nomma irgendwann einer wollen, dann lassen wa dat mit dem Polterabend. Ich mach nur die weißes-Kleid-Nummer und organisiere mir dafür eine Band. Nix mit Partymucke von vor hundert Jahren. Kommt damit klar, oder bleibt zu Hause. Danke!

Himmel:

  • Die Abkühlung, die der Gartenschlauch von meinem Papa mehrmals täglich bietet.
  • Der Geruch von Regen an einem heißen Sommertag und die Luftveränderung, die er mit sich bringt. Es gibt nichts was schöner riechen würde, oder sich besser anfühlen könnte.
  • Völlig bescheuert albern sein und sich vor Lachen einfach nicht mehr einkriegen!
  • Deutschland besiegt Argentinien 4:0 ! Auf der Straße liegen sich fremde Menschen freudentränend in den Armen, man jubelt einander zu und lächelt sich an. Alle sind glücklich, hupen wild, schwenken Fahnen. Kinder glauben Gott gesehen zu haben (nicht nur dessen Hand)! Hachz, würde es doch nur immer so menscheln zwischen uns!!

Kindermund

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Der Sohn meines Cheffes (15) ist so ungefähr ein sechzehntel Schweizer und hält natürlich der Schweizer Mannschaft alle Daumen. Soeben betrete ich das Wohnzimmer, schaue mit halbem Auge auf den Bildschirm.

Ich: Welche sind denn die Schweizer und wer die Chilenen?

Er (guckt verwirrt): Äh, die da in Rot sind die Chilen.

Ich (griiins): Die wer?

Er: Na, die da. Die Roten sind die Chilesen!

*gröhl*

Edit: Jaha, ich weiß, dass man Chef mit nur einem F schreibt. „Cheffe“ is Name, weissu?

Hochmut kommt vor dem Sturm auf die Bastille

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Gestern Abend feierte der gute Markus (der, dem ich Martyrs zu verdanken habe) seinen 30 Geburtstag nach. Markus und ich teilen die Leidenschaft fürs Kino, halten die Oscar-Nacht für einen ebenso wichtigen Feiertag, wie andere Weihnachten, Ostern oder Rosenmontag, und sind in mancherlei Hinsicht gleichwertig durchgeknallt, was auch gestern wieder einige Leute kopfschüttelnd bezeugen durften.
So war es natürlich klar, dass ich Markus ein Geschenk schenken musste, das unserer Leidenschaft auch vollen Tribut zollt. Er bekam eine Kinobox, ein Kinobesuchs-Tagebuch und einen Film. Das Highlight war allerdings die Verpackung für das Buch und den Film, welche ich nicht einfach nur in Geschenkpapier verpacken wollte. Stattdessen bastelte ich drei Tage lang an einer etwas ungewöhnlicheren Verpackung. Auf das Ergebnis bin ich so stolz, dass ich es euch nicht vorenthalten möchte. Jaja, Eigenlob stinkt! Aber damit kann ich leben. Dass auch Markus das Ergebnis gefallen hat, kann man hier sehr gut sehen.

 

Nach einer sehr schönen und lustigen Feier, fiel ich heute morgen erschöpft in mein Bett. Es dauerte nicht lange bis mir die ersten Träume die Nacht versüßten:

Es ist Samstag Morgen. Keine Arbeit, kein Stress. Ich darf ausschlafen. Die ersten Sonnenstrahlen kitzeln meine Nasenspitze. Draußen zwitschern die Vögel ihre Morgensonate. Neben mir liegt der Mann meiner Träume, der irgendwann klammheimlich aufsteht, mir einen Kaffee kocht und die Luft meiner Küche mit warmem Brötchenduft erfüllt, nur um mich dann mit all seiner Liebe zu wecken. Er setzt sich an mein Bett und küsst mich sanft. Aber es ist irgendwie ein seltsamer Kuss. Er küsst mich gar nicht. Er riecht, nein, er schnuppert an mir. Er schnuppert? Und warum stützt er sich so grob auf meinem Brustkorb ab? Wäre in dieser romantischen Situation nicht ein wenig mehr Sanftmut angebracht? Egal, sein Gesicht ist ganz nah über meinem und ich beschließe aufzuwachen um den Kuss zu erwid…. KAAAAAAAATER!!!!

