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R.I.P. Gerlach Fiedler

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Eine der außergewöhnlichsten Reibeisenstimmen Deutschlands ist von uns gegangen.

Gerlach Fiedler war vielen bekannt als das erste Krümmelmonster (es gab später noch andere) und wird in meinem Herzen für alle Zeit liebevoll der „Naja“-Mann genannt werden. In der Drei-Fragezeichen-Folge „Der Karpartenhund“ sagte er innerhalb von 1,5-2 Minuten gefühlte 100 Mal das Wort „Naja“. 😉

Gerlach Fiedler wurde 85 Jahre alt. Sprecherfans wie ich werden ihn schmerzlich vermissen!
Möge er in Frieden ruhen, wo er immer nun sein mag!

Geburtstag im Himmel

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Heute ist Dein 35. Geburtstag.
Ich habe Dich besucht, um Dir zu gratulieren. Bin an den Ort gefahren, an dem Du Deine Geburtstage nun verbringst. Eigentlich ist es schön dort. Ein schattiges Plätzchen direkt unter einer schönen alten Buche. Viele Deiner Nachbarn sind Jahrzehnte älter als Du. Nur wenige sind jünger.

Ich konnte Dich zur Gratulation nicht in meine Arme schließen und Du konntest Dich auch nicht bei mir bedanken. Dennoch hatten wir einen Augenblick nur für uns allein. Du hast mich gehört und ich habe Dich gespürt. An meiner Seite. An meiner Seite, an der Du mich tagtäglich begleitest. Du bist immer bei mir. In den schönsten und auch den schwersten Momenten. Es gibt jetzt nichts mehr was ungesagt wäre. Du weißt, dass ich Dich liebe. Ich kann es Dir jetzt sagen. Wenn ich wollte jeden Tag. Das war nicht immer so. Es war immer kompliziert mit uns. Wir haben es uns selbst schwer gemacht und unsere wahren Gefühle viel zu lang in einem Schatzkästchen gehütet.  Zum Schluss war uns klar, was wir füreinander waren. Und doch sind wir jetzt wieder allein mit unseren Gefühlen, denn unsere Welten sind nun wirklich unvereinbar.
Es gibt diesen Moment zwischen Schlafen und Wachen, zwischen Traum und Realität, zwischen Glück und Trauer, in dem wir einander begegnen können. Ein kurzer Moment in dem wir den anderen spüren können und uns nicht mehr allein fühlen. Aber er ist wohl kaum je länger, als ein Wipernschlag dauert.

Es gibt Tage, da kommt es mir vor als hätten wir gestern noch miteinander geredet, miteinander gelacht, unsere Träume ausgetauscht. Da habe ich das Gefühl, Du wärst immer bei mir geblieben. Dann kann ich Deinen warmen Atem noch in meinem Nacken spüren und erinnere mich an den süßen Geschmack Deiner Lippen.
Und dann gibt es Tage, da kommt es mir vor, als war all das in einem ganz anderen Leben. Als wäre ich damals ein anderer Mensch gewesen. Dann sehe ich meine Erinnerungen nur noch durch Nebelschwaden.
Doch wenn ich mich sehr intensiv an Dich erinnere, an Deine Stimme, Dein Gesicht, Dein Lachen, Deine Art die Dinge positiv auszudrücken, indem Du Sie doppelt verneint hast, dann sehe ich meine Erinnerungen durch einen Tränenschleier.

Heute ist Dein 35. Geburtstag. Wo auch immer Du ihn jetzt feiern magst. Wer auch immer ihn jetzt da oben mit Dir feiert. Wir hier unten feiern den Jahrestag Deiner Geburt im Stillen. Ich hoffe, Du machst wenigstens ordentlich Party auf deinem Sternchen. Aber auch wenn Du ein Ehrengast bist, der an diesem Tag durch Abwesenheit glänzt, so ist der Tag Deiner Geburt doch ein Tag der Freude. Freude darüber, dass ich Dich kennenlernen durfte, dass ich ein Teil Deines Leben sein durfte. Freude darüber, dass Du mich geprägt und meine Welt bereichert hast.

Nichtsdestotrotz, es schmerzt. Du fehlst mir so sehr, dass ich es mit Worten nicht beschreiben kann.
Deine Seele feiert heute Ihren 35. Geburtstag. Dein Körper ist nur 33 Jahre und 33 Tage alt geworden.