Wieso in Gottes Namen steht der Kater auf meinem Brustkorb und schnuppert mein Gesicht ab? Wie kommt er überhaupt ins Schlafzimmer? Das ist hier die Katzentabuzone!!! Und schwupps, schon hockt auch der andere Kater neben mir auf dem Bett. Er hat es also endlich geschafft. Es hat ein Jahr lang gedauert, aber Marlon weiß nun, wie katze die Schlafzimmertür öffnet! (Und was der eine kann, hat sich der andere gaaaanz schnell abgeguckt!) Verdammt! Er macht das sogar mit enormer Eleganz. Er springt nicht etwa in die Luft und landet auf der Klinke, nein, er stellt sich einfach auf die Hinterpfoten, macht sich lang und öffnet die Türe galant mit den Vorderpfötchen. Eben genauso, wie er es sich bei mir abgeschaut hat.

„Oooch, Menno! Kollegen, es ist 7:30, ich hab gerade mal 4 Stunden geschlafen. Was soll denn der Scheiß??“
Ich schlurfe, noch immer völlig perplex und leicht genervt in die Küche, fülle die Fressnäpfe auf, locke die Biester mit dem Laserpointer aus dem Schlafzimmer und beschließe, noch eine Runde am Kissen zu horchen.

Gegen 11 wurde ich dann noch einmal auf genau die gleiche Weise geweckt, nur diesmal ohne die Einbildung eines imaginären Traummannes. Seitdem bin ich damit beschäftigt, Marlon davon abzuhalten das Schlafzimmer zu stürmen. Hätte ich doch wenigstens einen Schlüssel für diese dumme Tür. Hab ich aber nicht, und so muss ich wohl darauf vorbereitet sein, dass mir nächtlicher Besuch zukünftig nicht mehr erspart bleibt. Schlimmer ist allerdings, dass die Klinke bedenklich lose in der Tür hängt. Es ist also nur eine Frage der Zeit, bis sie die Klinke rausreißen und ich eines Morgens im Schlafzimmer eingesperrt sein werde, weil ich die Tür nicht mehr öffnen kann, obwohl ich eigentlich zur Arbeit müsste… äähm, sollte ich hier vielleicht die Vorteile verkennen?

Ist es nicht hübsch, wie der kleine Unschuldsengel hier vor der Tür lauert und auf den Moment wartet, in dem er straffrei die Tabuzone betreten kann?

 

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Nachtrag: Da ja angeblich die Dinge ihren Reiz verlieren, wenn sie erst einmal erlaubt sind, habe ich die Jungs soeben das Schlafzimmer stürmen lassen. Trottelig wie sie sind, haben sie sich bei dem Versuch das Zimmer wieder zu verlassen, im Schlafzimmer eingesperrt, weil sie einfach wieder vor Tür gerannt sind, statt sich durch den Spalt zu zwängen. Schön blöd! Jetzt sitze ich hier und warte gespannt darauf, wie lange es dauert, bis andere Dinge und Orte wieder spannender sind als mein Bett….

Jajaja, jetzt wird wieder in die Hände gespuckt

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Kleine Zwischenkrise und große Melancholie anscheinend überwunden. Stopp. Brummsel hat Pläne. Stopp. Jetzt wird mal wieder was angepackt. Stopp. Hat Tina-Dico-Heule-Heule heute im Auto gegen System of a Down getauscht. Stopp. Das ist ein gutes Zeichen. Stopp. Zuerst wird das angepackt, was nichts kostet. Stopp. Später, später wird dann Vermögen aufgebaut. Stopp. Und noch später, später, wird die Welt regiert. Stopp. Oder vielleicht auch erstmal nur meine Gefühlssuppe.

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Was mich dann aber doch fast wieder melancholisch werden lässt, äh, näääää, doch nicht.
Boah Alda, Fremdschemen Delüks:

[via Bottblog]

An Tagen wie diesen…

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Immer wenn ich gerade sehr unzufrieden bin, baue ich Luftschlösser und gebe mich Illusionen hin.
Zum Beispiel darüber, was ich viel lieber wäre (die Reihenfolge lässt keine Rückschlüsse auf die Größe des Wunsches zu):

  • Autorin
  • Synchronsprecherin
  • Sängerin / Songwriterin (sorry, talentbefreit)
  • Studentin (wer jetzt BWL vorschlägt wird standesrechtlich mit dem HGB erschlagen)
  • Schafhüterin in Neuseeland
  • Psychotherapeutin
  • Kriminalpsychologin
  • Besitzerin eines Literaturcafés
  • vergeben
  • in Berlin, London oder Neuseeland wohnhaft
  • die Erfinderin der krümellosen Brotsuppe
  • Aktivistin bei Greenpeace, Peta oder irgendwem der Tiere aus Käfigen befreit
  • acht Fremdsprachen mächtig (Englisch, Schwedisch, Französisch, Spanisch, Portugiesisch, Isländisch, Italienisch, Mandarin)
  • Kontorsionistin (neee, ich kann nicht mal Spagat)
  • Besitzerin einer Wohnung mit Balkon und Extra-chill-out-Zimmer für mich und meine Kater
  • Radiomoderatorin
  • entschlossen und zielstrebig!

Mein Schatz, ich geh jetzt Eise kaufen…

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Wie schön kann doch das Leben sein: Feiertag, Brückentag, Sonnenschein, strahlend blauer Himmel und über 25°. Wie lange haben wir alle darauf gewartet? Die letzten beiden Tage habe ich in vollen Zügen genossen und freue mich auf die beiden, die jetzt noch kommen.

Höhepunkte aus zwei Tagen:

Kleine Grand-Prix Nachlese: Ich hatte ja in meinem Beitrag über den letzten Samstag geschrieben, dass ich mir arge Sorgen um die Moderation beim ESC in Deutschland mache. Mittlerweile habe ich das einzig in Frage kommende Moderations-Duo gefunden und bin gespannt, ob der NDR das genauso sehen wird. Ich folge dem Vorschlag von Lukas und Stefan (Oslog.tv), dass für den männlichen Part nur Hape Kerkeling in Frage kommt. Er spricht die nötigen Fremdsprachen, ist witzig, kann sich selber aber auch zurücknehmen und ist überhaupt immer ein Garant für gute Unterhaltung. Die vorgeschlagene Kim Fisher kommt für mich allerdings nicht in Betracht. Meine Mum und meine Cousine haben eine Frau ins Spiel gebracht, die ich schon gar nicht mehr auf dem Schirm hatte, jedoch eine absolut geeignete Wahl ist: Désirée Nosbusch! Die Frau spricht 6 Sprachen fließend und akzentfrei, hat schon früher den Grand-Prix und andere Musiksendungen moderiert und ist ungemein sympathisch! Lassen wir uns überraschen, ob der NDR meinem Ideal folgen wird.

Inwiefern das jetzt ein Höhepunkt des Wochenendes ist? Noch gar nicht. Der Höhepunkt ist der gefasste Plan. Wenn man schon, wie ich, 20 Jahre lang den Grand Prix verfolgt und endlich und zum ersten Mal (in meiner Lebenszeit) gewonnen hat, was macht man dann wohl, wenn die Veranstaltung ins eigene Land kommt? Richtig! Man fährt hin! Und so haben Huck und ich beschlossen, sofern es sich halbwegs bezahlen lässt, wie die Löwen um Karten zu kämpfen und im nächsten Jahr die Veranstaltung nicht mehr nur im TV zu verfolgen! Allein beim Gedanken daran, schlägt mein Herz schon Purzelbäume.

Und sonst?
– Mein Bruder und seine Freundin haben sich zwei Kater angeschafft. Leider wohnen die beiden in Bremen und es wird lange dauern, bis ich die zwei Tiger zu Gesicht bekomme. Großartig ist allerdings die Namenswahl:
Sie heißen Twister und Silence!! (Silence, I’ll kill you!) Phänomenal! Wer es noch nicht kennt, unbedingt ansehen!