Zurück zum Alltag

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Was für eine Farce.
Ich weiß noch nicht, ob ich traurig, wütend oder enttäuscht sein soll.  Ich weiß nur, es war schlecht, schlecht, schlecht! Es ist ein schwacher Trost, dass am Anfang niemand geglaubt hätte, dass wir überhaupt so weit kommen würden. Immerhin 3 Spiele lang hat Deutschland doch wieder euphorisch ans Finale geglaubt. Da sitzt die jähe Enttäuschung tief. Noch blöder ist es für mich. Ich habe zwar immer kräftig die Daumen gedrückt, aber tief in mir drin, habe ich 5 Spiele lang nicht an die Jungs geglaubt. Ich habe immer mit dem WM-Aus gerechnet. Ehrlich gesagt hätte ich das sogar ziemlich gut verkraften können. Aber dann lieferten Jogis Jungs so tollen Fußball ab, dass ich gestern voll und ganz an den Sieg geglaubt habe. Es war mir auch nicht mehr egal. Ich wollte ihn! Diesen Sieg! Dieses Spiel gegen Holland. Jetzt muss ich, müssen wir alle, uns wohl mit dem vierten Platz abfinden. Glück für den jungen Burschen im Spanien-Trikot, der mir gestern (nach dem Spiel) einsam und allein, aber seine Klingel malträtierend, auf seinem Fahrrad entgegenkam!!

Wirklich traurig ist vor allem, dass jetzt der Alltag zurückkehrt. Jetzt grüßen wir auf der Straße wieder nur die Menschen, die wir kennen. Jedes Lächeln ringen wir uns mühsam ab und vom „in-den-Armen-liegen“ kann schon gar keine Rede mehr sein. Wo ich am Samstag noch mit Fremden feixen konnte, muss ich heute wieder schön die Klappe halten. Gesenkten Hauptes, die deutschflaggenfarbige Kriegsbemalung noch im Gesicht, kam ich gestern Nacht heim. Vor meinem Haus standen zwei Paare mittleren Alters und mittleren Humors mit ihren Fahrrädern, die Flaggen noch am Lenker baumelnd und in ein angeregtes Gespräch vertieft. Als ich sie passierte, rief ich ihnen lächelnd und auf die Fahnen deutend zu: „Na, die müssen Sie jetzt aber Halbmast flaggen!“ Ich erhielt die völlig genervte, fast schon angeekelte Reaktion: „Hä? Wat? Jaja!“ Besonders die Damen fühlten sich durch meinen kurzen Einwurf wohl stark in ihrer öffentlich gelebten Privatsphäre gestört. Das bekam ich aber nur noch hinter meinem Rücken mit, als man sich mit gesenkter Stimme, aber hoch erhobener Nase die Frage stellte: „Was wollte diiiee denn?“, „Was sollte denn das?“ Endstand im Spiel „Jeder-für-sich“ vs. „Alle-für-einen“: 1:0

Das sind die kleinen Auswirkungen, die aber bald nicht mehr auffallen werden, weil wir ja grundsätzlich an diese Zustände gewöhnt sind. Mehr Sorgen macht mir die Vorstellung, dass ca. 40% der Leute, die gestern noch laut „Ööööözil“, „Boaaaaateng“, Cacaaaaauuuuuuu“ und „Poldiiiiiiiiiii“ gerufen haben, morgen wieder den Satz „Scheiß Ausländer“ in ihren Wortschatz integrieren, alle Polen für Autodiebe halten, alle Türken für Knoblauchfresser und überhaupt alle Nichtdeutschen für Sozialschmarotzer. Ginge es nach mir, ich würde mir wünschen, dass die Euphorie noch ein paar Tage anhielte und die Rückkehr zu solchen Stammtischparolen sich noch ganz viel Zeit ließe.

Was das reine Fußballturnier angeht, habe ich schon einen kleinen Rettungsplan erstellt. Zumindest für uns Frauen. Wir sollten uns im nächsten Jahr alle zusammen tun, unsere Autos mit Fahnen schmücken, gröhlen, singen, tanzen, feiern, uns fürchterlich lieb haben, euphorisch sein und uns irgendwo public treffen und gemeinsam viewen… wie die Frauen wieder einmal Fußballweltmeisterinnen werden! Da gäbe es nämlich endlich mal einen Grund zu feiern! Bei unseren Mädels wird die Euphorie immerhin am Ende belohnt! So soll es sein.

In Bezug auf gestern sind meine Tränchen langsam getrocknet, denn als ich heute Morgen erwachte, fiel mir plötzlich wieder ein: „Hey, ich bin ja gar kein Fußballfan!“ Puh…. nochmal Glück gehabt!

Ich freu mich sooooo Prima Vista

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Zwickmühle hin oder her, der gestrige Tag wurde zum bisher schönsten des Jahres und endete mit der Erkenntnis, alles richtig gemacht zu haben! Holt Euch erstmal flott ein Käffchen und Kekse. Es ist soooo viel passiert, dass dieser Bericht seeeehr lang geworden ist!