– Meine Schwester hingegen, hat die Familie auf meine Kosten erheitert, aber zum Glück kann ich ja über mich selber lachen. Auf die Frage, woher denn meine lange Narbe über dem Knöchel stamme, antwortete ich, dass ich mir kürzlich beim Rasieren über sieben cm die oberen 3-4 Hautschichten abgehobelt hätte. „Beim Rasieren???“ Meine Schwester: „Ja, sie wollte sich die Achseln rasieren und hat unten angefangen!“ Hahahahah… SILENCE! I’ll kill you!!!

Davon abgesehen habe ich, wie wahrscheinlich alle, einfach in der Sonne gesessen, Eise gegessen, Vitamin A, D, E, oder was die Sonne sonst so hergibt, getankt und heute die Family in den Wald begleitet.
„Häuptling kleiner Pudel“ brauchte seinen täglichen Auslauf.  Schön war’s!

Zzzzzz….Zzzzzz

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4:34 Uhr! Laaaaaange Nacht für die Brummsel. Keine Worte für soooo viele Ereignisse!!!
Dat Brummselsche schläft jetzt erstmal kräftig aus und morgen mittag gibt es hier einen fetten Bericht, von einem mehr als fetten Tag!!!!

Ich freu mich soooooooooooo hart!!!

Alles weitere morgen! Also heute! Für Euch heute!!
Hey,“ morgen“ ist IMMER erst NACHDEM ich geschlafen habe! Bis gleich! 😉
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Warum müssen sooooooo großartige Tage eigentlich immer mit sooooo traurigen Nachrichten enden? R.I.P.

PS: Huck, wir sprechen uns noch, BÜRSCHCHEN!!!

About Hollywood, bäd englisch and small penises

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Auch wenn ich früher oft über ihn geschimpft habe, so fehlt er mir doch sehr, mein alter Job. Doch mit ihren unbarmherzigen dürren Fingern, riss ihn sich die Wirtschaftskrise unter den Nagel. Was sie mit ihm (und den Jobs vieler anderer Leute) angestellt hat, vermag ich nicht zu sagen. Aber vielleicht kommt ja nach der Inflation in Robin-Hood-Manier ein Wirtschaftswunder daher, und gibt den Armen und Schwachen das Diebesgut endlich wieder zurück.

Nachdem ich acht Monate lang Zeit hatte, die vielen dazugewonnen überflüssigen Stunden des Tages in meine Synchronsprecher-Datenbank zu stecken (deren enorme Fortschritte, ich erinnere gern noch mal daran, ja dann in nur einer Stunde mit rabiater Gewalt wieder zunichte gemacht wurden – was für eine unglaubliche Verschwendung an Lebenszeit…), kam dann aber doch noch ein guter Samariter des Weges. Dieser Samariter war mein ehemaliger Chef, der die Firma schon zwei Jahre vor allen anderen freiwillig verlassen hatte, mittlerweile selbstständig ist und freundlicherweise noch einmal an mich dachte. In seiner Selbstständigkeit dreht er an vielen Rädern (noch keines davon wirklich groß) und verkauft gefühlte 20 Produkte unter gefühlten 15 Firmennamen, die alle nicht das geringste miteinander zu tun haben. Doch tief in unseren Herzen, hoffen sowohl er als auch ich, doch nochmal in die alte Branche zurückkehren und wenigstens wieder das selbe Produkt wie damals verkaufen zu können.

Nun tauchte vor einiger Zeit ein netter Herr aus Irland auf, der zufällig genau dieses Produkt verkauft und noch „Dealer“ (wir benutzen dieses Wort so tatsächlich!) für Europa sucht. Nach tagelangem Emailverkehr flog der gute Mann heute bei uns ein. Da aber mein Chef Deutsch, Englisch, Schwitzerdütsch und Hände und Füße miteinander vermischt, was zu einem oft undefinierbaren Wortbrei führt, musste die gute Frau Brummsel mal wieder (wie früher) als Übersetzerin ran. Doch Ojeee, kennt ihr diese Tage, an denen man aus unbekannten Gründen einen Knoten in Zunge und Hirn hat? Ausgerechnet heute war dieser Tag! Erst habe ich noch geglaubt, ich täte mich deshalb im Übersetzen so schwer, weil mein Cheffe sich den ganzen Tag so verquer ausgedrückt hat, dass ich den Sinn seiner Sätze schon in Deutsch kaum verstanden habe.Vielleicht hat ja heute einfach jeder einen Knoten in Zirn und Hunge. Schlechtes Karma? Warum war dann aber das Englisch des Iren so perfekt? To make a long story short, ich haspelte mir ordentlich einen zurecht. Den ganzen langen Tag ärgerte ich mich über mich selber green and black, und wäre am liebsten in the earthground disappeared. Lies den Rest dieses Beitrags

Nicht Fisch, nicht Fleisch, aber ohne Fahrrad

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Lektion 1 auf Hectors Reise: Vergleiche anzustellen ist ein gutes Mittel, sich sein Glück zu vermiesen.

Dennoch mache ich es ständig. Nicht nur, dass ich mich vergleiche, nein, ich frage mich auch in regelmäßigen Abständen, wer und was ich eigentlich bin und wer ich stattdessen vielleicht lieber wäre. Ist es ein Fluch oder ein Segen, alles wenigstens ein bisschen zu können, aber nichts davon wirklich gut? Wo ist es denn hin, mein ganz persönliches großes Talent? Hat wohl Urlaub auf Lebenszeit.

Natürlich vergleicht man sich niemals nach unten, sondern wenn, dann immer nur nach oben. Damit es auch so richtig schön bohrt und quält! Es ist, als hättest Du die Hälfte eines Turmes erklommen und statt nach unten zu sehen, um Dich mit denen zu messen, die noch nicht mal das erste Plateau erreicht haben, richtet sich Dein Blick gen Turmspitze. In dem Wissen, dass Du denen, die schon oben stehen, niemals wirst die Hand schütteln können. Der Wunsch anders, oder eine Andere zu sein, kann mitunter stark sein. Es gibt sie immer die Leute, die etwas anders, besser, schöner, intelligenter oder origineller machen/sind/können. Du siehst sie und quälst Dich mit Selbstzweifeln, Unzufriedenheit und Steinen im Bauch. Jeder Versuch den eigenen Charakter „anzupassen“, oder mal eben das Talent anderer zu kopieren, geht natürlich in die Hose. Weil Du nur krampfhaft versuchst eine stupsnasige Maske aufzusetzen, die aber leider nicht auf Deinen riesigen Zinken passt.

Diese Gefühle kennen wahrscheinlich die meisten Menschen auf der Welt. Bei mir sind sie mal stärker und mal schwächer. (Im Moment wieder etwas stärker.) Aber die Frage ist doch, warum ist das so? Warum hat man diese Gefühle? Warum zweifelt man an sich, wäre gern ganz anders?
Ich habe meine ganz persönliche Antwort darauf gefunden. Dahinter steckt ein völlig banaler Wunsch: Der Wunsch nach Liebe! Wenn Du das Gefühl nicht kennst, oder es zumindest lange nicht mehr erlebt hast, aufrichtig für das geliebt zu werden, was und wer Du bist, dann fragst Du Dich, was Du alles ändern müsstest, um das endlich erleben zu dürfen. Wenn es einen Menschen gibt, der Dich großartig findet, der in Dir etwas ganz Besonderes sieht, dann fällt es leichter, das selber auch zu erkennen. Der Mensch braucht diese positive Reflexion. Was bringt all das Licht, das Du ausstrahlst, wenn es auf niemanden trifft, der sich davon erhellt fühlt? Wenn es sich in der Schwärze um Dich herum verliert? Das Wissen für einen Menschen „die Eine“ zu sein, würde das Gefühl überflüssig machen, immer perfekt sein zu wollen. Denn man liefe dann nicht mehr mit der Angst durch die Welt, von dem potentiellen „Einen“ übersehen zu werden, weil man gerade nicht „besonders“ genug ist.
Man wüsste dann, warum es eigentlich gar nicht falsch ist, der zu sein, der man nun mal ist. Man wüsste, wohin man gehört.

Lektion 14 auf Hectors Reise: Glück ist, wenn man dafür geliebt wird, wie man eben ist.