Prima Vista
Hach, Köln ist doch immer eine Reise wert. Freut man sich in der einen Minute noch über das Auftauchen des Doms am Horizont, bekommt man in der nächsten Minute schon hektische Flecken von der elenden Parkplatzsucherei. Selbst Hinweisschilder auf vermeintliche Parkhäuser enden im Nirgendwo, und ohne meine Navi, hätten wir wohl nie eines gefunden. Nachdem aber auch diese Hürde genommen und mein Puls sich wieder auf ein Normalmaß beruhigt hat, schlendern Nina und ich zum ARTheater, nur damit mein Puls bei Ankunft direkt wieder in nie gekannte Höhen schnellt. Dieses hinterhältige Scheißerchen! Denn kaum, dass wir unser Ziel erreichen, schaue ich von hinten auf einen blanken Schädel und denke kurz, „Ha, wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich jetzt denken, da stünde Oliver Rohrbeck“.  Noch bevor ich den Gedanken zu Ende bringen kann, erblicke ich auch schon David und Simon, ins Gespräch vertieft und an einem Zaun lehnend. Um bloß nicht durch unkontrollierte Freudenschreie negativ aufzufallen, kralle ich mich in Ninas Arm fest und gehe strammen Schrittes weiter, vorbei an dem blanken Schädel. Als wir vor dem Theater stehen bleiben, drehe ich mich um und schaue…. direkt in Oliver Rohrbecks Gesicht. Woaaaah, Brummsel, jetzt nur nicht durchdrehen! Ganz ruhig. Du bist kein Teenie! Du fällst nicht in Ohnmacht! Du bist schon groß! Und cool! Und NICHT peinlich! Lies den Rest dieses Beitrags

In Memoriam

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Peer Schmidt (11.03.1926 - 08.05.2010)

Peer Schmidt (11.03.1926 - 08.05.2010)

Heute starb der Schauspieler Peer Schmidt in Berlin.

Er hat nicht nur in vielen Filmen Jean-Paul Belmondo synchronisiert, nein, er hat für mich persönlich auch noch eine ganz besondere Bedeutung. Dank Peer Schmidt war Marlon Brando in der deutschen Fassung von Endstation Sehnsucht genau so perfekt, wie in der originalen. Auch wenn Peer Schmidt natürlich nicht ansatzweise so genuschelt hat, wie Marlon es immer tat. Sein berühmter „Stellaaaaaaaaaa“-Ruf war Brandos Originalversion verblüffend ähnlich und absolut ebenbürtig. Peer Schmidt war, neben Gert-Günther Hoffmann, in meinen Augen die passendste und perfekteste Brando-Stimme. Leider durfte er das in nur zwei Filmen unter Beweis stellen. (Hoffmann durfte sogar nur ein Mal ran. Ich persönlich mochte Helmut Krauss auf Brando nie! Und Harald Juhnke auch nicht! So!)

Schaut man sich die deutsche Version von Endstation Sehnsucht an, so muss man zugeben, dass die Synchronisation wahnsinnig schlecht ist. Sie ist nahezu nie Lippensynchron, auf Labiale wurde keine Rücksicht genommen, teilweise ist der deutsche Satz schon beendet, während die Schauspieler ganz offensichtlich noch weiterreden, oder auch umgekehrt. Kein Vergleich zu der Qualität heutiger Synchronisationen, in denen auf jede Kleinigkeit geachtet wird, damit die Illusion perfekt bleibt. Dennoch muss man Peer Schmidt, Marianne Kehlau und Carola Höhn für Ihre Sprecherleistung in Endstation Sehnsucht anerkennenden Respekt zollen. Sie trafen die Emotionen auf den Punkt. Sie sprachen nicht, sie spielten die Rollen mit aller schauspielerischen Leidenschaft!

Weitere Hörproben:

Nun ist Peer Schmidt im Alter von 84 Jahren (auch wenn jetzt fälschlicherweise alle 86 Jahre titeln) nach länger Krankheit gestorben. Mit ihm verließ der Letzte der Endstation Sehnsucht Riege (sowohl an Schauspielern, als auch die Sprechern) die große Bühne des Lebens.

Danke Peer für Deine tolle Stimme. Mögest Du in Frieden ruhen. Grüße mir Marlon auf seiner Wolke!

Engel für den Augenblick

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Dieses Ereignis liegt schon ein paar Monate zurück, aber ich erzähle gern davon, weil es mich heute noch bewegt und auch die meisten Menschen denen ich davon berichte.

Es muss ungefähr im September 2009 gewesen sein. Es war einer dieser Tage an denen man sich einfach rundherum beschissen fühlt. Einer der Tage, an dem Dir schon beim Aufwachen die Tränen in den Augen stehen und Du weißt nicht mal so genau warum. Du magst es ahnen, aber warum sie ausgerechnet jetzt mit solch einer Heftigkeit nach draußen drängen, kannst Du Dir nicht erklären. An einem solchen Tag geht natürlich auch alles schief was nur schief gehen kann, du stolperst über deine eigenen Füße, schmeißt Sachen um, hast Lust auf überhaupt nichts und obendrein auch noch einen Bad-Hair-Day. Meine Laune hatte ihren Tiefpunkt also erreicht. Aber es half ja alles nichts. Im Bett verkriechen und einfach zwei Stunden heulen war nicht drin, denn meine beiden Kater Marlon und Spencer maunzten mich hungrig an und das Futter war alle. Mein eigener Kühlschrank hatte auch nichts mehr zu bieten und so war ich doch tatsächlich gezwungen, einen Schritt vor die Tür zu wagen. „Na großartig! Wenn mich jetzt einer nur schief anguckt, flippe ich wahrscheinlich aus!“, dachte ich. Lies den Rest dieses Beitrags